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Geheimprotestantismus in Frankreich

Sterben für den Glauben

Bestimmt hat ihr Glaube nur deshalb überlebt, weil sie immer, auch in den furchtbarsten Situationen, auf Gott vertraut haben. Manchmal würde vielleicht auch uns ein bisschen mehr auf den Herren schauen und vertrauen nicht schaden. Er hilft uns zu bewahren, was wirklich wertvoll ist.

Ich habe mir für meine Fachbereichsarbeit in Religion ein bei uns eher ungewöhnliches Thema ausgesucht. Aber so exotisch ist es gar nicht, denn schließlich gab es auch in Österreich Geheimprotestantismus und auch heute noch ist der Tod für den Glauben in vielen Teilen der Welt alltäglich.

Die Geschichte der Hugenotten, wie man die Evangelischen in Frankreich meist bezeichnete, ist bis auf wenige Jahre eine Leidensgeschichte. Immer wieder stehen wir heute staunend vor den Zeugnissen von Menschen, denen ihre Werte, ihr Glaube, ihre Beziehung zu Gott wichtiger waren als Besitz, Familie und sogar ihr eigenes Leben.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es in Frankreich, wie auch in Deutschland und in anderen Ländern Europas reformatorische Strömungen. Viele Menschen waren unzufrieden mit der Situation in der Kirche, die geprägt war durch Macht- und Geldgier, sinnentleerte Bräuche und Unterdrückung der Gläubigen. Doch alle, die an die Ursprünge des Christentums zurückkehren wollten, die sich gegen die Machenschaften des Klerus wehrten oder einfach Jesu Lehre verkünden wollten, wurden von Staat und Kirche verfolgt. Trotzdem oder gerade deswegen bildeten sich immer mehr reformierte Gemeinden, in denen versucht wurde genau nach der Bibel zu leben und eine intensive Beziehung zu Jesus zu haben. In den Jahren 1523 - 1598 wurden deshalb acht Kriege zwischen Katholiken und Protestanten geführt und unzählige Menschen umgebracht und gefoltert. In der damaligen Zeit konnte bereits das Lesen in der französischen Bibel furchtbare Folgen haben. So landeten viele Menschen auf den Galeeren, andere wurden eingesperrt und gefoltert oder wurden verbrannt. Selbst die unschuldigen Angehörigen mussten büßen, wenn ein Familienmitglied verdächtigt wurde, nicht rechten Glaubens zu sein.

Doch im Jahre 1598 geschah etwas Besonderes: König Heinrich IV., ein früherer Protestantenführer, der für das Erlangen der Krone zum Katholizismus übertreten musste, erließ das Edikt von Nantes. Dieses Edikt war ein Dokument, das die Protestanten den Katholiken fast gleichstellte, was für die damalige Zeit eine gewaltige Maßnahme bedeutete. Zwölf Jahre konnten die Franzosen, ob protestantisch oder katholisch in Frieden leben. Doch dann begannen die Verfolgungen von Neuem und die Protestanten wurden systematisch ausgerottet. Mit einer Vielzahl von Edikten, aber auch mit roher Gewalt wurden alle Anhänger der reformierten Religion verfolgt. Kinder wurden den Eltern weggenommen, Pfarrer mussten fliehen, Kirchen wurden zerstört. Eine besonders grausame Art der Verfolgung waren die Dragonaden, die ihren Namen der Einquartierung von Dragonern, also Soldaten in Privathäusern verdanken. Diese Männer durften in den ihnen zugeteilten Häusern alles machen, außer die Besitzer absichtlich umbringen. Wieviel Leid kam da über manche Familie. Trotzdem wurde das Edikt von Nantes erst 1685 offiziell aufgehoben. Von diesem Zeitpunkt an waren die Hugenotten in den Augen der Mächtigen nicht mehr vorhanden. Doch immer wieder machten die Protestanten auf sich aufmerksam, zum Beispiel im Cevennenkrieg, als eine Hand voll Hugenotten einer riesigen Armee zwei Jahre lang widerstand. Aber auch Einzelschicksale wurden berühmt, wie etwa das der Marie Durand oder das bewegte Leben von Blanche Gamond. Wie überzeugt muss man von seinem Glauben sein, wenn man dafür 37 Jahre lang eingesperrt bleibt oder zum Krüppel gefoltert wird?

Erst 1787 erkannte Ludwig XVI unter dem Einfluss der Aufklärung die Hugenotten wieder offiziell an und zwei Jahre später wurden im Zuge der Französischen Revolution alle Menschen gleichgestellt. Heute gibt es in Frankreich nur mehr ungefähr 1 % Evangelische, was angesichts der Zahlen im 17. Jahrhundert sehr wenig ist. Die meisten von ihnen haben sich heute einer Freikirche angeschlossen. Aber immerhin gibt es allen Prophezeiungen und Ausrottungsversuchen zum Trotz immer noch Hugenotten, auch wenn man sie heute nicht mehr so nennt.

Diemut Wessiak