Evangelischer Religionsunterricht in Zeiten von Corona

Lehrerinnen und Lehrer erzählen, wie sie die Krise meistern

Wien (epdÖ) – Briefe von einer Handpuppe? Instagram-Videos vom Lehrer? Eine eigene Homepage für den Unterricht? In der Coronakrise haben viele evangelische Religionslehrerinnen und -lehrer neue Ansätze entwickelt, um Kinder und Jugendliche zu erreichen, auch wenn die Schulen geschlossen bleiben. Der Evangelische Pressedienst für Österreich hat sich bei einigen von ihnen umgehört und einen kleinen Überblick zusammengestellt, wie Religionsunterricht auch im Krisenmodus funktionieren kann – von der Volks- bis an die Hochschule, von Tirol bis nach Niederösterreich.

Joe Karner: 40 Schulen, eine Website

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen: Da er in Tirol an über 40 Schulen – vom Brenner bis nach Seefeld und von Innsbruck bis ins Ötztal – rund 90 Schülerinnen und Schüler betreut, entschied sich Joe Karner, eine eigene Homepage als Lernplattform einzurichten: “Auch wenn die einzelnen Schulen intern Strukturen aufgebaut haben, ist es für meine Kolleginnen und mich nicht administrierbar, in jedes Schulsystem einzusteigen und dann einen Schüler oder eine Schülerin zu betreuen”, schildert Karner die Herausforderung. Zuvor habe er einige vergleichbare Angebote analysiert, aber feststellen müssen, dass keines davon seinem eigenen Unterrichtsstil entspreche. Selbst ohne Erfahrung in dem Metier habe ihm sein Bruder – ein Webdesigner – unter die Arme gegriffen, erklärt Karner.

Eins zu eins lasse sich der Religionsunterricht freilich nicht ins Netz übertragen: Üblicherweise gehe er immer von der Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler aus – sei es bei der Erarbeitung biblischer Geschichten oder bei ethischen Themen: “Nur so können sie die Inhalte mit ihrem eigenen Leben verknüpfen.” Online ließe sich das freilich schwerer realisieren; da behelfe er sich damit, kleine Hörspiele oder Videos aufzunehmen, auch damit ihn die Kinder hören und sehen können: “Ich weiß, dass ich mit diesem Fach bei meinen Schülerinnen und Schülern assoziiert bin und hoffe, dass so vielleicht ein kleines Fünkchen Normalität in diese völlig absurde Zeit kommt”, sagt Karner, der das Online-Projekt, das am 19. April zunächst öffentlich und frei zugänglich startete, auch nach Ende der Einschränkungen durch die Coronakrise fortführen will. “Die Situation im evangelischen Religionsunterricht wird immer prekärer, da müssen wir rechtzeitig neue Wege suchen, wie der Unterricht laufen kann. Jetzt, da uns die Coronakrise dazu zwingt, sind wie schon auf einem neuen Weg.” Zu finden ist Karners Website unter www.reli-in-action.at

Heidemarie Wagner: Briefe von Twuff

Bei Heidemarie Wagners Schülerinnen und Schülern ist es eine Handpuppe, die sie durch die Zeit der Coronakrise begleitet. Der gelbe Filzhund namens Twuff kommt bei Wagner, die an vier Volksschulen und einer Neuen Mittelschule in Kärnten unterrichtet, auch sonst immer zum Einsatz: “Ich stelle den Kindern Twuff immer als meinen Freund vor, der schüchtern ist und nur rauskommt, wenn es ganz leise ist. Der geht dann im Kreis herum und immer das Kind darf sprechen, das Twuff gerade hat.” Dabei lade sie die Kinder ein, ihre Emotionen auf “Gefühlekärtchen” zu schreiben, die dann gesammelt würden. Ziel sei deren emotionale Sprachfähigkeit.

