Home Magazin Angebote und Service Kirche und Struktur Glaube leben Links
Aktuelles
Termine Superintendentur
Termine Ev. Bildungswerk
Buchtipps!
Hintergründiges
Historische Persönlichkeiten
Evangelisches Brauchtum
Archiv
Migration verändert kirchliche Landschaften    Vom „Krieg und Frieden“ der menschlichen Kommunikation    Die Kirche oder „Was soll ich noch bei dem Verein?“    Hohe Auszeichnungen für Superintendentin Müller und Superintendentialkurator Fussenegger    Montessori Oberstufenrealgymnasium     Buchtipps!    Zillertaler Auswanderer von 1837    Eröffnung der neuen Superintendentur in Innsbruck   

Vom „Krieg und Frieden“ der menschlichen Kommunikation

Der bekannte deutsche Dramatiker Botho Strauss hat einmal (sinngemäß) gesagt: Es gibt keine noch so neue Erkenntnis, die nicht schon „immer“ da gewesen wäre.

Diese Einsicht trifft auf die menschliche Kommunikation in hohem Maße zu. Die moderne Kommunikationspsychologie hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und uns so manches gelehrt, was den Umgang miteinander leichter machen kann. Aber letztlich gibt es eine Reihe alter „Weisheiten“, die das, was da neu und modern formuliert wird, schon lange für uns „bewahren“. Wenn Menschen miteinander reden, kommt es oftmals zu Missverständnissen, daraus entstehen Spannungen und Konflikte. Was sind die Ursachen dafür?
 
Zwei grundsätzliche Erklärungsansätze kann man heranziehen: Einerseits neigen wir (leider) dazu, uns sehr schnell angegriffen zu fühlen. Sehr oft wird eine neutrale Aussage als Angriff missinterpretiert. Ein Beispiel:
 
Der Mann fragt seine Frau beim Essen: „Was ist denn das Grüne in der Suppe da?“ (weil er dieses Gewürz nicht kennt, das da obenauf schwimmt). Die Frau antwortet ihm: „Koch dir halt selber, wenn´s dir nicht schmeckt!“. Sie hat also einen Angriff auf sich gehört und nicht die neutrale Frage. Wenn der Mann nun darauf verärgert reagiert, ist der Grundstein für einen veritablen Streit gelegt.
Natürlich gibt es in so einer Situation viele mögliche Gründe für die unerwartete Reaktion der Frau, aber häufig ist die Ursache für einen solchen emotionalen Ausbruch auch darin begründet, dass das Selbstwertgefühl „angeknackst“ ist. Die Frau wartet unbewusst geradezu darauf, dass der Mann wieder etwas an ihr auszusetzen hat.
 
Wer sich selbst nicht genügend Wert schätzt, der erwartet hinter jeden „Hecke“ einen Heckenschützen auf die eigene Persönlichkeit.
 
Andererseits gelingt es uns oftmals nicht, dass wir unserem Gegenüber wirklich zuhören. Wir sind von vorneherein davon überzeugt, Recht zu haben und der andere liegt mit seinen Argumenten falsch. Dann verwenden wir unsere ganze Gesprächsenergie darauf, dem anderen zu zeigen, dass er im Unrecht ist. Während er spricht, überlegen wir schon, wie wir ihm zeigen, dass alles, was er sagt, Unsinn ist. Vielleicht haben wir damit das ein oder andere Mal sogar Recht. Aber meistens passiert etwas ganz Negatives: Wir hören gar nicht mehr, was der andere sagt, weil wir nur mit dem beschäftigt sind, was wir sagen wollen. Mit einem Wort: Wir befinden uns zwar in einem Gespräch, aber in Wirklichkeit sind wir nur mit uns beschäftigt. Die Kommunikationspsychologie sagt dazu, dass wir verlernt haben, dem anderen wirklich zuzuhören und uns in ihn hineinzuversetzen. Dabei wäre das das Wichtigste in jedem Gespräch:
 
Zuhören, nachfragen, bis man wirklich verstanden hat, was der andere sagen will, den anderen ernst nehmen, auch wenn man anderer Meinung ist und … immer die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass man selber falsch liegen könnte!
Also sind, zusammengefasst, folgende zwei Erkenntnisse der Kommunikationspsychologie entscheidend für gelingendes und damit "friedliches" Miteinander-Reden:
 
Ein gutes Selbstwertgefühl zu haben, damit man sich im Gespräch dem anderen gleichwertig fühlt. Den Gesprächspartner akzeptieren, ihn ernst nehmen und verstehen wollen.
 
Und nun komme ich zurück auf die These von Botho Strauss am Beginn dieses Textes. Beide Regeln sind enthalten in einem der weisesten Bibelworte des Neuen Testaments:
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Viel zu oft (für meinen Geschmack) wird diesem Wort unterstellt, es gehe dabei nur um den anderen, eben den Nächsten. Aber es heißt ganz eindeutig: „…wie dich selbst“. Voraussetzung für die Nächsten-liebe ist also die Eigenliebe, eben das vorher erwähnte „Selbstwert-gefühl“.
 
Die Bibel sagt uns also schon, was die moderne Kommunikationspsychologie uns mühsam zu vermitteln versucht: Lerne dich selbst wertschätzen (du hast weit weniger Feinde, als du denkst!) und dann gehe mit jedem, dem du (im Gespräch) begegnest, genau so wertschätzend um!

Hartmut Schwaiger, evang. Pfarrgemeinde Hallein