Kaprun: Ökumenisches Gedenken für Opfer von Brandkatastrophe vor 20 Jahren

Superintendent Dantine: „Die 155 Namen sind in Gottes Hände gezeichnet“

Kaprun (epdÖ) – Bei einer ökumenischen Gedenkfeier haben Vertreter der Kirchen gemeinsam mit Opferangehörigen an die Seilbahnkatastrophe von Kaprun vor genau 20 Jahren erinnert, bei der 155 Menschen verstarben und nur zwölf überlebten. „Die 155 Namen sind in Gottes Hände gezeichnet. Sie alle sind in Gottes Hände gezeichnet und all Ihre Fragen, all Ihre Klage, all die schweren Erinnerungen können und dürfen Sie in Gottes Hände legen“, sagte der evangelische Superintendent der Diözese Salzburg und Tirol, Olivier Dantine, am Mittwoch, 11. November, in Richtung der Angehörigen, die in die Gedenkstätte für die Opfer unweit der Talstation gekommen waren. In der Seilbahn, die Wintersportler zum Skigebiet am Kitzsteinhorn befördern sollte, war am 11. November 2000 ein Brand ausgebrochen, der sich im Seilbahntunnel stark beschleunigte. Ein Gerichtsprozess gegen 16 Personen wegen vermeintlicher fahrlässiger Handlungen endete ohne Urteilsspruch.

„Ich selbst bin weit davon entfernt, das nachempfinden zu können, was dieser Tag heute, genau 20 Jahre danach, in Ihnen bewegt, und auch in all jenen, die heute nicht hier dabei sein können, welche Wunden wieder aufbrechen und welcher tief eingegrabene Schmerz wieder hervorkommt“, so Dantine. Die vergangenen 20 Jahre hätten alle Betroffenen in je eigener Art und Weise geprägt. „Ich höre von Versöhnungen, die geglückt sind, ich höre von Freundschaften, die gewachsen sind. Ich höre auch von Zorn, der nicht gestillt ist, ich höre davon, dass beim Prozess der Versöhnung viele, aber nicht alle mitgehen konnten.“ Versöhnung und Vergebung können nicht gefordert, sie könnten nur erbeten werden. Das Vertrauen auf Gott aber, der niemand vergesse oder verloren gebe, möge „Kraft geben für den langen Prozess der Trauer, aber auch für den mindestens ebenso langen Weg der Versöhnung“.

Generalvikar Rasser: „Ereignis gehört unauslöschlich zu unserer Geschichte“

„Wenn wir uns hier an der Stätte eines tragischen Geschehens, 20 Jahre nach dem schmerzlichen Ereignis zusammenfinden, dann nicht ohne Bange, nicht ohne Betroffenheit, nicht ohne gemischtes Gefühl. Der Ort hier ist nicht gleichgültig, das Erinnern nach 20 Jahren nicht neutral“, betonte Roland Rasser, Generalvikar der Erzdiözese Salzburg. Das Ereignis von damals hafte an allen: „Es gehört unauslöschlich zu unserer Geschichte.“ Kaprun sei ein Ort, „an dem wir immer noch und immer wieder nach oben schauen, nicht nur zu den Bergen, die nach wie vor ihre Anziehungskraft ausüben, sondern auch zu jenem Gott, der nicht auf jede Frage, die uns bewegt, eine verständliche Antwort bereithält“.

Neben Dantine und Rasser nahmen an der Feier unter anderem der Bürgermeister von Kaprun, Manfred Gaßner, sowie der evangelische Pfarrer Rolf Engelhardt und der römisch-katholische Pfarramtsleiter Norbert Ronacher teil. Musikalisch gestaltet wurde die Feier vom Ensemble Paris Lodron. Wegen der aktuellen Coronabestimmungen wurde der Gedenkgottesdienst im kleinen Rahmen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert.

Ansprache von Superintendent Olivier Dantine zur 20-Jahr-Gedenkfeier Kaprun

Krankenhausseelsorge – Hilfe und Begleitung in schweren Zeiten

„Evangelische Seelsorge im Krankenhaus und in Pflegeeinrichtungen geschieht im diakonischen Auftrag Jesu Christi und folgt dem Grundprinzip der Barmherzigkeit.  Sie erfolgt im Auftrag der Evangelischen Kirche in Österreich in ökumenischer Verantwortung. Seelsorge bezieht sich auf die persönlichen, religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Ressourcen jener, die Hilfe bedürfen, und jener, die Sorge für sie tragen. Sie geschieht im Respekt vor der Persönlichkeit und dem Glauben jeder / jedes Einzelnen.“ (aus: Profil Evangelische Seelsorge in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen)

Sie sind krank – Sie müssen ins Krankenhaus – oft eine besondere Herausforderung und Belastung – gerade in diesen schwierigen Zeiten.