Diesen stark auf Ritualen fokussierenden Ansatz versuche sie auch nun beizubehalten, da die Kinder nicht in die Schule kommen könnten, “wo doch die Beziehung die Basis des Religionsunterrichts ist”. Jetzt schreibe der gelbe Filzhund Twuff den Kindern also wöchentlich Briefe. Auch da versuche sie, die Gefühlekärtchen und Rituale zu integrieren. “Twuff erinnert an diese Rituale und ermutigt dazu, sie auch zuhause zu machen. Sie können ihm dann schreiben, wie es ihnen geht oder wie sie etwa Ostern gefeiert haben.” Tatsächlich habe sie bereits Videos zugeschickt bekommen, auf denen Kinder zuhause Segen sprechen. In den Briefen von Twuff kämen zudem kleine Aufträge, die aber wiederum nicht sie als Lehrerin, sondern der Filzhund formuliere. Ihr Kernanliegen sei es, “die Angebote, die ich im Unterricht zur Verfügung stelle, um sich selbst zu strukturieren, um Spiritualität zu erleben, jetzt in dieser schwierigen Situation auch zuhause zu bieten”, so Wagner.

In den zehn Kapiteln des Readers geht die Jugendreferentin der Evangelischen Kirchengemeinde Lauffen (Württemberg) unter anderem auf den Begriff des Mentoring ein, skizziert mögliche Inhalte und Fragestellungen, analysiert biblische Grundlagen und entwickelt einen Leitfaden zur Entwicklung eines eigenen Mentoringstils. Gegliedert ist die Publikation in thematische Lerneinheiten über je 90 Minuten. Ein Spiel führt zu Beginn jedes Kapitels an das zu behandelnde Thema heran, es folgen Wissensinput und vertiefende Fragen.

Entstanden ist der Mentoring-Reader aus dem Dreiländerprojekt MAM (MitarbeiterInnen-Ausbildung und -Mentoring), an dem neben der Evangelischen Jugend Salzburg-Tirol der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) Oberalster zu Hamburg und die Evangelisch-lutherische Gemeinde Bozen mitwirken. Im vergangenen Jahr hatte das Projekt den von den Ländern Tirol und Südtirol gemeinsam vergebenen Ehrenamtspreis „Glanzleistung“ erhalten. Alle Infos zum Projekt unter www.mam4you.net. Hier findet sich auch der Mentoring-Reader zum Download.

Jutta Aschauer: Distance Learning von der Volksschule bis an die KPH

Gänzlich auf Distance Learning von zuhause aus ist man an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems (KPH) umgestiegen. Jutta Aschauer, selbst auch Religionslehrerin in verschiedenen Schultypen und -stufen, ist hier unter anderem in der Ausbildung von Religionspädagoginnen und -pädagogen tätig. Über die Lernplattform Moodle werden Arbeitsaufträge erteilt, Ausgearbeitetes hochgeladen, Feedback gegeben. So sei “durchaus differenziertes Arbeiten möglich”, sagt Aschauer, die an der KPH auch künstlerische Fächer unterrichtet: “Selbst das klappt gut, auch wenn diese Fächer sehr praktisch orientiert sind. Da gebe ich Aufgaben, zu denen die Studierenden Fotos einstellen, und die können dann von allen anderen Studierenden gesehen und kommentiert werden.”

Ob und wie E-Learning in den verschiedenen Schulstufen funktionieren kann sieht Aschauer allerdings zwiespältig: In der Sekundarstufe II – ab dem neunten Schuljahr, sei das ohne weiteres möglich, an den Neuen Mittelschulen nur mehr mit Einschränkung: “Bei den 10- bis 14-Jährigen ist die Gruppe unersetzbar, das fällt da natürlich weg, selbst wenn man auf Plattformen wie YouTube oder Zoom zurückgreifen würde.” Gar nicht vorstellen könne sie sich Religionsunterricht via Internet bei den Jüngsten im Schulsystem: “Religionsunterricht in der Volksschule kann man nicht durch Lernplattformen oder sonstige Arbeitsformen ersetzen. Das geht nicht. Religionsunterricht beruht auf Interaktion, auf persönlichem Kontakt, auf sozialem Lernen, auf Beziehung.” Inhaltlich ließe sich zwar einiges mit Materialpaketen auffangen. Eine Alternative zum direkten Kontakt sei das aber nicht, meint Aschauer.

