Tirol: Religionsgemeinschaften empfehlen Teilnahme an Impfaktion

„Verantwortlich eine gute Entscheidung treffen“

Innsbruck (epdÖ) Eine Teilnahme an der Impfkampagne gegen das Coronavirus haben die Tiroler Religionsgemeinschaften empfohlen. Katholische Kirche, Evangelische Kirche, Israelitische Kultusgemeinde, Alevitische sowie Buddhistische und Islamische Glaubensgemeinschaft, Neuapostolischen Kirche, Kirche der Heiligen der letzten Tage und die Freikirchen Tirol veröffentlichten dazu eine gemeinsame Erklärung.

Darin zeigen sich die Religionsgemeinschaften dankbar, dass sinkende Inzidenzen infolge der verstärkten Impfungen schrittweise die Rückkehr in ein gewohntes Leben ermöglichen. „Die hohe wissenschaftliche Evidenz für eine Wirksamkeit der Vakzine erscheint überzeugend genug, um die Teilnahme an der aktuellen Impf-Offensive des Landes Tirol ausdrücklich zu empfehlen“, heißt es in der Erklärung, die u.a. vom Innsbrucker römisch-katholischen Diözesanbischof Hermann Glettler und dem evangelischen Superintendenten Olivier Dantine unterzeichnet wurde. Auch wenn sich niemals alle Restrisiken der Impfung hundertprozentig ausschließen ließen, sei jede einzelne Impfung gegen SARS-CoV-2 ein Beitrag zur Gesunderhaltung aller. Bei Unsicherheiten aufgrund persönlicher Umstände raten die Religionsgemeinschaften zu einer Rücksprache mit medizinischen Fachkräften. Es gehöre zum Freiheitsrecht jeder Bürgerin und jedes Bürgers, „verantwortlich eine gute Entscheidung zu treffen“. Gleichzeitig danken die Religionsgemeinschaften allen, die sich in Forschung und Medizin dafür einsetzen, die Pandemie und ihre negativen Folgewirkungen nachhaltig zu stoppen.

Neben Glettler und Dantine unterzeichneten die Erklärung Günter Lieder, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, Samir Redzepovicz, Imam und Fachinspektor für islamische Religion in Tirol, Özgür Erdogan als Vertreter der Alevitischen Glaubensgemeinde Tirol, Gabriele Doppler für die Buddhistische Glaubensgemeinschaft Tirol, Max Valtingojer von der Neuapostolischen Kirche, Gerhard Egger, Bischof der Kirche der Heiligen der letzten Tage Tirol und Markus Marosch für die Freikirchen Tirol.

Empfehlung der Religionsgemeinschaften in Tirol zur Teilnahme an der landesweiten Impfkampagne

Christiaan Van den Berge neuer Superintendentialkurator

Andrea Petritsch und Dietmar Orendi neue Senior*innen

Innsbruck/Salzburg (epdÖ) – Christiaan van den Berge ist neuer Superintendentialkurator der evangelischen Diözese Salzburg-Tirol. Der Kurator der evangelischen Pfarrgemeinde Zell am See wurde am Samstag, 19. Juni, von den Delegierten der Superintendentialversammlung zum Nachfolger von Eckart Fussenegger gewählt, der wegen seines nahen Pensionsantritts nicht mehr kandidierte. Als Superintendentialkurator bekleidet van den Berge ab 1. Juli das höchste weltliche Amt der Diözese, die er gemeinsam mit Superintendent Olivier Dantine leiten wird.

„Ich habe Christiaan van den Berge als höchst engagierten Kurator der Pfarrgemeinde Zell am See kennengelernt“, betonte Dantine gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und bin gespannt auf die Impulse, die von ihm kommen werden. Ein ganz besonderes Dankeschön gilt dem scheidenden Superintendentialkurator Eckart Fussenegger, der nach fast drei Jahrzehnten Mitgliedschaft im Superintendentialausschuss, davon 18 Jahre als Superintendentialkurator, die Diözese Salzburg-Tirol wesentlich mitgeprägt hat.“

Zur Person Christiaan van den Berge

Christiaan van den Berge wurde 1971 in den Niederlanden geboren. 2008 übersiedelte er nach Österreich, seit 2012 ist er Schatzmeister der Pfarrgemeinde Zell am See, seit 2015 Kurator. Er ist verheiratet und hat drei Töchter.

