Migration verändert kirchliche Landschaften
Wie verändert Migration und welche Veränderungen mit welchen Auswirkungen sind in kirchlichen Landschaften zu beobachten bzw. notwendig? Was können Kirchen zur Akzeptanz der Verschiedenartigkeit in einer globalisierten Welt zur theologischen Frage „Wer ist mein Nachbar?“ leisten? Vom 5. bis 7. Dezember 2011 erörterten in der „Near East School of Theology“ in Beirut (Libanon) 30 Teilnehmer auf Einladung des Kirchenrates des Nahen Ostens im Rahmen des „ÖRK - Programms für Gerechte und integrative Gemeinschaften“ diese Fragen.
Folgende Ergebnisse der Tagung sind von Bedeutung: Die Binnenmigration in Afrika ist ungemein stark. Armut, Arbeitslosigkeit und Konflikte sind die Hauptgründe für die Massenmigration. Wichtiger denn je sei eine Theologie des Begrüßens und Liebens. Am Beispiel von Sambia müssten interreligiöse Beziehungen, Identität, Gerechtigkeit, Rassismus und Diakonie beachtet werden. Die Kirchen müssten ermutigt werden, einen Zufluchtsort für alle zu bieten, die missbraucht werden und Menschenhändlern in die Hände fallen. Migranten würden häufig gesellschaftlich ausgegrenzt und wie Fremde behandelt werden. Beziehungen zwischen den Geschlechtern und in den Familien würden oftmals dort, wo Frauen die Rolle des Ernährers übernehmen müssten, gestört sein. Die europäische Situation betrifft Themen wir die Identität und kulturelle Vielfalt sowie die Dynamik zwischen den älteren und neueren internationalen Kirchen. Das Kräftespiel des „Arabischen Frühlings“ weist auf Entwicklungen hin, die Christen zum Abwandern veranlassen. Teilnehmer forderten die Achtung religiöser Minderheiten und die Ingangsetzung eines aussagekräftigen interreligiösen Dialogs. Als ebenfalls erzwungene Migration werden Umweltkatastrophen angesehen. Dies betrifft insbesondere den pazifischen Raum. Teilnehmer der Pazifischen Kirchenkonferenz beschrieben Initiativen ihrer Kirchen. Die gute Verwaltung von Gottes Schöpfung – Land und Meer – müsse theologisch aus dem Buch Genesis besser bedacht werden.
Eine theologische Erklärung zum Thema der Migration soll im Herbst 2013 auf der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Busan (Korea) erfolgen.
Günther Dichatschek /ÖRK
Link: Ökumenischer Rat der Kirchen |