Ralf Isensee: Als Pfarrer und Lehrer auf Instagram

Mehr Jugendliche als in der Zeit vor Corona erreicht Pfarrer Ralf Isensee. Das liegt freilich nicht nur am Unterricht, der sich für den Religionslehrer am BRG Spittal an der Drau in Kärnten vollständig auf digitale Plattformen verlagert hat, sondern vor allem an seinem Instagram-Account (@bienenpfarrer). Dort postet er allmorgendlich einminütige Videos, die sich auch viele Schülerinnen und Schüler ansehen, die seinen analogen Unterricht gar nicht besuchen, und die zum Teil nicht einmal evangelisch sind. Ergeben habe sich das erst durch die Coronakrise, die ihn wie alle anderen Lehrerinnen und Lehrer vor die Frage gestellt habe, wie er nun seine Arbeit sinnvoll machen könne: “Ich habe mir dann vieles angesehen, was etwa auf YouTube passiert, und mich gefragt: ‘Wer schaut das eigentlich an?’” Vor allem die Länge der dort geposteten Videos habe ihn skeptisch gemacht.

Instagram habe sich dann als gute Alternative für ihn herauskristallisiert. Zum Einen, weil sich dort relativ viele junge Leute aufhielten, zum anderen, weil das spezifische Videoformat von maximal einer Minute in der Grundversion vielen Nutzerinnen und Nutzern entspräche, die sich einfach durchklicken wollten. “Und es ist eine schöne Herausforderung für meinen Beruf”, meint Isensee, der mit Instagram zuvor nur “sporadische Erfahrung” hatte. Die Berührungsängste der Jugendlichen mit ihrem Lehrer seien dabei tendenziell eher gering, stellt Isensee fest, der auch nach der Coronakrise mit den Videos weitermachen will: “Weil ich die Vorteile einfach sehr genieße und weil es eine Möglichkeit ist, mit Menschen in Kontakt zu sein, die ich sonst nicht hätte”.

Gebet für Freiheit und Würde 20.04.2020

Abschiebungen finden zur Zeit nicht statt, aber rechtskräftig negative Bescheide werden weiterhin ausgestellt und versendet.

Auch in andere Länder, aus denen Geflüchtete hierherkommen, wird momentan nicht abgeschoben. Es dürfte aber auch ausgesprochen schwierig sein, Heimreisezertifikate für Menschen über die eine Rückkehrentscheidung erlassen wurde ausgestellt zu bekommen. Denn das Coronavirus ist auf dem Vormarsch und stoppt auch nicht vor Ländern in denen Terror, Krieg und Armut herrschen. Und in den Herkunftsländern ist die Angst vor Personen, die aus Europa abgeschoben werden besonders groß. Sie könnten das Virus mitbringen. Extreme soziale Distanzierung ist die Folge. Für die Afghaninnen und Afghanen und andere, über die hier in Österreich eine Rückkehrentscheidung erlassen wurde bedeutet die Aussetzung der Abschiebung aber keine Sicherheit. Die Aussetzung ist nicht verbunden mit einem Aufenthaltstitel, sie bedeutet nur noch längeres Warten und noch größere Verunsicherung. Menschenwürde ist eng verbunden mit dem Bedürfnis in Sicherheit leben zu dürfen. Mit einem Leben im Wartezustand ist das kaum zu vereinbaren.