Die Klinikseelsorge bietet Hilfe und Begleitung in schweren Zeiten an – Wenn Sie einen Besuch, ein Gespräch wünschen, so lassen Sie dies uns oder das Pflegepersonal wissen – diese nehmen Kontakt mit uns auf und wir kommen gerne zu Ihnen.

Kontakt Innsbruck: Pfarrerin Ulrike Swoboda 0699 10709630 ulrike.swoboda@tirol-kliniken.at

Website Klinikseelsorge Innsbruck

Kontakt Salzburg: Pfarrer Meinhardt von Gierke:0699 18877516 m.von-gierke@salk.at

Salzburger Verein “teilweise” gewinnt Innovationspreis der Evangelischen Jugend

Preis erstmals vergeben –  Festakt im Wiener Dschungel

Wien (epdÖ) –  Der Verein „teilweise“ mit seinem Projekt „Gründung und Aufbau einer offenen Jugendarbeit im Salzburger Süden“ ist der Gewinner des heuer erstmals verliehenen Innovationspreises der Evangelischen Jugend Österreich (EJÖ). Ausgezeichnet wurde das Projekt, das partizipativ mit Jugendlichen und für Jugendliche ein “offenes Jugendhaus” errichten will, in dem diese “unabhängig von ihrer sozialen, ökonomischen, konfessionellen oder religiösen Zugehörigkeit” Raum finden, bei einem Festakt am Samstag, 10. Oktober, im Wiener Jugendtheater “Dschungel”. 

Chalupka: Teilhabe ermöglichen und stärken

Den Namen des Vereins nahm der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka als Vorsitzender der Jury zum Ausgangspunkt seiner Laudatio. „‘Teilweise‘ – das klingt vorsichtig. ‚Teilweise‘ – das klingt zögerlich.“ Doch das sei hier nicht der Fall: Das Projekt wolle „etwas Mutiges und Beherztes. Es will Teilhabe ermöglichen und stärken. Es will Weisheit leben und geben.“ Hier werde Zugewandtheit und Neugier spürbar. Zugleich verweise der Name des Projekts auf seinen realistischen Anspruch: “Das Ganze sein wollen, ist Unsinn. Die Mehrheit sein wollen, ist Unsinn. ‘Wir sind ein Teil, nicht alles‘ – und daraus machen wir alles, was geht, für das Ganze, für unsere Nachbarschaft, für die Gesellschaft.“ Die Einsicht, selber ein Teil zu sein, öffne auch den Weg zum Wahrnehmen von Vielfalt, von Verschiedenheit. Das Anliegen, „die Jugendlichen vor Ort in ihrer ganzen weltanschaulichen und sozialen Vielfalt wahrzunehmen“, habe die Jurymitglieder besonders beeindruckt.

Herrgesell: Projekte “rütteln auf” 

Jedes der eingereichten Projekte zeige, wie kreativ sich viele in den Pfarrgemeinden im ganzen Land engagierten, würdigte Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell die Initiativen in einer in ihrer Abwesenheit verlesenen Grußbotschaft. „Sie zeigen auf, was alles möglich ist, rütteln auf, Dinge anzupacken“, so Herrgesell. „Ich bin stolz auf alle jungen Menschen, die hinter den Projekten stehen.“ Sie sehe diese auch als Auftrag an die Gesamtkirche, „es Euch Jungen nachzumachen“.

Grünfelder: “Wir wollen Euch zeigen”

Das große Ziel hinter der Idee des Innovationspreises sei es eine Plattform zu schaffen, “die unser Tun zeigt, unsere innovativen Entwürfe und Planungen, mutiges Neudenken in Bereichen, die nicht ohne Tradition auskommen, aber auch den heutigen Blick benötigen, um weiterbestehen zu können”, erklärte die frühere Jugendpfarrerin Petra Grünfelder als eine der Initiatorinnen des Preises. “Was wir tun möchten: Wir wollen Euch zeigen, Euch vor dem Vorhang sehen.”

Für das musikalische Rahmenprogramm des Abends sorgten die Wiener Diözesankantorin Yasuko Yamamoto am Klavier und Jan Equiluz mit der Trompete. Durch den Abend führten die Moderatorinnen Dominik Knes und Caroline Ruttner.

