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Buchtipps!

Ulrich Schaffer: Beten über Worte hinaus
Der chinesische Philosoph Laotse (6. Jh. v. Chr.) weist darauf hin, dass gerade die Leere dem, was sie umgibt, Bedeutung gibt: „Der Reifen des Rades wird gehalten von den Speichen, aber die Leere zwischen ihnen ist das Sinnvolle beim Gebrauch. Aus nassem Ton formt man Gefäße, aber das Leere in ihnen ermöglicht das Füllen der Krüge. So ist das Sichtbare zwar von Nutzen, doch das Wesentliche bleibt unsichtbar."
Ulrich Schaffer zieht in seinem Buch aus diesen Grundeinsichten spirituelle Schlüsse: „Das Gefühl des Erfüllt Seins, aus dem heraus gebetet wird, ist sicherlich bekannt. Der Mensch fließt zu Gott und zu anderen hin. Ich glaube aber auch, dass das Gegenteil, die Leere, als Gebet verstanden werden kann." Ein Klassiker, der neue Horizonte eröffnet – auch für alle geeignet, die das Beten mit überlieferten Worten verlernt haben.
Ulrich Schaffer: Beten über Worte hinaus, Kreuz Verlag, 4. Auflage 1997, ISBN: 3-7831-0902-3, 162 S., € 12,90

Wolfgang Huber: Der christliche Glaube – Eine evangelische Orientierung
Viele suchen nach religiöser Orientierung, nach etwas, das ihnen im Leben Halt gibt. Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gliedert sein aktuelles Buch in 5 Abschnitte: Glaube, Christus — Gott bei den Menschen, der Heilige Geist — ein Geist der Freiheit, zur Hoffnung bestimmt, zur Liebe berufen. Das Fragment des Lebens wird von der Zukunft zusammengefügt, die Gott für uns bereithält.
Gefragt wird nach der Liebe, die auch dann trägt, wenn alles zerbricht. Gefragt wird aber auch nach einer Hoffnung, die im Tod nicht verlischt. Gefragt wird letztlich nach einem "persönlichen" Glauben. Ein Geschenk Gottes: Glaube, Hoffnung, Liebe! (vgl. 1 Kor 13).
Dieses Buch besticht durch seine Klarheit und zwingt zur Auseinandersetzung: »dem Evangelium treu, den Menschen nah, der Zukunft zugewandt. « Für alle, die nach Gewissheit und Klarheit suchen, und für die, die das Zweifeln noch nicht verlernt haben…
Wolfgang Huber: Der christliche Glaube — Eine evangelische Orientierung, Gütersloh 2008, ISBN: 3-579-06449-9, 288 S., € 20,60

Astrid Lindgren: Das entschwundene Land
Dass Astrid Lindgren großartige Kinderbücher geschrieben hat, weiß jeder – man denke nur an „Michl aus Lönneberga“, „Madita“, „Ferien auf Saltkrokan“, … Wer hat nicht zumindest eines davon gelesen? Wie viele Stunden habe ich wohl damit verbracht, sie meinen Kindern vorzulesen? Und ich möchte keine  davon missen. Dass die Schwedin mit „Das entschwundene Land“ auch ein (ihr einziges) Buch für Erwachsene geschrieben hat, ist wohl nicht so bekannt, aber deshalb nicht weniger lesenswert.
Astrid Lindgren nimmt ihre Leser mit in die Zeit ihrer Kindheit, erzählt von Knechten und Mägden, von Landstreichern und Bettlern, vom Leben auf dem Bauernhof und dem Treiben am Jahrmarkt. Sie schreibt davon, wie in ihr die Liebe zu Geschichten entstand und wie die Hauptdarsteller zu diesen Geschichten geboren wurden. Sie gibt Tipps für zukünftige Kinderbuchautoren und verrät, wo sie ihre Einfälle her hat. Und sie schreibt so einiges von der Einfachheit des Lebens auf dem Land und welche Vielfalt an Lebensweisheit sie von diesen einfachen Bauersleuten um sie herum mitbekommen hat.
Liebenswert macht das Buch aber schon das erste Kapitel. Darin erzählt sie die Liebesgeschichte ihrer Eltern – ganz einfach, jedoch in dieser Einfachheit unvergleichlich – eben Astrid Lindgren. Dieses Buch ist kein Buch für den ganzen Sommer, aber sehr wohl für einen vergnüglichen Nachmittag.
Dietmar Menges