Abschiebungen finden zur Zeit nicht statt, aber rechtskräftig negative Bescheide werden weiterhin ausgestellt und versendet. Auch die Höchstgerichte sind nicht untätig, sondern bestätigen, vor allem für junge alleinstehende Afghanen, die negativen Entscheidungen des BVwG. Das Argument scheint immer zu sein: Afghanistan ist sicher. Man(n) kann dorthin zurückkehren, wenn vielleicht nicht in die Heimatregion, dann doch in die „sicheren“ Städte Kabul, Herat, Mazar-i-Sharif. Diese Entscheidungen betreffen übrigens nicht nur Afghanen, die bisher, seit drei vier, fünf Jahren im Asylverfahren waren, sondern ebenso Menschen, die vor acht Jahren, neun, zehn oder sogar noch mehr Jahren subsidiären Schutz in Österreich erhielten. Subsidiärer Schutz wurde in Österreich gewährt, wenn die Asylbehörden davon ausgingen, dass dem Leben eines Menschen in der Heimat „ernsthafter Schaden“ droht. Nun wird dieser Schutz für Afghaninnen und Afghanen nicht mehr verlängert. Afghanistan ist ja sicher. Auch für Menschen, denen vor vielen Jahren subsidiärer Schutz gewährt wurde und die diesen Schutz verlängern konnten, werden nun Rückkehrentscheidungen getroffen. Selbst dann, wenn sie in Österreich integriert sind, die Sprache gelernt haben, einer Arbeit nachgehen und eine eigene Wohnung finanzieren.

Die Verunsicherung der Afghaninnen und Afghanen ist groß. Wie wird sich ihre Zukunft entwickeln? Gibt es in Österreich überhaupt eine für sie? Afghanistan, das ist für die Allermeisten klar, ist keine Alternative. Ein Land, dass immer noch von Terror, Krieg, Korruption, Willkür und dem täglichen Kampf ums Überleben geprägt ist. Die Corona Pandemie, die auch vor diesem, einem der ärmsten Länder der Welt, nicht Halt macht, treibt die Verunsicherung und die Angst auf die Spitze. Es gibt viele Afghanen, die jahrelang unter uns in Österreich gelebt haben, mit denen wir freundschaftlich verbunden sind, die nun ihr Glück in einem anderen (europäischen) Land suchen. Ist es das, was die österreichische Regierung erreichen will? Erreicht hat?

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,

wir sind ratlos, fühlen uns ohnmächtig und wollen doch nicht aufhören, dafür zu kämpfen, das geflüchtete Menschen in Österreich Asyl erhalten und eine Perspektive für ihre Zukunft bekommen.
In unserer Ratlosigkeit, mit unserer Ohnmacht kommen wir zu dir.
Zu dir beten wir:

Du bist das Leben, du willst das Leben. Dein Sohn Jesus Christus ist auferstanden, weil du dem Tod die Macht genommen hast.

Doch wir erleben, wie der Tod in vielfältiger Weise noch um uns greift, leichtfertig in Kauf genommen von Politik und Regierenden. Zukunftspläne von Menschen, die niemals grundlos und unüberlegt ihr Herkunftsland verlassen mussten, werden vernichtet, ihre Hoffnung gelähmt.

Wir bitten dich, halte unsere Augen wach, damit sie die tiefe Not von Menschen wahrnehmen. Lass uns hinschauen in unsere Flüchtlingsunterkünfte, an die Asylgerichte, die Beratungseinrichtungen. Aber auch nach Moria, Lesbos, das Mittelmeer.
Erfrische unsere Gedanken, damit sie nicht aufhören Ideen für ein gerechtes Miteinander und Linderung von Not zu denken. Lass sie übersprudeln in verstaubte Regierungen, verstockte Regierungsprogramme und steinharte Regierungsköpfe.
Öffne unseren Mund, damit er nicht verstummt gegenüber Intoleranz, Gleichgültigkeit und Unbarmherzigkeit. Lass uns lautstark dafür eintreten, dass die Rechte derer, die verstummt, mundtot und resigniert sind genauso gewahrt werden, wie die der Vorlauten und Ungehobelten.
Lehre uns – in aller Unsicherheit unserer eigenen Nöte – Großzügigkeit. Eine Großzügigkeit, die Fremde nicht ausgrenzt, sondern teilhaben läßt, weil wir erkennen, dass Vielfalt uns alle bereichert. Lass uns gerade dann in dieser Großzügigkeit leben, wenn Engstirnigkeit und soziale Kälte erlebbarer zu sein scheinen.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung.

