Salzburger Verein “teilweise” gewinnt Innovationspreis der Evangelischen Jugend

Preis erstmals vergeben –  Festakt im Wiener Dschungel

Wien (epdÖ) –  Der Verein „teilweise“ mit seinem Projekt „Gründung und Aufbau einer offenen Jugendarbeit im Salzburger Süden“ ist der Gewinner des heuer erstmals verliehenen Innovationspreises der Evangelischen Jugend Österreich (EJÖ). Ausgezeichnet wurde das Projekt, das partizipativ mit Jugendlichen und für Jugendliche ein “offenes Jugendhaus” errichten will, in dem diese “unabhängig von ihrer sozialen, ökonomischen, konfessionellen oder religiösen Zugehörigkeit” Raum finden, bei einem Festakt am Samstag, 10. Oktober, im Wiener Jugendtheater “Dschungel”. 

Chalupka: Teilhabe ermöglichen und stärken

Den Namen des Vereins nahm der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka als Vorsitzender der Jury zum Ausgangspunkt seiner Laudatio. „‘Teilweise‘ – das klingt vorsichtig. ‚Teilweise‘ – das klingt zögerlich.“ Doch das sei hier nicht der Fall: Das Projekt wolle „etwas Mutiges und Beherztes. Es will Teilhabe ermöglichen und stärken. Es will Weisheit leben und geben.“ Hier werde Zugewandtheit und Neugier spürbar. Zugleich verweise der Name des Projekts auf seinen realistischen Anspruch: “Das Ganze sein wollen, ist Unsinn. Die Mehrheit sein wollen, ist Unsinn. ‘Wir sind ein Teil, nicht alles‘ – und daraus machen wir alles, was geht, für das Ganze, für unsere Nachbarschaft, für die Gesellschaft.“ Die Einsicht, selber ein Teil zu sein, öffne auch den Weg zum Wahrnehmen von Vielfalt, von Verschiedenheit. Das Anliegen, „die Jugendlichen vor Ort in ihrer ganzen weltanschaulichen und sozialen Vielfalt wahrzunehmen“, habe die Jurymitglieder besonders beeindruckt.

Herrgesell: Projekte “rütteln auf” 

Jedes der eingereichten Projekte zeige, wie kreativ sich viele in den Pfarrgemeinden im ganzen Land engagierten, würdigte Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell die Initiativen in einer in ihrer Abwesenheit verlesenen Grußbotschaft. „Sie zeigen auf, was alles möglich ist, rütteln auf, Dinge anzupacken“, so Herrgesell. „Ich bin stolz auf alle jungen Menschen, die hinter den Projekten stehen.“ Sie sehe diese auch als Auftrag an die Gesamtkirche, „es Euch Jungen nachzumachen“.

Grünfelder: “Wir wollen Euch zeigen”

Das große Ziel hinter der Idee des Innovationspreises sei es eine Plattform zu schaffen, “die unser Tun zeigt, unsere innovativen Entwürfe und Planungen, mutiges Neudenken in Bereichen, die nicht ohne Tradition auskommen, aber auch den heutigen Blick benötigen, um weiterbestehen zu können”, erklärte die frühere Jugendpfarrerin Petra Grünfelder als eine der Initiatorinnen des Preises. “Was wir tun möchten: Wir wollen Euch zeigen, Euch vor dem Vorhang sehen.”

Für das musikalische Rahmenprogramm des Abends sorgten die Wiener Diözesankantorin Yasuko Yamamoto am Klavier und Jan Equiluz mit der Trompete. Durch den Abend führten die Moderatorinnen Dominik Knes und Caroline Ruttner.

Zum Innovationspreis

Eingereicht worden waren sechs Vorschläge aus fünf Diözesen, darunter neben dem Sieger das Schladminger Videoprojekt “Reel Kids”, die “Mobile Kirche” aus dem Burgenland, das multimediale Projekt “Die Treppen gewendelt” der Burg Finstergrün, das “LIMA-Jugendzentrum” im kärntnerischen Lieser- und Maltatal und der Besuchsdienst “Di-Young-Konie” der Pfarrgemeinde Mödling. Alle Kandidaten wurden beim Festakt im Wiener Dschungel mit einem Kurzvideo präsentiert. Die Entscheidung über den Gewinner traf eine Jury bestehend aus Bischof Michael Chalupka, Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell, Clara Akinyosoye (ORF), Patrick Todjeras (Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung), Marjan Kac (Westbahnhoffnung Villach), der früheren Jugendpfarrerin Petra Grünfelder und Thomas Nanz (EJÖ). 

