Gebet für Freiheit und Würde 11.05.2020

Afghanistan ist nicht sicher.

Die Corona Pandemie entzieht den Menschen in Afghanistan noch zusätzlich ihre Existenzgrundlage, weil – ähnlich wie in Europa – strenge Ausgangsbeschränkungen bestehen. Die Menschen dürfen nicht zur Arbeit gehen, haben deswegen kein Einkommen und können Lebensmittel sowie Mieten nicht bezahlen. In einem Land, indem die wenigsten Familien über finanzielle Rücklagen verfügen, führt der Verlust des Einkommens in wenigen Tagen schon zu Lebensunterhalt bedrohenden Situationen ganzer Familien.

Viel mehr, als vor dem Virus fürchten sich aber viele Afghaninnen und Afghanen derzeit vor dem Ausbruch eines neuen Bürgerkrieges. Der Streit um die Regierung, zwischen dem offiziell wiedergewählten und amtierenden Präsidenten Ashraf Ghani und seinem Konkurrenten Abdullah Abdullah machen eine kriegerische Auseinandersetzung nicht unwahrscheinlich. In Kabul gibt es immer wieder Waffengefechte. Was ein Bürgerkrieg zusätzlich zu dem Terror der Taliban und des IS, und einer Corona Pandemie in der ohnehin verarmten Zivilbevölkerung bewirken würde, darüber wollen und können die Menschen fast nicht nachdenken.

Afghanistan hat jetzt schon die höchste Arbeitslosenrate der Welt. Zusätzlich dazu ist 80 % der Arbeit nicht existenzsichernd. Wie soll da der Aufbau einer Zukunftsperspektive möglich sein, wie ihn die Richter und Richterinnen unserer Asylbehörden bei der Ausstellung negativer Bescheide den Afghanen immer wieder bei der Abschiebung in ihre Heimat in Aussicht stellen?

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung,

an dich wenden wir uns mit unserem Gebet. Du willst Licht bringen in die Dunkelheiten unserer Welt.

Wir erleben so viel Dunkel um uns herum. Manchmal sind wir voll Furcht, oft voller Ohnmacht. Wir würden gerne etwas ändern an der perspektivlosen Situation von Geflüchteten, die in unserem Land keine Chance zu haben scheinen.

In dieser Dunkelheit rufen wir zu dir und zünden ein Licht der Hoffnung an.

Wir erleben wie die Leben von geflüchteten Menschen in Griechenland, an den Grenzen der EU, aber auch hier bei uns verantwortungslos, beinahe mutwillig eingeschränkt, bedroht, menschenunwürdig behandelt werden.

In dieser Dunkelheit kommen wir zu dir und zünden ein Licht der Freiheit an.

Wir erleben, dass unsere Regierung im Asylrecht vor allem das eine Ziel zu verfolgen scheint, Asylsuchenden keine Perspektive unter uns zu gewähren. Dabei bereichert Diversität unsere Gesellschaft und auch ein Land wie Österreich braucht motivierte Arbeitskräfte.

In dieser Dunkelheit kommen wir zu dir und zünden ein Licht der Weisheit an.

Wir erleben, dass Menschen, die aufgrund von Krieg und Terror ihre Heimat, ihre Familie, ihre Arbeit, ihre Träume verloren haben bei uns Zuflucht suchen. Aber die Welt um uns herum scheint kalt und abweisend, überfordert damit diesen Menschen Sicherheit, Stabilität und eine neue Chance zu ermöglichen.

In dieser Dunkelheit kommen wir zu dir und zünden eine Kerze der Warmherzigkeit an.

Gott, du Schöpfer der Zukunft und der Hoffnung, du bist das große Licht für unsere Welt.

An deinem Licht können wir uns alle wärmen, darum beten wir gemeinsam zu dir:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

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