Neue Senior*innen

Zwei weitere Mitglieder wurden am Samstag in den Superintendentialausschuss, der mit der Ausführung von Beschlüssen der Superintdentialversammlung betraut ist, gewählt: Die Jenbacher Pfarrerin Andrea Petritsch ist ab 1. Juli Seniorin für Tirol, Dietmar Orendi – Pfarrer der Gemeinde Salzburg-Nördlicher Flachgau – wird Senior für Salzburg. Damit sind die beiden Stellvertreterin und Stellvertreter von Superintendent Olivier Dantine. Sie folgen auf Adam Faugel und Klaus Niederwimmer, die in den Ruhestand treten.

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Sexagesimä – 7. Februar 2021

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist’s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist’s gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen. Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Lukas 8,4-15 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Sexagesimä, 7. Februar 2021

A. Vivaldi, Sonate für Violoncello und Basso continuo, op. 17 Nr. 4, B-Dur, Largo
A. Vivaldi, Sonate für Violoncello und Basso continuo, op. 17 Nr. 6, B-Dur, Largo

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag des Wortes Gottes – 24. Jänner 2021

Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! Als er aber am Galiläischen Meer entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Und sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, wie sie im Boot die Netze flickten. Und sogleich rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Boot mit den Tagelöhnern und gingen fort, ihm nach.

Markus 1,14-20 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag des Wortes Gottes, 24. Jänner 2021

A. Vivaldi, Sonate für Violoncello und Continuo Nr. 5, B-Dur, Largo und Allegro

Olivier Dantine – Predigt zum Tag des Judentums – 17. Jänner 2021

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Jeremia 31,31-34 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Tag des Judentums, 17. Jänner 2021

Johann Sebastian Bach, Fuge in E-Dur, Wohltemperiertes Klavier II, BWV 878
Johann Gottfried Walther, Herr Christ, der einig Gottes Sohn

Tag des Judentums – online Veranstaltung am 18. Jänner

Das Wort des Herrn bleibet – Zur Bedeutung der Tora für das Judentum und Christentum.

Die Veranstaltung zum Tag des Judentums in Innsbruck findet in diesem Jahr online statt.
Referenten:
Superintendent Olivier Dantine
Oberrabbiner Jaron Engelmayer (Wien)
Anna Kraml (Doktorandin in alttestamentlicher Bibelwissenschaft in Innsbruck)

https://webconference.uibk.ac.at/b/rom-aon-obb-vfi

Gottesdienste am Heiligen Abend

Für (fast) alle Gottesdienste gilt: Anmeldung beim zuständigen Pfarramt!

(zu Tirol)

Salzburg

Bischofshofen und St. Johann im Pongau:
Bischofshofen Christuskirche: 15-18 Uhr „Geistlicher Weihnachtsmarkt“
St. Johann, Annakapelle: 21 Uhr Christmette

Gastein:
Bad Hofgastein: 14.30 Uhr
Bad Hofgastein: 15.30 Uhr
Bad Hofgastein: 16.30 Uhr

Hallein (Schaitbergerkirche):
13.30 Uhr Kinderchristvesper
15 Uhr Kinderchristvesper
16.30 Uhr Christvesper
18 Uhr Christvesper
23 Uhr Christmette

Saalfelden (Friedenskirche):
15 Uhr Familiengottesdienst auf dem Platz vor der Kirche

Salzburg, Auferstehungskirche:
11 Uhr Kinderkirche
14.30 Uhr Familiengottesdienst
15.30 Uhr Familiengottesdienst
18 Uhr Christvesper
23 Uhr Christmette mit festlicher Musik

Salzburg, Christuskirche:
10 Uhr Kinderkirche
12 Uhr Hl. Abend für Alle – Familiengottesdienst
15 Uhr Christvesper
17 Uhr Christvesper
23 Uhr Christmette