Zum Innovationspreis

Eingereicht worden waren sechs Vorschläge aus fünf Diözesen, darunter neben dem Sieger das Schladminger Videoprojekt “Reel Kids”, die “Mobile Kirche” aus dem Burgenland, das multimediale Projekt “Die Treppen gewendelt” der Burg Finstergrün, das “LIMA-Jugendzentrum” im kärntnerischen Lieser- und Maltatal und der Besuchsdienst “Di-Young-Konie” der Pfarrgemeinde Mödling. Alle Kandidaten wurden beim Festakt im Wiener Dschungel mit einem Kurzvideo präsentiert. Die Entscheidung über den Gewinner traf eine Jury bestehend aus Bischof Michael Chalupka, Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell, Clara Akinyosoye (ORF), Patrick Todjeras (Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung), Marjan Kac (Westbahnhoffnung Villach), der früheren Jugendpfarrerin Petra Grünfelder und Thomas Nanz (EJÖ). 

Dotiert ist der Innovationspreis der EJÖ mit 5000 Euro. Ende 2019 sind alle Pfarrgemeinden, Werke, Vereine, Initiativen und diakonische Unternehmen innerhalb der Evangelischen Kirche A.u.H.B. in Österreich mit Projekten, die zwischen 2015 und 2020 realisiert worden sind oder gerade realisiert werden, zur Teilnahme aufgerufen worden. Damit wolle man laut EJÖ “sichtbar innovative Projekte aus dem evangelischen Umfeld vor den Vorhang holen, bei denen Menschen (neu) erreicht werden, die wir sonst mit kirchlichen Angeboten nicht (mehr) erreichen”, und “bei denen das Evangelium durch Wort und/oder Tat zum Leuchten gebracht wird und Sinn-, Lebens- und Glaubensfragen ihren fixen Platz haben”. Die Projekte sollten sich dabei an einer Zielgruppe von Kindern und jungen Erwachsenen bis 30 Jahre orientieren. 

Verein teilweise

Fünf Argumente für den Religionsunterricht

Eine Einladung von Adel David

Jedes Jahr im September stellt sich die Frage neu: soll mein Kind den Religionsunterricht besuchen oder nicht? Natürlich sind – besonders für SchülerInnen der Oberstufe – die Freistunden, die einem zustehen, wenn man den Religionsunterricht nicht besucht, verlockend. Doch, es gibt auch genug Gründe, Reli im Stundenplan zu behalten.

  1. Der erste Grund ist ganz was Profanes: es ist sehr wahrscheinlich, dass die Relinote dem Notendurchschnitt gut tut. Es ist ein Fach, wo zwar Mitarbeit erwünscht ist, aber es ist sehr schwer, eine schlechte Note zu bekommen. Auch, weil keine Schularbeit geschrieben wird.
  2. Im Religionsunterricht geht es nur selten darum, Dinge auswendig zu lernen. Ja, es gibt einige Fakten, die man schon lernen muss, aber hauptsächlich geht es darum, in bestimmten Themen eine eigene, begründete Meinung zu formulieren. Argumentieren, Nachdenken, Widersprechen, die eigene Ansicht verteidigen, die Ansicht von anderen mit Wertschätzung begegnen: wer das kann, hat sich schon eine gute Note gesichert, ganz ohne stundenlanges Büffeln.
  3. Der Lehrplan für den Religionsunterricht ist so konzipiert, dass es viel Freiraum bleibt, was in den einzelnen Jahrgängen gelernt werden muss. So entfällt der Lernplanstress, den wir in anderen Fächern oft erleben. Der Lehrende kann sich auf Wünsche und Interessen der Lerngruppe einlassen, Themengebiete tiefer behandeln oder nur überfliegen – je nach Interesse der Schüler und Schülerinnen.
  4. Im Religionsunterricht ist viel Zeit für Themen da, die in anderen Fächern keinen oder wenig Platz haben: für die persönliche Entwicklung, für Fragen des Zeitmanagements und der Konfliktlösung in der Schule, für die Entwicklung von Softskills, die man im Leben immer wieder braucht.
  5. Schließlich ist nicht zu vergessen: Religionslehrerinnen und -lehrer fühlen sich oft auch für das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler zuständig. In der Zeit des Distance Learnings war Religion ein Fach, wo Lernende auch ihre Sorgen und Probleme erzählen konnten. Religionsunterricht bietet neben Wissenserwerb auch immer wieder Oasen und Zeiten des Aufatmens – und das fasst er nicht als eine Pause im Lernen auf, sondern die Pause ist ein Teil und Gegenstand des Lernens.

