Johannes Kepler
Ein Protestant
Im Zuge der Veranstaltungen in Linz als europäische Kulturhauptstadt 2009 wurde das Wohnhaus von Johannes Kepler, Rathausgasse Nr. 5, renoviert und eröffnet. Eine Tageszeitung berichtete davon und bezeichnete Kepler als den „einzigen Linzer Weltstar“. Dass er wegen seines evangelischen Glaubens die Stadt verließ, darüber schrieb man nicht.
Johannes Kepler wurde am 27. Dezember 1571 in eine sehr bewegte Zeit hineingeboren. Seine Familie lebte in der Nähe von Stuttgart, war evangelisch und war begütert. Aber schon zwei Jahre später verlässt sein Vater die Familie und die unglückliche Ehe. Er nimmt als Lutheraner teil am Kampf des katholischen Spanien gegen die Calviner in den Niederlanden.
Damals gab es noch keine Kirche AB und HB, sondern es stritt AB gegen HB statt gemeinsam gegen den Feind „Rom“ zu streiten. Dabei ging es um unterschiedliche Auffassungen in der Abendmahlslehre. Die lutherische Auffassung war in der Konkordienformel niedergeschrieben. Jeder angehende Pfarrer im Lande Württemberg musste diese Formel unterschreiben.
Vater Kepler verlor sein ganzes Vermögen, nachdem er in der Nähe von Pforzheim ein Gasthaus betrieben hatte. Sohn Johannes musste im Betrieb mithelfen und konnte so nur gelegentlich die Schule besuchen. Sein Lehrer erkannte aber seine Begabung und half ihm weiter.
Johannes bekam ein Stipendium für das Studium und den Aufenthalt im Evangelischen Stift in Tübingen. Dafür erwartete man aber, dass er nach dem Studium der Lutherischen Theologie Pfarrer werden würde, da es an Pfarrern mangelte.
Johannes Kepler litt sehr unter dem Streit der Anhänger Luthers und der Calvins. Einer Entscheidung in diesem Konflikt enthob ihn seine Berufung als Lehrer für Mathematik an die protestantische Landschaftsschule in Graz im Jahre 1594.
Dort fand Johannes Kepler schwierige Verhältnisse vor. Erzherzog Karl unterstützte die von den Jesuiten gegründete Universität. Diese machte der evangelischen Landschaftsschule , die auch das Niveau einer Universität hatte, massive Konkurrenz.
Das Einkommen eines Lehrers war sehr niedrig und so musste sich Kepler nach Nebeneinkünften umsehen. Kepler musste neben seinem Lehrfach Mathematik auch alljährlich einen Kalender mit astrologischen und meteorologischen Vorhersagen erstellen. So verdiente er mit der Astrologie seinen zusätzlichen Lebensunterhalt. Bekannt ist, dass Kepler ein Horoskop für Wallenstein erstellte, dem dieser Feldherr blind folgte.
In dieser Zeit arbeitete Johannes Kepler an seinem ersten Buch über „die Entdeckung des Weltgeheimnisses“, das in Tübingen verlegt wurde.
1597 heiratete Kepler in Graz in der evangelischen Stiftskirche eine Witwe, die als gute Partie galt. Zwei Kinder, die in den darauf folgenden Jahren zur Welt kamen, starben bald.
Nach Erzherzog Ferdinands Amtsantritt verschlechterte sich die Situation der Evangelischen in Graz rasch. Im Jahre 1600 wurden alle Evangelischen ausgewiesen und so verließ auch Johannes Kepler die Stadt Graz.
Kepler ging nun nach Prag und arbeitete dort mit dem bedeutenden Astronomen Tycho Brahe zusammen. Schon ein Jahr später starb Brahe und Johannes Kepler wurde nun als kaiserlicher Mathematiker berufen. Aufbauend auf Brahes Forschungsergebnissen konnte Kepler nun die Richtigkeit des kopernikanischen Systems beweisen.
Vor genau 400 Jahren veröffentlichte Kepler sein 1. und sein 2. astronomisches Gesetz:
Die Laufbahn der Planeten ist eine Ellipse und nicht – wie bis dahin gelehrt – ein Kreis.
Je weiter der Planet von der Sonne entfernt ist, desto langsamer bewegt er sich.
1611 starben Keplers Frau und ein Sohn. Daraufhin verließ Kepler mit seinen Kindern Prag und ging nach Linz, wo er an der evangelischen Landschaftsschule eine Anstellung erhielt. Die Schule befand sich im Ständehaus (dem heutigen Landhaus). Kepler war Lehrer für Mathematik, Philosophie und Geschichte. Hier heiratete Kepler zum zweiten Mal, eine Frau aus Eferding, mit der er noch sieben Kinder hatte.
Vierzehn Jahre lebte Kepler in Linz und hatte hier wissenschaftlich eine sehr fruchtbare Zeit. 1618 entdeckte er das 3. nach ihm benannte Gesetz. Er gab die fünf Bücher der „Weltharmonik“ heraus.
Dann wurde Ferdinand II. Kaiser, der Kepler schon aus Graz vertrieben hatte. Er erließ 1624 die Anweisung, alle evangelischen Prädikanten und Schulmeister müssten binnen acht Tagen das Land verlassen. Kepler war zunächst nicht davon betroffen, weil er kaiserlicher Beamter war. Als aber seine Bibliothek versiegelt wurde, weil „ketzerische Bücher“ darunter sein könnten, resignierte er und verließ mit seiner Familie die Stadt Linz in Richtung Deutschland.
Am 15. November 1630 starb Johannes Kepler in Regensburg, vertrieben von Kaiser und katholischer Kirche aus Linz, der Kulturhauptstadt 2009.
Mag. Inge Wessiak, Pfarrgemeinde Jenbach
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