Salzburg Matthäuskirche:
14 Uhr Familiengottesdienst (live Übertragung)
16 Uhr Familiengottesdienst (live Übertragung)
18 Uhr Christvesper (live Übertragung)
23 Uhr Christmette

Salzburg – Nördlicher Flachgau
Weihnachtsstraße (Rundgang mit 7 Stationen) mit folgenden Zeitfenstern:
16 – 17 Uhr Rupertuskirche Neumarkt
17 – 18 Uhr Lukaskirche Bürmoos
18 – 19.30 Uhr Honteruskirche Elixhausen

Zell am See (Auferstehungskirche):
14 Uhr Familiengottesdienst am Parkplatz vom Hotel „Stadt Wien“
Mittersill: 16 Uhr Christvesper auf dem Platz vor der Annakirche

Tirol

Innsbruck-Auferstehungskirche:
15 Uhr Christvesper 1
17 Uhr Christvesper 2
22 Uhr Christmette
Fulpmes – Pfarrkirche: 15 Uhr
Hall, Jesuitenkirche: 17 Uhr Christvesper

Innsbruck-Christuskirche:
14.30 Uhr Familiengottesdienst 2.Termin
16 Uhr Christvesper 1
17.30 Uhr Christvesper 2
23 Uhr Christmette
17.30 Uhr Christvesper
Völs, kath. Emmauskirche: 18.30 Uhr Christvesper

Jenbach (Erlöserkirche)
15.30 Uhr Familiengottesdienst
17 Uhr Christvesper

Kitzbühel, Christuskirche:
14-15 Uhr s’Christkindl kimmt – aufs Kripperl schaun.
17 Uhr Vesper
18.30 Uhr Vesper

Kufstein (Johanneskirche):
14 und 19 Uhr Christvesper
Wörgl, Gemeindezentrum: 15.30 und 17 Uhr Christvesper

Landeck (Markuskirche)
15 Uhr Familiengottesdienst
17 Uhr Christvesper

Reutte (Dreieinigkeitskirche):
17 Uhr

Gebet für Freiheit und Würde 14.12.2020

Afghanistan ist nicht sicher.

Trotzdem plant der Bundesinnenminister Afghanen morgen, am 15.12. nach Afghanistan abzuschieben. Es sind auch Afghanen darunter, die in Tirol eine neue Heimat gefunden hatten.
Erst gestern hat es in Kandahar schwere bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Regierungstruppen und den Taliban gegeben. Es gab zahlreiche Tote, darunter auch Zivilisten. Vorgestern wurde die Hauptstadt Kabul wieder einmal von Aufständischen mit Raketen beschossen. Es werden auch Wohnhäuser zerstört und niemand kann sich vor den Raketen schützen.
Die Menschen in Afghanistan haben Angst. Angst vor dem Terror, der Tod und Gewalt bringt, Angst vor der Pandemie, die bereits tausende Opfer forderte, Angst vor einer Hungersnot, die die Pandemie im Schlepptau hat und Angst vor dem hereinbrechenden Winter.

Zur geplanten Abschiebung nimmt die Asylkoordination Österreichs Stellung:
„Wir sind sprachlos, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Innenminister Nehammer plant, unter den momentanen Umständen Abschiebungen nach Afghanistan wieder aufzunehmen. Der vom Versagen bei der Terrorbekämpfung im Inland gezeichnete Innenminister hat offenbar keine Bedenken, Menschen, die vor islamistischem Terror geflüchtet sind, nach Afghanistan zu deportieren,“ äußert sich asylkoordination Sprecher Lukas Gahleitner-Gertz.

Gott, du Schöpfer unserer Zukunft und der Hoffnung,

wir wenden uns im Gebet an dich, weil wir Angst haben, um Menschen, die wir kennengelernt haben und die uns ans Herz gewachsen sind.
Die Menschen, an die wir heute denken sind aus Afghanistan. Einem Land, in dem seit vierzig Jahren Krieg und Terror herrschen.
Wir haben Angst, weil diesen Menschen schon lange die Abschiebung drohte. Nun ist sie ganz real geworden.
Zu dir Gott, kommen wir mit unserer Ohnmacht. Wir fürchten, die Abschiebung nicht verhindern zu können, obwohl jede und jeder sich darüber informieren kann, wie katastrophal die Situation in Afghanistan ist und dass es keine Perspektive für eine sichere Zukunft dort gibt.
In den Asylverfahren der Menschen, erlebten sie und wir jedoch oft nur Willkür und wenig Recht.