Und warum hat es Ihnen damals gut getan, den Religionsunterricht zu besuchen?
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Quelle: http://www.christuskircheklagenfurt.at/fuenf-argumente-fuer-den-religionsunterricht/

Neue Diözesanjugendreferentin

Sarah Wilke vom Diözesanjugendrat Salzburg-Tirol gewählt

Am 6. Juni wurde in der Innsbrucker Christuskirche Sarah Wilke zur neuen Diözesanjugendreferentin gewählt. Die Wahl erfolgte in der Sitzung des Diözesanjugendrates, in dem 22 Delegierte aus der Jugendarbeit der Pfarrgemeinden vertreten sind.

Die 32-jährige Sarah Wilke kommt aus Westfalen, arbeitete erst als Mechatronikerin bevor sie die Ausbildung zur Gemeindepädagogin und Diakonin begann. Zur Zeit ist sie Gemeindejugendreferentin in Halle/Westfalen und zudem im landeskirchlichen Arbeitskreis „Arbeit mit Kindern“ tätig. Außerdem ist sie Delegierte zum Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Zu den Aufgaben der neuen Diözesanjugendreferentin gehören die Koordination der diözesanen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Vernetzung der Gemeinden untereinander, sowie die Aus- und Weiterbildung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in der Jugendarbeit. Weitere wichtige Bereiche sind das Vertreten von Anliegen der Kinder und Jugendlichen in Kirche und Gesellschaft sowie die Mitarbeit auf gesamtösterreichischer Ebene und die Fortführung internationaler Kontakte.

Sarah Wilke wird ihre Funktion im Herbst übernehmen. Für ihre Aufgabe wünschen wir ihr Gottes Segen!

Radiogottesdienst „Der Heilige Geist beflügelt“

Am Pfingstmontag aus Kufstein

Kufstein (epdÖ) – Der ORF-Radiogottesdienst vom Pfingstmontag, 1. Juni, kommt aus Kufstein in Tirol. „Der Heilige Geist beflügelt. Er überwindet alle Begrenzungen und Einschränkungen des Lebens und führt in die Weite.“ Unter diese Überschrift stellen Pfarrer Robert Jonischkeit und sein Team den Gottesdienst, der ab 10 Uhr auf den Regionalsendern des ORF (ausgenommen Radio Wien) übertragen wird. Jonischkeit: „Durch die Pandemie bedingt haben die Menschen die existentielle Erfahrung von Einengung, Beschränkung, Begrenzung und Verboten gemacht. Das kann Angst und Unsicherheit erzeugen. Ganz ähnlich ging es den Jüngern nach dem Tod Jesu. Sie haben sich eingesperrt, waren verängstigt und perspektivenlos.“ Auf diese Gefühle wolle er in dem Gottesdienst, der aus der Kufsteiner Johanneskirche übertragen wird, eingehen. So präzisiert Jonischkeit: „Als Jesus erschien und den Jüngern den Heiligen Geist einhauchte, veränderte sich ihre Situation grundlegend.“ Aus verzagten und verängstigten Jüngern seien begeisterte, mutige und leidenschaftliche Apostel geworden. „Diese Erfahrung brauchen wir gerade in diesen Zeiten. So feiern wir einen im wahrsten Sinn des Wortes geistreichen Pfingstgottesdienst.“

Musikalisch begleitet wird der Gottesdienst von Diözesankantor Gordon Safari an der Orgel. Safari hat auch die musikalische Gesamtleitung. Mit dabei sind Lisa Mauracher (Gesang und Gitarre), Maren Janiczek mit ihren Kindern Lisa, Julia und Fabian (Keyboard, Geige, Querflöte, Gesang). Weiters singen und spielen Mitglieder des Ensembles BachWerkVokal: Electra Lochhead (Sopran), Tamara Obermayr (Alt), Max Tavella (Bass) und Hannah Vinzens (Violoncello).

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Exaudi – 24. Mai 2020

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Jeremia 31,31-34 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

A. Vivaldi, Sonate für Violoncello und Continuo Nr. 5, B-Dur, Largo und Allegro

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Rogate – 17. Mai 2020

Der Herr sprach zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt. Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben’s angebetet und ihm geopfert und gesagt: Dies sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben. Und der Herr sprach zu Mose: Ich habe dies Volk gesehen. Und siehe, es ist ein halsstarriges Volk. Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie verzehre; dafür will ich dich zum großen Volk machen. Mose wollte den Herrn, seinen Gott, besänftigen und sprach: Ach, Herr, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast?  Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem glühenden Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst. Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig. Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk angedroht hatte.