Dotiert ist der Innovationspreis der EJÖ mit 5000 Euro. Ende 2019 sind alle Pfarrgemeinden, Werke, Vereine, Initiativen und diakonische Unternehmen innerhalb der Evangelischen Kirche A.u.H.B. in Österreich mit Projekten, die zwischen 2015 und 2020 realisiert worden sind oder gerade realisiert werden, zur Teilnahme aufgerufen worden. Damit wolle man laut EJÖ “sichtbar innovative Projekte aus dem evangelischen Umfeld vor den Vorhang holen, bei denen Menschen (neu) erreicht werden, die wir sonst mit kirchlichen Angeboten nicht (mehr) erreichen”, und “bei denen das Evangelium durch Wort und/oder Tat zum Leuchten gebracht wird und Sinn-, Lebens- und Glaubensfragen ihren fixen Platz haben”. Die Projekte sollten sich dabei an einer Zielgruppe von Kindern und jungen Erwachsenen bis 30 Jahre orientieren. 

Verein teilweise

Fünf Argumente für den Religionsunterricht

Eine Einladung von Adel David

Jedes Jahr im September stellt sich die Frage neu: soll mein Kind den Religionsunterricht besuchen oder nicht? Natürlich sind – besonders für SchülerInnen der Oberstufe – die Freistunden, die einem zustehen, wenn man den Religionsunterricht nicht besucht, verlockend. Doch, es gibt auch genug Gründe, Reli im Stundenplan zu behalten.

  1. Der erste Grund ist ganz was Profanes: es ist sehr wahrscheinlich, dass die Relinote dem Notendurchschnitt gut tut. Es ist ein Fach, wo zwar Mitarbeit erwünscht ist, aber es ist sehr schwer, eine schlechte Note zu bekommen. Auch, weil keine Schularbeit geschrieben wird.
  2. Im Religionsunterricht geht es nur selten darum, Dinge auswendig zu lernen. Ja, es gibt einige Fakten, die man schon lernen muss, aber hauptsächlich geht es darum, in bestimmten Themen eine eigene, begründete Meinung zu formulieren. Argumentieren, Nachdenken, Widersprechen, die eigene Ansicht verteidigen, die Ansicht von anderen mit Wertschätzung begegnen: wer das kann, hat sich schon eine gute Note gesichert, ganz ohne stundenlanges Büffeln.
  3. Der Lehrplan für den Religionsunterricht ist so konzipiert, dass es viel Freiraum bleibt, was in den einzelnen Jahrgängen gelernt werden muss. So entfällt der Lernplanstress, den wir in anderen Fächern oft erleben. Der Lehrende kann sich auf Wünsche und Interessen der Lerngruppe einlassen, Themengebiete tiefer behandeln oder nur überfliegen – je nach Interesse der Schüler und Schülerinnen.
  4. Im Religionsunterricht ist viel Zeit für Themen da, die in anderen Fächern keinen oder wenig Platz haben: für die persönliche Entwicklung, für Fragen des Zeitmanagements und der Konfliktlösung in der Schule, für die Entwicklung von Softskills, die man im Leben immer wieder braucht.
  5. Schließlich ist nicht zu vergessen: Religionslehrerinnen und -lehrer fühlen sich oft auch für das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler zuständig. In der Zeit des Distance Learnings war Religion ein Fach, wo Lernende auch ihre Sorgen und Probleme erzählen konnten. Religionsunterricht bietet neben Wissenserwerb auch immer wieder Oasen und Zeiten des Aufatmens – und das fasst er nicht als eine Pause im Lernen auf, sondern die Pause ist ein Teil und Gegenstand des Lernens.

Und warum hat es Ihnen damals gut getan, den Religionsunterricht zu besuchen?
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Quelle: http://www.christuskircheklagenfurt.at/fuenf-argumente-fuer-den-religionsunterricht/

Neue Diözesanjugendreferentin

Sarah Wilke vom Diözesanjugendrat Salzburg-Tirol gewählt

Am 6. Juni wurde in der Innsbrucker Christuskirche Sarah Wilke zur neuen Diözesanjugendreferentin gewählt. Die Wahl erfolgte in der Sitzung des Diözesanjugendrates, in dem 22 Delegierte aus der Jugendarbeit der Pfarrgemeinden vertreten sind.