Wir kommen zu dir Gott, weil du Barmherzigkeit lehrst und Gerechtigkeit liebst.

Wir bitten dich um Gerechtigkeit und Barmherzigkeit für Menschen aus Afghanistan, die von der Abschiebung bedroht sind.

Wir rufen zu dir: Herr, erhöre uns.

Wir bitten dich um Weisheit und Barmherzigkeit bei den Menschen, die über die Schicksale anderer entscheiden. Dass sie menschliche Entscheidungen treffen und sich nicht vom Versagen und ihren Fehlern an ganz anderer Stelle leiten lassen. Wir bitten dich, gib ihnen Hirn und Mut Entscheidungen zu treffen, die einer Gesellschaft, in der Menschenwürde und Menschenrechte nicht in Frage zu stellen sind gerecht werden.

Wir rufen zu dir: Herr, erhöre uns.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung, wir bitten dich für die Menschen, die sich auf den Weg der Unbarmherzigkeit, der Gefühlsarmut, der Gewalt begeben haben, deren Herzen verhärtet und die blind und taub geworden sind, dass sie umkehren zu Gedanken des Rechts, der Zukunftseröffnung und der Versöhnung.

Wir rufen zu dir: Herr erhöre uns.

Wir bitten dich für alle, die Unrecht ertragen müssen, erbarm dich ihres Elends und ihrer Verzweiflung! Lass ihre Rufe um Hilfe nicht ungehört verklingen.
Wir bitten dich für alle, die Unrecht einzudämmen versuchen und die gegen Unrecht aufbegehren! Lass sie nicht mutlos werden, sondern an der Hoffnung festhalten, dass dein Reich, dein Recht schon unter uns und durch uns anbricht.

Wir rufen zu dir: Herr, erhöre uns.

Wir bitten dich für uns selbst, dass wir der Gewalt und dem Bösen widerstehen, dass wir die Kraft besitzen, auch weiterhin an einer Welt mitzubauen, in der Frieden und Gerechtigkeit wohnen, dass wir es schaffen, die Mauern von Angst, Gewalt, Hass und Ausgrenzung zu durchbrechen.

Danke, Gott, dass wir Sprache haben,
den Schmerz zu beklagen, das Notwendige zu erbitten
Mache unser Gebet stark und uns selber lebendig!

Gemeinsam beten wir zu dir

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Olivier Dantine – Predigt zum 2. Adventsonntag – 6. Dezember 2020

So seid nun geduldig, Brüder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. Seufzt nicht widereinander, damit ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der Tür. Nehmt zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn. Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.

Jakobus 5,7-11 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum 2. Adventsonntag, 6. Dezember 2020

Gebet für Freiheit und Würde 30.11.2020

Afghanistan ist nicht sicher.

Wir hören oder lesen zwar in den Nachrichten, dass die Verhandlungen zwischen den radikal islamischen Taliban und der afghanischen Regierung angeblich Fortschritte machen, aber die scheinen lediglich darin zu bestehen, dass die Verhandlungen noch nicht komplett abgebrochen sind. Denn, noch während europäische Medien über diese angeblichen Fortschritte berichten, sprengen sich Anhänger radikaler islamischer Gruppierungen in die Luft und reißen mehr als 40 Menschen in den Tod. Über die vielen Verletzten heißt es nur, dass auch Zivilisten und vor allem Kinder darunter sind. Das war gestern, am ersten Advent in  mindestens zwei Provinzen Afghanistans.
Es gibt europäische Staaten, wie Frankreich zum Beispiel, die geflüchtete Menschen aus Afghanistan nicht in dieses Land voller Terror und Gewalt zurück schicken. Österreich gehört nicht dazu. Die österreichische Regierung ist der Meinung, dass vor allem die jungen Afghanen in der Lage sind – wenn vielleicht nicht in ihrer Heimatprovinz, dann doch irgendwo anders im Land – eine zukunftsfähige Existenz aufzubauen. Bei den Berichten, die wir immer wieder aus Afghanistan erhalten scheint das fast zynisch. Ehrenamtliche  – auch aus Tirol – und NGOs berichten immer wieder, dass sie keinen Kontakt mehr haben zu abgeschobenen Afghanen. Manche von ihnen sind nachweislich tot.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,