Du bist das Leben. Du willst das Leben. Vor dir sind alle Menschen gleich. Dafür danken wir dir.
Wir glauben mit Gewissheit, dass du mitten unter uns bist, wenn wir unsere Ängste, unsere Stärken, unsere Bedürftigkeit, unser Glück und unsere Liebe miteinander teilen. In diesem Glauben wollen wir durch die neubegonnene Woche gehen, Herausforderungen annehmen und eintreten für alles, was dem Leben dient. Begleite du uns dabei mit deinem Segen.

Wir beten zu dir, wie Jesus Christus uns es gelehrt hat:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Quasimodogeniti – 19. April 2020

Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Jesaja 40,26-31 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

Olivier Dantine – Predigt zum Ostersonntag – 12. April 2020

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« (Psalm 110,1). Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.

1. Korinther 15,19-28 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Ostersonntag, 12. April 2020

Musik im Audio-Beitrag von Ronald Kah, Song: “Dancing in the Moonlight”; Creative Commons Lizenz CC-BY

Olivier Dantine – Predigt zum Karfreitag – 10. April 2020

Die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben, dass einer für alle gestorben ist und so alle gestorben sind. Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde. Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

2. Korinther 5,14-21 (Lutherbibel 2017)

Christen und Heiden
1
Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.
2

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.
3

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,
und vergibt ihnen beiden.

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, (Hg. von Eberhard Bethge) Neuasgabe 1985, S .382

Predigt von Olivier Dantine zum Karfreitag, 10. April 2020

Musik im Audio-Beitrag von Ronald Kah, Song: “Journey”; Creative Commons Lizenz CC-BY

Innsbrucker Christuskirche feiert Osternacht@home

Videogottesdienst um 5 Uhr – Ostergrüße und Musik aus den Wohnzimmern

Innsbruck (epdÖ) – Zur österlichen “Prime Time” sendet die Innsbrucker Christuskirche heuer am Ostersonntag um 5 Uhr morgens eine Osternacht@home. Damit verknüpft die Tiroler Gemeinde eine alte Gemeindetradition mit der besonderen Herausforderung, auch in Zeiten der Corona-Pandemie Ostern und die Auferstehung zu feiern: “Es gibt ja schon viele Angebote in ganz Österreich, bei denen man Zuschauen kann. Bei uns aber hat die Osternacht einen besonderen Stellenwert”, sagt Werner Geißelbrecht im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst für Österreich. Er selbst ist seit 11 Jahren Pfarrer in der Christuskirche; eine eigene “Osternachtsgemeinde” habe sich schon damals gebildet gehabt: “Für die ist das ein Höhepunkt im Jahr”.

Angelegt sei die Osternacht nicht als Livestream, sondern wie ein TV-Gottesdienst, schildert Geißelbrecht. Dazu habe man den jungen Tiroler Filmemacher Jakob Straßl engagiert. Die Aufnahmen hätten bereits stattgefunden, natürlich um 5 Uhr morgens, um den Charakter des anbrechenden Morgens beizubehalten: “Wir sind schon sehr gespannt, wie das gelingt. Wie fängt man zum Beispiel die Stimmung ein? Bei einem normalen Sonntagsgottesdienst ist ja immer dasselbe Licht, aber hier geht’s um den Weg vom Dunkel ins Licht”, erklärt Geißelbrecht, der für den Gottesdienst gemeinsam mit Vikarin Ulrike Swoboda vor der Kamera steht.

Ergänzt werde die Osternachtsliturgie um Ostergrüße und Osterwünsche, die Mitglieder der Gemeinde von zuhause aus senden und die als Videobotschaften eingearbeitet werden. Die Musik kommt gar aus Oberösterreich: Sie hat die in Eferding lebende sechsköpfige Familie des Bruders von Pfarrer Geißelbrecht in Wohnzimmer, Garten und der dortigen Kirche eingespielt. Insgesamt sind 35 Menschen an der Produktion der Osternacht beteiligt

Der Gottesdienst zur Osternacht ist am Sonntag, 12. April, ab 5 Uhr zu sehen auf www.innsbruck-christuskirche.at

Gebet für Freiheit und Würde 06.04.2020

Die Abschiebungen nach Afghanistan sind von der österreichischen Regierung zurzeit ausgesetzt.