Die 32-jährige Sarah Wilke kommt aus Westfalen, arbeitete erst als Mechatronikerin bevor sie die Ausbildung zur Gemeindepädagogin und Diakonin begann. Zur Zeit ist sie Gemeindejugendreferentin in Halle/Westfalen und zudem im landeskirchlichen Arbeitskreis “Arbeit mit Kindern” tätig. Außerdem ist sie Delegierte zum Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Zu den Aufgaben der neuen Diözesanjugendreferentin gehören die Koordination der diözesanen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Vernetzung der Gemeinden untereinander, sowie die Aus- und Weiterbildung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in der Jugendarbeit. Weitere wichtige Bereiche sind das Vertreten von Anliegen der Kinder und Jugendlichen in Kirche und Gesellschaft sowie die Mitarbeit auf gesamtösterreichischer Ebene und die Fortführung internationaler Kontakte.

Sarah Wilke wird ihre Funktion im Herbst übernehmen. Für ihre Aufgabe wünschen wir ihr Gottes Segen!

Radiogottesdienst „Der Heilige Geist beflügelt“

Am Pfingstmontag aus Kufstein

Kufstein (epdÖ) – Der ORF-Radiogottesdienst vom Pfingstmontag, 1. Juni, kommt aus Kufstein in Tirol. „Der Heilige Geist beflügelt. Er überwindet alle Begrenzungen und Einschränkungen des Lebens und führt in die Weite.“ Unter diese Überschrift stellen Pfarrer Robert Jonischkeit und sein Team den Gottesdienst, der ab 10 Uhr auf den Regionalsendern des ORF (ausgenommen Radio Wien) übertragen wird. Jonischkeit: „Durch die Pandemie bedingt haben die Menschen die existentielle Erfahrung von Einengung, Beschränkung, Begrenzung und Verboten gemacht. Das kann Angst und Unsicherheit erzeugen. Ganz ähnlich ging es den Jüngern nach dem Tod Jesu. Sie haben sich eingesperrt, waren verängstigt und perspektivenlos.“ Auf diese Gefühle wolle er in dem Gottesdienst, der aus der Kufsteiner Johanneskirche übertragen wird, eingehen. So präzisiert Jonischkeit: „Als Jesus erschien und den Jüngern den Heiligen Geist einhauchte, veränderte sich ihre Situation grundlegend.“ Aus verzagten und verängstigten Jüngern seien begeisterte, mutige und leidenschaftliche Apostel geworden. „Diese Erfahrung brauchen wir gerade in diesen Zeiten. So feiern wir einen im wahrsten Sinn des Wortes geistreichen Pfingstgottesdienst.“

Musikalisch begleitet wird der Gottesdienst von Diözesankantor Gordon Safari an der Orgel. Safari hat auch die musikalische Gesamtleitung. Mit dabei sind Lisa Mauracher (Gesang und Gitarre), Maren Janiczek mit ihren Kindern Lisa, Julia und Fabian (Keyboard, Geige, Querflöte, Gesang). Weiters singen und spielen Mitglieder des Ensembles BachWerkVokal: Electra Lochhead (Sopran), Tamara Obermayr (Alt), Max Tavella (Bass) und Hannah Vinzens (Violoncello).

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Exaudi – 24. Mai 2020

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Jeremia 31,31-34 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

A. Vivaldi, Sonate für Violoncello und Continuo Nr. 5, B-Dur, Largo und Allegro

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Rogate – 17. Mai 2020

Der Herr sprach zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt. Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben’s angebetet und ihm geopfert und gesagt: Dies sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben. Und der Herr sprach zu Mose: Ich habe dies Volk gesehen. Und siehe, es ist ein halsstarriges Volk. Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie verzehre; dafür will ich dich zum großen Volk machen. Mose wollte den Herrn, seinen Gott, besänftigen und sprach: Ach, Herr, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast?  Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem glühenden Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst. Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig. Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk angedroht hatte.

2. Mose 32,7-14 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

D. Scarlatti – Sonata in F
J. Haydn – aus Sonata in B, 3. Satz Menuetto

Gebet für Freiheit und Würde 11.05.2020

Afghanistan ist nicht sicher.