du willst, dass alle Menschen in Frieden und Wohlergehen auf deiner Erde leben können. Schmerzlich erfahren wir, dass das nicht möglich ist.
Weh tut, dass es auch in unserem Land, in dem Demokratie, christliche Werte, Verantwortung füreinander groß geschrieben werden Barrieren geschaffen, Menschen ausgegrenzt und ihrer Zukunft beraubt werden.

Wir bitten dich:
für alle Menschen, die auf der Flucht sind, die heimatlos geworden sind, die kein Dach über dem Kopf haben.
Für alle Menschen, die auf der Flucht sind, weil ihr Land keine Nahrung mehr gibt, weil die Erde verdorrt ist, Heuschreckenplagen alles kahlfressen oder Naturkatastrophen Überleben und Landwirtschaft unmöglich machen.
Wir bitten dich:
für alle Menschen, die auf der Flucht sind, weil Gewalt und Terror sie bedrohen, weil sie nicht länger in Angst leben wollen, weil sich verstecken und nach innerstaatlichen Fluchtmöglichkeiten suchen keine Dauerlösung sind.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,

wir bitten für alle Menschen, die auf der Flucht verletzt werden, die viel riskieren und doch gewaltsam zurück gebracht werden in ihre ausweglose Situation, in ein Leben ohne Perspektive.
Wir bitten für Menschen, die auf der Flucht sind vor der Flucht. Die irgendwie aushalten dort, wo sie sind, trotz Gewalt, Terror, Angst und Verfolgung, und die doch wissen, dass sie fliehen werden müssen.
Wir bitten dich für alle Menschen, die Heimweh haben und sich im neuen Land nicht zurechtfinden.
Ebenso bitten wir dich für die zahlreichen Menschen unter uns, die hier angekommen sind, die sich mit unseren Werten identifizieren, die integriert sind, sich engagieren und die doch von den Asylbehörden gesagt bekommen, dass das alles nichts zählt und sie zurückkehren sollen, dahin, von wo sie nicht ohne Grund geflohen sind.
Wir bitten für alle Menschen, die hier in Österreich, aber auch in Deutschland, Frankreich, Schweden oder in Pakistan, der Türkei oder dem Iran ihr Land mit anderen teilen, die Raum und Nahrung abgeben, weil sie wissen, dass Solidarität mit den verfolgten und Schwachen notwendig ist und normalsein sollte.

Besonders bitten wir dich, Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung für alle Menschen, die politisch Verantwortung tragen, die Gewalt ausüben, verdeckt oder offen und Strukturen pflegen, die nicht dem Leben dienen.
Wir bitten für die Menschen, die sich einsetzen für den Schutz und für menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen und Migrantinnen.
Für alle Menschen, die oft nach vielen Jahren noch unter den Folgen von Flucht und Vertreibung leiden.

Gott, in deinem Sohn Jesus Christus bist du selbst Flüchtling geworden, den Flüchtlingen dieser Welt gleich – und dadurch an ihrer Seite. Lege deinen bergenden Arm um die Menschen, die deine Nähe brauchen und schenke du Heimat und Zuversicht und immer wieder neue Kraft.

Danke, Gott, dass wir Sprache haben,

den Schmerz zu beklagen, das Notwendige zu erbitten
und auch das Schöne zu besingen.
Danke, dass wir nicht beredt sein müssen, nicht wort-gewaltig
und laut, dass du hörst –
auch unsere gestammelten und geflüsterten Gebete.

Und so bitten wir:
Unser Gebet sei mehr als Wunschkonzert,
Tradition und Denkleistung – es sei erfüllt mit uns selber!
Lege uns laute oder leise Worte in den Mund, die über das
hinausreichen, was erreichbar ist!
Mache unser Gebet stark und uns selber lebendig! Gemeinsam beten wir zu dir:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.