Lieselotte von Eltz-Hoffmann: Starke Frauen
Eine erfolgreiche und angesehene selbstständige Geschäftsfrau mit eigenem Haus, eine „engelgleiche Erscheinung“ und immer freundliche Frau, die sich um Mädchenbildung, Verwaltung eines großen Betriebes und theologische Studien kümmert, eine vielleicht an einer Depression erkrankte vielgereiste und heimatlose Dichterin: sie alle verbindet, dass sie von der Heilsbotschaft des Anbruches des Reiches Gottes ergriffen sind und ihre Spuren in der 2000-jährigen Geschichte des Christentums hinterlassen haben.
Von der Apostelin Lydia über die Äbtissin und Missionarin Lioba und die Dichterin des Liedes „So nimm denn meine Hände“ bis zur Ordensschwester und Ärztin Ruth Pfau spannt sich der Bogen der 21 Frauen, die Eltz-Hoffmann in ihrem Buch kurz und gut lesbar vorstellt.
Lieselotte von Eltz-Hoffmann, Starke Frauen. 2000 Jahre unterwegs mit Gott, Evangelischer Presseverband 2007, ISBN 3-85073-019-8, 253 S., € 18,90

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes
Mit seinem Erstlingswerk „Der Schatten des Windes“ gelang dem spanischen Autor Carlos Ruiz Zafón 2004 sofort der Sprung in die Bestsellerlisten.
Der Roman erzählt die Geschichte des  jungen Daniel Sempere, der während der Franco-Ära in einem düsteren, geheimnisvollen Barcelona aufwächst. Sein Leben ändert sich schlagartig, als ihn sein Vater eines Tages zum „Friedhof der vergessenen Bücher“, einer geheimnisvollen Bibliothek, mitnimmt. Dort darf er sich ein Buch auswählen, das er in seine Obhut nehmen soll, und Daniel wählt den Roman „Der Schatten des Windes“.
Fasziniert von diesem spannenden Buch und seinem mysteriösen Autor, scheinen sich die Grenzen zwischen der Geschichte und Daniels wirklichem Leben immer mehr zu verwischen. Von nun an lässt ihn die Geschichte und das Schicksal dieses Werks nicht mehr los. Auf der Suche nach den Spuren des verschwundenen Autors gerät er in ein Labyrinth abenteuerlich verknüpfter Lebensläufe. Es ist, als wiederhole sich vergangene Geschichte in seinem Leben. Alle Menschen, denen Daniel begegnet, insbesondere die Frauen, in die er sich verliebt, scheinen nur Figuren in einem großen Spiel zu sein.
Vor dem Hintergrund eines phantastisch schimmernden Barcelona erzählt Carlos Ruiz Zafón in liebevoller und blühender Weise eine fesselnde Geschichte, die den Leser so schnell nicht mehr loslässt.
„...rundum das, was man einen wunderbaren Schmöker nennt.“ (Elke Heidenreich)
Birgit Gruber

ISBN-10: 3518458000
ISBN-13: 978-3518458006

77 Wertsachen - Was gilt heute?
77 Wertsachen: Das sind Fragen aus dem Alltag, die dazu auffordern, Stellung zu beziehen. Wie wir uns zu Werten stellen, wirkt auf die Gesellschaft und das Klima des Zusammenlebens zurück. Herausgeber dieses interessanten Sammelbandes ist Peter Frey, der Leiter des ZDF Hauptstadtstudios und Moderator der Sendung "Berlin direkt".
Insgesamt 79 Autor/innen aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Kultur, Finanzwelt und Erziehungswesen kommen zu Wort, u.a. Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Wolfgang Huber, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und seit 2003 Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Dieter Althaus, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen.
In 7 Kapiteln werden Gedankenanstöße vermittelt, die uns eine Hilfe für die Suche unserer Wertefindung sein sollen.
Peter Frey (Hg.): 77 Wertsachen - Was gilt heute?, Herder Verlag 2007, ISBN: 3-451-29564-4, 221 S., € 14,90

