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Evangelische Christen im Osten
Ein Beitrag von Ingeborg Wessiak
Wussten Sie, dass es evangelische Christen auch im Osten gab und noch immer gibt? Wir finden sie nicht nur in Ungarn oder Rumänien (die Siebenbürger Sachsen sind vielen von uns ein Begriff), sondern noch viel weiter im Osten, nämlich in der ehemaligen UdSSR.
Nachkommen deutscher Gastarbeiter/innen Es gibt Evangelische in der Ukraine, im europäischen Russland, zum Beispiel in Sibirien, in Kasachstan und sogar in Kirgisien. In der Regel handelt es sich um Nachkommen der Deutschen, die zur Bearbeitung des Bodens als Bauern von früheren Herrschern ins Land gerufen worden waren. Sie konnten unter schwierigsten Umständen ihren Glauben auch in der Zeit des Kommunismus bewahren, die deutsche Sprache ist aber oft verloren gegangen.
Hilfe durch den Martin-Luther-Bund Heute ist die Religionsausübung wieder erlaubt, doch die große Armut der Menschen erschwert die Renovierung der Kirchen, die Anstellung von Pfarrern, die Anschaffung von Bibeln und Gesangbüchern usw. Hier springt nun der Martin–Luther–Bund helfend ein. Er hilft nicht nur mit Sachspenden, sondern schickt auch immer wieder Pfarrer und Gemeindeschwestern in die Gemeinden der verschiedenen Länder, um dort die Leute zu betreuen bzw. aus- und weiterzubilden. Das ist kein einfacher Dienst dort, denn die Entfernungen sind groß, die Straßen schlecht und die Verständigung nur mit Dolmetscher möglich. Denn wer spricht schon bei uns russisch?
Deutscher Pfarrer in Prischib Trotzdem sind immer wieder Pfarrer bereit, einige Zeit in diesen Gemeinden Dienst zu tun. Ein Pfarrer aus Deutschland zum Beispiel arbeitete ein halbes Jahr in Prischib, einem Ort mit deutschen Siedlern in Baschkortostan. Dieser Ort liegt etwa 200 km vom Ural, der Grenze zwischen Europa und Asien, entfernt und beherbergt die östlichste lutherische Gemeinde Europas. Für die Anreise mit dem Auto brauchte dieser Pfarrer sechs Tage, doch die herzliche Aufnahme im Ort entschädigte ihn für alle Strapazen. Die Leute sind überglücklich, einen Pfarrer bei sich zu haben, damit sie wieder Gottesdienst und Abendmahl feiern können, Kinder getauft und Trauungen vorgenommen werden. Ganz besonders wichtig ist die Kinder- und Jugendarbeit, um den Fortbestand der Gemeinden zu sichern. Neben Prischib musste er auch die Gemeinde der Hauptstadt Ufa sammeln und betreuen. Es gibt dort eine Kirche, die der Gemeinde weggenommen und zweckentfremdet wurde. Im Augenblick befindet sich darin ein Teeladen. Vielleicht gelingt es der Gemeinde, sie wieder einmal zurückzubekommen.
Diaspora zwischen Asien und Europa In Orenburg, ebenfalls nahe am Fluss Ural gelegen, gibt es eine einheimische Pfarrerin, die Folgendes berichtet: Sie hat sechs Gemeinden zu betreuen, die sich zu beiden Seiten des Ural befinden, das heißt, einige in Europa, die anderen in Asien. Die weiteste Gemeinde ist 500 km entfernt. Die Gemeinde in Orenburg besteht seit 230 Jahren. Nach Zerfall des Kommunismus fanden sich die Gemeindeglieder wieder zusammen, um gemeinsam zu singen, zu beten und in der Bibel zu lesen, zunächst wie in so vielen Orten ohne Pfarrer. Mit Hilfe von auswärts konnte sich die jetzige Pfarrerin, die gelernte Krankenschwester ist, für das Pfarramt ausbilden lassen. Schon im Jahr 1767 wurde in dieser Stadt eine evangelische Kirche errichtet, die aber 1928 geschlossen und 1937 abgerissen wurde. Heute steht an dieser Stelle ein medizinisches Institut und die Pfarrgemeinde hat kein Kirchengebäude mehr. Zu den Gottesdiensten trifft man sich in einem Raum des Kulturhauses. Aber man hofft, irgendwann einmal ein Gemeindezentrum bauen zu können. An den Sonntagen kommen rund siebzig Leute zum Gottesdienst, der in deutscher und russischer Sprache abgehalten wird. Zur Gemeinde gehören rund hundert Seelen. Es gibt Kindergottesdienst und Jugendarbeit, ebenso ein christliches Sommerlager für Flüchtlingskinder, die überwiegend aus Tschetschenien, Tadschikistan und Armenien stammen. Besonders wichtig ist die Ausbildung von Mitarbeitern. Dafür werden theologische Seminare bzw. Seminare für Gemeindearbeit abgehalten.
Das waren zwei Beispiele von Gemeinden in Russland. Ähnlich sind die Probleme und Schwierigkeiten überall in den Gemeinden im Osten, die unter dem Kommunismus zu leiden hatten. Doch gerade dort ist das Weitersagen des Evangeliums besonders wichtig und fällt auf fruchtbaren Boden. |
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