2. Mose 32,7-14 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

D. Scarlatti – Sonata in F
J. Haydn – aus Sonata in B, 3. Satz Menuetto

Gebet für Freiheit und Würde 11.05.2020

Afghanistan ist nicht sicher.

Die Corona Pandemie entzieht den Menschen in Afghanistan noch zusätzlich ihre Existenzgrundlage, weil – ähnlich wie in Europa – strenge Ausgangsbeschränkungen bestehen. Die Menschen dürfen nicht zur Arbeit gehen, haben deswegen kein Einkommen und können Lebensmittel sowie Mieten nicht bezahlen. In einem Land, indem die wenigsten Familien über finanzielle Rücklagen verfügen, führt der Verlust des Einkommens in wenigen Tagen schon zu Lebensunterhalt bedrohenden Situationen ganzer Familien.

Viel mehr, als vor dem Virus fürchten sich aber viele Afghaninnen und Afghanen derzeit vor dem Ausbruch eines neuen Bürgerkrieges. Der Streit um die Regierung, zwischen dem offiziell wiedergewählten und amtierenden Präsidenten Ashraf Ghani und seinem Konkurrenten Abdullah Abdullah machen eine kriegerische Auseinandersetzung nicht unwahrscheinlich. In Kabul gibt es immer wieder Waffengefechte. Was ein Bürgerkrieg zusätzlich zu dem Terror der Taliban und des IS, und einer Corona Pandemie in der ohnehin verarmten Zivilbevölkerung bewirken würde, darüber wollen und können die Menschen fast nicht nachdenken.

Afghanistan hat jetzt schon die höchste Arbeitslosenrate der Welt. Zusätzlich dazu ist 80 % der Arbeit nicht existenzsichernd. Wie soll da der Aufbau einer Zukunftsperspektive möglich sein, wie ihn die Richter und Richterinnen unserer Asylbehörden bei der Ausstellung negativer Bescheide den Afghanen immer wieder bei der Abschiebung in ihre Heimat in Aussicht stellen?

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,

an dich wenden wir uns mit unserem Gebet. Du willst Licht bringen in die Dunkelheiten unserer Welt.

Wir erleben so viel Dunkel um uns herum. Manchmal sind wir voll Furcht, oft voller Ohnmacht. Wir würden gerne etwas ändern an der perspektivlosen Situation von Geflüchteten, die in unserem Land keine Chance zu haben scheinen.

In dieser Dunkelheit rufen wir zu dir und zünden ein Licht der Hoffnung an.

Wir erleben wie die Leben von geflüchteten Menschen in Griechenland, an den Grenzen der EU, aber auch hier bei uns verantwortungslos, beinahe mutwillig eingeschränkt, bedroht, menschenunwürdig behandelt werden.

In dieser Dunkelheit kommen wir zu dir und zünden ein Licht der Freiheit an.

Wir erleben, dass unsere Regierung im Asylrecht vor allem das eine Ziel zu verfolgen scheint, Asylsuchenden keine Perspektive unter uns zu gewähren. Dabei bereichert Diversität unsere Gesellschaft und auch ein Land wie Österreich braucht motivierte Arbeitskräfte.

In dieser Dunkelheit kommen wir zu dir und zünden ein Licht der Weisheit an.

Wir erleben, dass Menschen, die aufgrund von Krieg und Terror ihre Heimat, ihre Familie, ihre Arbeit, ihre Träume verloren haben bei uns Zuflucht suchen. Aber die Welt um uns herum scheint kalt und abweisend, überfordert damit diesen Menschen Sicherheit, Stabilität und eine neue Chance zu ermöglichen.

In dieser Dunkelheit kommen wir zu dir und zünden eine Kerze der Warmherzigkeit an.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung, du bist das große Licht für unsere Welt.

An deinem Licht können wir uns alle wärmen, darum beten wir gemeinsam zu dir:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Kantate – 10. Mai 2020

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Lukas 19,37-40 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Kantate, 10. Mai 2020

Johann Sebastian Bach, Singet dem Herrn ein neues Lied, BWV 225, Ensemble BachWerkVokal, Leitung Gordon Safari