Spuren aus dem Leben der evangelischen Pfarrfrau in Österreich. - Evang. Presseverband 2000.
Kirchengeschichten, Gemeindechroniken, auch Lebensbilder der Pfarrer, die segensreich in ihren Gemeinden in Österreich wirkten, wurden schon viele geschrieben. Wo aber gibt es Aufzeichnungen über das Leben und Wirken der Frauen, die an der Seite ihres Mannes oft Herz und Seele der Gemeinde waren?
Dorothea Mernyi geht in ihrem Buch „Gottes vergessene Töchter“ den Spuren der evangelischen Pfarrfrauen in Österreich nach.
Durch die extreme Diasporasituation in Österreich hat gerade die Frau des Pfarrers seit dem Toleranzpatent 1781 eine besondere Stellung gehabt. In einem stark katholisch geprägten Umfeld ist sie ein Unikum als Frau und gleichzeitig engste Mitarbeiterin des Pfarrers. Hauptamtliche Mitarbeiter gab und gibt es, insbesondere in Landgemeinden, wenig oder gar nicht. Die evangelische Kirche in Österreich war immer im Aufbau, die finanziellen Mittel werden hauptsächlich von den Gemeinden selbst aufgebracht. Die Pfarrfrau leistete immer ihren Beitrag durch ihre unbezahlte Mitarbeit an der Seite ihres Mannes. Das Pfarrhaus mit seiner Pfarrfrau war ein Stück evangelische Identität. Inzwischen hat sich das Bild der Pfarrfrau gewandelt, viele gehen ihrem eigenen Beruf nach. Soll aber all dies, was die Pfarrfrau in dieser österreichischen Diasporakirche geleistet und bewegt hat, in Vergessenheit geraten?
Dorothea Mernyi, selbst langjährige Pfarrfrau, geht in diesem Buch dem Leben der evangelischen Pfarrfrau in Österreich nach. Spuren sind es nur, die sie hier aufgespürt hat, aber Spuren, die das Gemeindeleben geprägt haben. Eine 60-jährige Pfarrfrau sagt zu diesem Buch: "Es ist gut, daß wir einmal aus unserem Schattendasein heraustreten können. Leider müssen wir unsere Geschichte selbst schreiben."
Gerade aber das macht das Buch authentisch und gibt ihm seine besondere Note. Pfarrfrauen erzählen ihre Geschichten, wie sie sie selbst erlebt und empfunden haben. Aber auch Kinder und Enkel beleuchten das Leben ihrer Mütter und Großmütter. Ergänzt durch eigene Recherchen entfaltet Dorothea Mernyi eine österreichische Kirchengeschichte aus Frauensicht über fast 2 Jahrhunderte.
Erika Geißelbrecht

Sie können das Buch beziehen über den Evangelischen Presseverband in Österreich, 1030 Wien, Ungargasse 9/10, Tel.Nr. 01/712 54 61, Fax DW 50, E-Mail-Adresse epv@evang.at 
Der Preis pro Exemplar beträgt Euro17,40 zuzüglich Porto/Versand.


Dorothea Mernyi: Die leeren Seiten eines Tagebuches
Im ersten Roman über das Leben von Pfarrfrauen geht es, so die Autorin, „um das, was häufig in Pfarrhäusern unter den Tisch gekehrt wird". „Ich will mit diesem Buch Licht ins Dunkel bringen, auch wenn vielleicht mancher daran Anstoß nimmt", sagt Dorothea Mernyi.
Bereits 2001 hatte der Verlag Evangelischer Presseverband Mernyis erstes Buch „Gottes vergessene Töchter" herausgegeben. In dem Sachbuch hatte Mernyi, die selbst viele Jahrzehnte an der Seite eines Pfarrers wirkte, die Lebenserinnerungen von Pfarrfrauen aufgearbeitet. Mit dem „Tagebuch" liegt nun der erste Roman zu diesem Thema vor. Das Buch war nicht geplant, erzählt die Autorin, sondern habe sich aus den zahlreichen Reaktionen auf ihr erstes Buch „ergeben". Mernyi: „Ich wurde zur Anlaufstelle, wo andere ihr Herz ausschütteten." Dem Roman liegen wahre Begebenheiten zugrunde. Über mehrere Generationen hinweg lässt Mernyi den Alltag von Pfarrfrauen, aber auch die Erinnerungen von Enkelinnen lebendig werden, wobei auch Generationskonflikte thematisiert werden. Eine wichtige Rolle spielen, so die Autorin, die Erwartungshaltungen seitens der Kirche und der Gemeinde an die Pfarrfrauen, denen viele nicht gewachsen waren. „Von der befreienden Botschaft der Reformation ist zwar gepredigt worden, im Pfarrhaus war davon aber oft herzlich wenig zu spüren." Vielmehr bestimmten übertriebene „Strenge, Zucht und Ordnung" den Alltag im Pfarrhaus, schildert Mernyi. Die Leistung von Frauen blieb zum großen Teil „unbedankt", obwohl etwa gerade im Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg die Pfarrfrauen „Enormes" geleistet haben.
„Erinnern ist wichtig, weil Verletzungen sichtbar werden. So zeigen wir uns solidarisch und sorgen rückwirkend für mehr Gerechtigkeit", erklärte Christa Grachegg, Vorsitzende der Evangelischen Frauenarbeit Wien. „Die Männer – Pfarrer – reden, die Frauen arbeiten und bringen Dinge voran" – zu diesem Schluss komme ein Leser oder eine Leserin dieses Buches, meinte Pfarrer Marco Uschmann vom Evangelischen Presseverband in Anspielung auf ein Zitat von Margaret Thatcher. Nach dem großen Erfolg von „Gottes vergessene Töchter" sei er überzeugt, dass auch das „Tagebuch" auf hohes Interesse stoße. Glückwünsche an die Autorin überbrachte auch die stellvertretende Vorsitzende der Frauenarbeit Wien, Pfarrerin Heike Wolf, die für die Organisation vor Ort gesorgt hatte. Quelle: epdÖ