Die Corona Pandemie entzieht den Menschen in Afghanistan noch zusätzlich ihre Existenzgrundlage, weil – ähnlich wie in Europa – strenge Ausgangsbeschränkungen bestehen. Die Menschen dürfen nicht zur Arbeit gehen, haben deswegen kein Einkommen und können Lebensmittel sowie Mieten nicht bezahlen. In einem Land, indem die wenigsten Familien über finanzielle Rücklagen verfügen, führt der Verlust des Einkommens in wenigen Tagen schon zu Lebensunterhalt bedrohenden Situationen ganzer Familien.

Viel mehr, als vor dem Virus fürchten sich aber viele Afghaninnen und Afghanen derzeit vor dem Ausbruch eines neuen Bürgerkrieges. Der Streit um die Regierung, zwischen dem offiziell wiedergewählten und amtierenden Präsidenten Ashraf Ghani und seinem Konkurrenten Abdullah Abdullah machen eine kriegerische Auseinandersetzung nicht unwahrscheinlich. In Kabul gibt es immer wieder Waffengefechte. Was ein Bürgerkrieg zusätzlich zu dem Terror der Taliban und des IS, und einer Corona Pandemie in der ohnehin verarmten Zivilbevölkerung bewirken würde, darüber wollen und können die Menschen fast nicht nachdenken.

Afghanistan hat jetzt schon die höchste Arbeitslosenrate der Welt. Zusätzlich dazu ist 80 % der Arbeit nicht existenzsichernd. Wie soll da der Aufbau einer Zukunftsperspektive möglich sein, wie ihn die Richter und Richterinnen unserer Asylbehörden bei der Ausstellung negativer Bescheide den Afghanen immer wieder bei der Abschiebung in ihre Heimat in Aussicht stellen?

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,

an dich wenden wir uns mit unserem Gebet. Du willst Licht bringen in die Dunkelheiten unserer Welt.

Wir erleben so viel Dunkel um uns herum. Manchmal sind wir voll Furcht, oft voller Ohnmacht. Wir würden gerne etwas ändern an der perspektivlosen Situation von Geflüchteten, die in unserem Land keine Chance zu haben scheinen.

In dieser Dunkelheit rufen wir zu dir und zünden ein Licht der Hoffnung an.

Wir erleben wie die Leben von geflüchteten Menschen in Griechenland, an den Grenzen der EU, aber auch hier bei uns verantwortungslos, beinahe mutwillig eingeschränkt, bedroht, menschenunwürdig behandelt werden.

In dieser Dunkelheit kommen wir zu dir und zünden ein Licht der Freiheit an.

Wir erleben, dass unsere Regierung im Asylrecht vor allem das eine Ziel zu verfolgen scheint, Asylsuchenden keine Perspektive unter uns zu gewähren. Dabei bereichert Diversität unsere Gesellschaft und auch ein Land wie Österreich braucht motivierte Arbeitskräfte.

In dieser Dunkelheit kommen wir zu dir und zünden ein Licht der Weisheit an.

Wir erleben, dass Menschen, die aufgrund von Krieg und Terror ihre Heimat, ihre Familie, ihre Arbeit, ihre Träume verloren haben bei uns Zuflucht suchen. Aber die Welt um uns herum scheint kalt und abweisend, überfordert damit diesen Menschen Sicherheit, Stabilität und eine neue Chance zu ermöglichen.

In dieser Dunkelheit kommen wir zu dir und zünden eine Kerze der Warmherzigkeit an.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung, du bist das große Licht für unsere Welt.

An deinem Licht können wir uns alle wärmen, darum beten wir gemeinsam zu dir:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Kantate – 10. Mai 2020

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Lukas 19,37-40 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Kantate, 10. Mai 2020

Johann Sebastian Bach, Singet dem Herrn ein neues Lied, BWV 225, Ensemble BachWerkVokal, Leitung Gordon Safari

Gebet für Freiheit und Würde 04.05.2020

Afghanistan ist nicht sicher.

Laut dem Global Peace Index war Afghanistan 2019 das unsicherste Land weltweit.
2018 lag es mit 44.600 Kriegstoten weit vor dem Jemen: 28.800 oder Syrien: 28.500.
Trotzdem schiebt Österreich immer noch Afghaninnen und Afghanen ab – vor allem junge alleinstehende Männer. Dabei sind sie es, die besonders von den bewaffneten Konflikten im Land betroffen sind. Denn Neutralität gibt es für sie nicht. Entweder werden sie verdächtigt für die Regierung zu arbeiten und sind deshalb von den Taliban, dem IS oder anderen militanten Gruppen bedroht. Oder die Regierung argwöhnt, dass sie mit den Taliban sympathisieren oder Milizen angehören.