Auch in andere Länder, aus denen Geflüchtete hierherkommen, wird momentan nicht abgeschoben. Es dürfte aber auch ausgesprochen schwierig sein, Heimreisezertifikate für Menschen über die eine Rückkehrentscheidung erlassen wurde ausgestellt zu bekommen. Denn das Coronavirus ist auf dem Vormarsch und stoppt auch nicht vor Ländern in denen Terror, Krieg und Armut herrschen. Und in den Herkunftsländern ist die Angst vor Personen, die aus Europa abgeschoben werden besonders groß. Sie könnten das Virus mitbringen. Extreme soziale Distanzierung ist die Folge. Für die Afghaninnen und Afghanen und andere, über die hier in Österreich eine Rückkehrentscheidung erlassen wurde bedeutet die Aussetzung der Abschiebung aber keine Sicherheit. Die Aussetzung ist nicht verbunden mit einem Aufenthaltstitel, sie bedeutet nur noch längeres Warten und noch größere Verunsicherung. Menschenwürde ist eng verbunden mit dem Bedürfnis in Sicherheit leben zu dürfen. Mit einem Leben im Wartezustand ist das kaum zu vereinbaren.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,

wir leben aus deiner Zusage, dass jeder Mensch kostbar ist. Aber wir erleben immer wieder Menschenverachtung und Intoleranz. Hilf uns nicht müde zu werden, für die Wahrung von Würde, Achtung und Respekt einzutreten, auch wenn die Zeiten dafür im Moment schwierig scheinen. Wir wollen es nicht zulassen, dass Menschen unter uns, die schon einmal alles zurücklassen mussten, verunsichert, mit Angst vor der Zukunft unter uns leben müssen. Darum bitten wir dich, dass du die Herzen derjenigen öffnest, die sie vor der Not anderer verschließen möchten, weil sie eine andere Hautfarbe, eine andere Religion, eine andere Nationalität haben oder schlichtweg nicht von hier sind.

Dein Sohn Jesus Christus hat uns ein friedfertiges, wertschätzendes Leben vorgelebt. Wir in Österreich und Europa nennen uns „christliches Abendland“ und doch werden „Fremde“ ausgegrenzt und das Leben anderer geringgeschätzt. Gib uns Mut Verantwortung füreinander über Grenzen hinweg wahrzunehmen und umzusetzen. Ermutige uns immer wieder furchtlos klare Position zu beziehen, auch wenn uns schon lange niemand mehr hören will. Wir wollen nicht zusehen, wie Menschen an den Grenzen Europas unter schlimmsten, entwürdigenden Bedingungen leben müssen, weil unsere Regierungen nicht zum Handeln bereit sind. Rüste uns aus mit Langmut und Beharrlichkeit, damit wir ihnen weiter in den Ohren liegen.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,

für uns bist du der einzige HERR auf dieser Welt. Aber wir erleben, wie Menschen bereit sind sich einem Führerprinzip zu unterwerfen. Gib, dass wir couragiert gegen jede Herrschaftsideologie auftreten, damit Menschen nicht gedankenlos einem Führerprinzip hinterherlaufen. Hilf uns ehrlich zu argumentieren, Fakten aufzuzeigen und aussichtlose Streitereien zu vermeiden.

Mach uns stark dafür weiterhin in deiner Nachfolge zu leben und unbeirrt für Nächstenliebe einzutreten. Lass uns Stimme für die Schwachen sein, Trost für die Verängstigten und Schirm für die Schutzsuchenden.

Und wir bitten dich: Unser Gebet sei mehr als Wunschkonzert,
Tradition und Denkleistung – es sei erfüllt mit uns selber!
Lege uns in der Stille Worte in den Mund, die über das
hinausreichen, was erreichbar ist!
Mache unser Gebet stark und uns selber lebendig!