(ISBN 3-85073-039-5, 254 Seiten, 18,50 Euro)


Gerhilde Merz: Trotzdem das Leben umarmen

Das vorliegende Buch ist eine Rarität in vielfacher Weise. Die in Sachen Entwicklungspolitik versierte, langjährige Mitarbeiterin der Evangelischen Frauenarbeit in Österreich Gerhilde Merz schreibt nicht einfach die Biografie ihrer brasilianischen Freundin, Diakonisse Gerda Nied, sondern lebt wochen- und monatelang an ihrer Seite und lässt sie selbst erzählen. Auf diese Weise wird der Leser/die Leserin in das lebendige Gespräch der beiden Frauen einbezogen.
Beeindruckt hat mich die Bodenständigkeit und Lebensfreude von Gerda Nied, ihrer Lebenserfahrung und ihrem Mut, sich immer wieder etwas Neuem auszusetzen. Neben einer unverkennbaren Bereitschaft zum Abenteuer war es ihr christliches Selbstverständnis, das sie antrieb, zu den Ärmsten der Armen im Urwald und in den Slums zu gehen, mit ihnen zu leben und zu kämpfen für bessere Lebensbedingungen und eine gerechte Verteilung der Güter. Dass dabei auch evangelische Gemeinden samt Kirchengebäude und Pastor entstehen, wird fast beiläufig erwähnt. Gerhilde Merz lässt den Lebensweg ihrer Freundin einem großen Bogen gleich vor den Augen der Leserschaft langsam entstehen. Spannend der sehr persönlich gefärbte Rückblick auf Kindheit und Lebensentscheidung und das erste Einsatzgebiet im so genannten „Wilden Westen" Brasiliens, Amazonien, später in Balsas im Nordosten und zuletzt in der Favela Riacho do Mel. Hier sitzen Gerda Nied und Gerhilde Merz einander unter einem Mangobaum gegenüber, die eine erzählend, die andere schreibend. Besuche und Briefe, hin und her zwischen Brasilien und Europa verstärken den Eindruck der Gleichzeitigkeit von Geschehen und Teilnehmen Lassen.
Dr. Hannelore Reiner, Oberkirchenrätin

Taschenbuch, mabase Verlag, Nürnberg


Christine Hubka: Frau Pfarrer, sperren s die Kirche zu
Angela Schreiner hat es geschafft. In einer ländlichen Gemeinde hat sie sich gegen ihre männlichen Kollegen als evangelische Pfarrerin durchgesetzt. Der Alltag zwischen Job und Familie, Tür an Tür mit einem Asylantenheim hat Ihre Sicht für überholte Strukturen in Kirche und Gesellschaft geschärft. Da wird die Pfarre Schauplatz eines Verbrechens in Serie. Ein „Frau Pfarrer, sperren s´ die Kirche zu" folgt auf den Fuß; Angela Schreiner weiß mit Taktik, Spürsinn und Charme zu kontern.
Das Tagebuch eines Kriminalfalls schildert die Geschehnisse in drei parallelen Handlungsbögen: Gesellschaft, Beruf und Familie. Der Kriminalfall selbst verdeutlicht gesellschaftliche Strukturen und zwischenmenschliche Reibungsflächen. Die ländliche Alltagssprache der Erzählung weckt reale Bilder voller Spannung.
Autobiographisch anmutend, sind Personen und Ereignisse doch frei erfunden. Die Aussagen und Geschehnisse, wurden und werden, so oder so ähnlich, gesagt, geschrieben oder erlebt, an verschiedenen Orten, von verschiedenen Personen, zu unterschiedlichen Zeiten.
Die humorvoll kritische Perspektive einer berufstätigen Frau, bietet wohl sehr „bauchige" Einblicke in die evangelische Welt, jedoch ohne jeglichen zwingenden Anspruch lehrreich zu sein. AL

Frau Pfarrer, sperren s´ die Kirche zu. Ein Krimi von Pfr. Dr. Christine Hubka.
Zu beziehen über Evang. Pfarramt Wien-Landstraße zum Preis von 14 Euro.