Die Taliban in Afghanistan gewinnen weiterhin an Macht. Sie sichern sich diese durch Überwachung und Verfolgung. Widerstand oder verweigerte Kooperation wird landesweit mit Mord verfolgt, davon betroffen sind nicht nur diejenigen, die direkten Widerstand leisten, sondern auch deren Angehörigen oder weitläufige Verwandte.
Außerdem ist bekannt, dass die Taliban eine Flucht, vor allem in den „Westen“ sanktionieren. Sie werten diese als Desertation und/oder als Abfall vom muslimischen Glauben (Apostasie). Beides wird von ihnen bestraft und auf das Schärfste sanktioniert.
Wie können unter diesen Bedingungen Abschiebungen zulässig sein? Warum gilt Afghanistan für die österreichische Regierung als sicheres Land?

Mit Blick auf die andauernde politische Unsicherheit, den fehlenden Fortschritten im Friedensprozess, die fortwährenden Angriffe von Terroristen auf Regierung und Zivilsten sowie das desolate Gesundheitssystem, stellt nicht zuletzt auch die Covid-19-Pandemie eine existenzielle Bedrohung für jede Afghanin, jeden Afghanen dar.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,

mit unserer Sorge um Menschen aus Afghanistan, aber auch aus anderen Ländern kommen wir zu dir.
Wir verstehen nicht, dass Menschen aus unserem Land abgeschoben werden in einen Staat, in dem Krieg, Terror, Angst und Not herrschen.
Wir verstehen nicht, warum Menschen, die so oft ein zerbrochenes, zerstörtes Leben hinter sich haben, die sich darum bemühen unsere Kultur, unser Leben hier anzunehmen, die arbeiten wollen und ihren Beitrag zu unserem Wohlstand leisten, warum sie sich nicht eine neue Perspektive, eine neue Zukunft unter uns aufbauen dürfen?
Viele von ihnen sind schon jahrelang in Österreich, in Tirol. Sie haben unsere Sprache gelernt, teilen, was uns wichtig ist und bringen sich mit ihren unterschiedlichsten Gaben ein und das, obwohl es ihnen nicht leicht gemacht wird und sie immer wieder auch mit den Geistern ihrer Vergangenheit kämpfen.
Wir bitten dich um Gerechtigkeit und Barmherzigkeit für Menschen aus Afghanistan, die von der Abschiebung bedroht sind.
Wir bitten dich um Weisheit und Barmherzigkeit bei den Menschen, die über die Schicksale anderer entscheiden. Dass sie wohlüberlegte, nicht dem Mainstream folgende Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die einer Gesellschaft, in der Menschenwürde und Menschenrechte nicht in Frage zu stellen sind, gerecht werden.
Wir bitten dich für alle, die Unrecht ertragen müssen, erbarm dich ihres Elends und
ihrer Verzweiflung! Wir bitten dich für alle, die Unrecht einzudämmen versuchen und die gegen Unrecht aufbegehren! Lass sie nicht mutlos werden, sondern an der Hoffnung festhalten, dass dein Reich, dein Recht schon unter uns und durch uns anbricht.

Danke, Gott, dass wir Sprache haben,

den Schmerz zu beklagen, das Notwendige zu erbitten
und auch vom Schönen zu schwärmen.
Danke, dass wir nicht beredt sein müssen, nicht wort-gewaltig
und laut, dass du hörst –
auch unsere gestammelten und geflüsterten Gebete.
Wir bitten dich, Gott:
Gib – auch durch uns! –
den Benachteiligten deine Gerechtigkeit,
den Stummgemachten deine Stimme,
den Engstirnigen deine Weite.
den Mutlosen deine Stärke,
den Mächtigen deine Weisheit,
den Gereizten deine Stille,
den Flüchtenden deinen Schutz.
Und wir bitten: Unser Gebet sei mehr als Wunschkonzert,
Tradition und Denkleistung – es sei erfüllt mit uns selber!
Mache unser Gebet stark und uns selber lebendig!

Gemeinam beten wir zu dir:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Jubilate – 3. Mai 2020

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Johannes 15,1-8 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

Musik im Audio-Beitrag von Ronald Kah, Song: ” Touch Of Heaven”; Creative Commons Lizenz CC-BY