Wir beten zu dir, wie Jesus Christus uns es gelehrt hat:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Olivier Dantine – Predigt zum Palmsonntag – 5. April 2020

Und als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Markus 14,3-9 (Lutherbibel 2017)

Corona-Hilfsfonds der Diakonie

Predigt von Olivier Dantine zum Palmsonntag, 5. April 2020

Musik im Audio-Beitrag von Ronald Kah, Song: “Indian Sunrise”; Creative Commons Lizenz CC-BY

Gebet für Freiheit und Würde 30.03.2020

Trotz Corona Pandemie finden die Behörden Zeit negative Asylbescheide zu versenden.

In einer Zeit also, in der es eigentlich darum gehen sollte, Menschen nicht noch mehr Ängsten auszusetzen und sie nicht noch mehr zu verunsichern. In einer Zeit, in der eigentlich Solidarität und die Wahrnehmung des Sicherheitsbedürfnisses aller, die in Österreich leben groß geschrieben werden sollte.

Von negativen Entscheidungen in 2. oder sogar 3. Instanz sind fast alle jungen, so genannten „alleinstehenden“ Männer aus Afghanistan betroffen. Alle, beinahe ausnahmslos mit dem Argument, dass sie in der Lage seien sich in Afghanistan eine neue Existenz aufzubauen. Egal, wie lange sie schon aus Afghanistan weg sind oder ob sie das Land überhaupt je mit dem Bewusstsein eines Erwachsenen gesehen haben. Dass sie hier in Österreich sehr oft, sehr gut „integriert“ sind, spielt keine Rolle.

Wir in Österreich erleben im Moment gerade selbst, wie wichtig Solidarität und Netzwerke sind. Wie kann jemand ein funktionierendes Netzwerk haben, wenn er abgeschoben wird in ein Land, das er jahrelang, jahrzehntelang nicht gesehen hat? Wie soll jemand der abgeschoben wird auf unterstützende Solidarität hoffen können in einem Land, in dem fast die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt und in dem Terroranschläge sowie Mord und Totschlag zum Alltag gehören?

Von was soll sich jemand in einem Land, in dem schon vor der Corona Pandemie über 9 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen waren eine Existenz aufbauen können?

Afghanistan ist nicht sicher! Und kann schon gar nicht den Existenzaufbau sichern!

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,
wir beten zu dir, weil wir wissen, dass dir das Schicksal eines Menschen nicht egal ist.
Wir beten zu dir, weil wir glauben, was dein Sohn Jesus gelebt und gepredigt hat: Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Respekt vor dem Leben.
Wir beten zu dir, weil wir hoffen, dass du für Einsicht sorgen kannst in Köpfen von Menschen, die über die Schicksale anderer entscheiden. Lass dort in diesen Köpfen Platz sein für Respekt vor der Würde jedes Menschen,
für den Willen Fakten und Argumente, die nicht die eigene Meinung bestärken ernst zu nehmen,
für die Offenheit unvoreingenommen zuhören zu wollen,
und nicht zuletzt für die Erkenntnis, dass getroffene Entscheidungen immer weitreichende Konsequenzen für die Betroffenen haben.
Wir beten zu dir, weil wir uns ohnmächtig fühlen, überfordert, zu oft einfach nur traurig.

Sei du unser Rückenwind, wenn uns der Gegenwind die Kraft raubt,
sei du unser Licht auf dem Weg, wenn die Dunkelheit uns zu lähmen droht,
sei du unsere Stimme dort, wo uns unsere Worte ausgehen.

Wir bitten dich, Gott:
Gib – auch durch uns! –
den Benachteiligten deine Gerechtigkeit,
den Stummgemachten deine Stimme,
den Engstirnigen deine Weite.
den Mutlosen deine Stärke,
den Mächtigen deine Weisheit,
den Gereizten deine Ruhe,
den Flüchtenden deinen Schutz.


Wir beten zu dir, wie Jesus Christus uns es gelehrt hat:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Judika – 29.03.2020

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Hebräer 13,12-14 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Judika, 29. März 2020

Musik im Audio-Beitrag von Ronald Kah, Song: “Journey”; Creative Commons Lizenz CC-BY