Asta Scheib: Kinder des Ungehorsams
Nach der Klassenlektüre im Fach evangelische Religion in der Oberstufe des Adolf-Pichler-Platzes schreiben einige Schüler: In dieser einfühlsamen Erzählung gelingt es Asta Scheib, Martin Luther und seine Zeit vor dem inneren Auge des Lesers zum Leben zu erwecken.
Aus der Sicht seiner Ehefrau, Katharina von Bora, wird ein völlig neues Licht auf den Reformator geworfen. Man lernt den Menschen Martin kennen mit seinen Schwächen und Leidenschaften, Freuden und Wehen.
Auch die Liebesgeschichte zwischen dem Mönch und der entlaufenen Nonne erhält durch Asta Scheibs feinfühlige, psychologische Deutungen eine neue, bereichernde Dimension. Eine sehr interessante und aufschlussreiche Lektüre.
Katharina: Eine unglaubliche und für die damalige Zeit unvorstellbare Hochzeit erschreckt die katholische Welt. Katharina von Bora krempelt das Leben von Martin Luther vollkommen um. Im Buch spielt sie eine liebenswürdige, selbständige, starke und oft auch eigensinnige Frau. Ich finde, das Buch ist für Frauen eher geeignet als für Männer. Die Autorin beschreibt viele Dinge, die für Frauen interessanter sind.
Benedikt: Das Buch ist sehr empfehlenswert, weil es die damalige Zeit gut nachvollziehen lässt. Der Nachteil allerdings ist, dass die Sprache oft etwas altertümlich wirkt, weil unbekannte mittelalterliche Begriffe in diesem Roman vorkommen.
Amelie: An diesem sehr unüblichen Zugang zur Reformationsgeschichte wünschen wir allen LeserInnen viel Vergnügen.
Ulla Reingruber-Mehl mit OberstufenschülerInnen des APP/ Innsbruck


Klaus-Peter Jörns: Lebensgaben Gottes feiern
Mit seinem Buch "Notwendige Abschiede" hat er eine intensive Diskussion in Gang gebracht. Klaus-Peter Jörns spricht aus, was viele denken: Es gibt Traditionen des Christentums, die heute nicht mehr glaubwürdig sind.
In diesem Buch setzt er sich mit dem Gottesdienst und der Feier des Abendmahls auseinander. Jörns lehnt die Vorstellung ab, der Tod Jesu am Kreuz sei ein notwendiges Opfer zur Versöhnung des zornigen Gottes mit den Menschen gewesen. Darum kann der Gottesdienst nicht die Erinnerungsfeier an dieses Sühnopfer sein. Wie Gottesdienst stattdessen zu verstehen ist und gefeiert werden kann, zeigt dieses Buch – auf provozierende Art ...

Klaus-Peter Jörns: Lebensgaben Gottes feiern. Abschied vom Sühneopfermahl: eine neue Liturgie, Gütersloher Verlagshaus 2007, ISBN: 3-579-08015-6, 238 S., € 19,95

 
Gerd Theißen: Erleben und Verhalten der ersten Christen
Was führte dazu, dass aus einer kleinen Sekte des Judentums eine Bewegung erwuchs, die die Weltgeschichte veränderte?
Um dies zu verstehen, genügt es nicht, historische und soziologische Fakten zu interpretieren. Es sind gerade auch psychologische Sachverhalte, die an der Wurzel des Christentums liegen. Diese zeigt der renommierte Heidelberger Bibelwissenschafter Gerd Theißen in seinem neuen Buch auf. In dieser Psychologie der urchristlichen Religion beschreibt er das religiöse Verhalten und Erleben der ersten Christen und Christinnen und macht es für uns heute verstehbar. Ein umfangreiches Werk, das sehr um Verständlichkeit bemüht ist, und zugleich ein spannendes Stück theologischer Geschichtsschreibung.

Gerd Theißen: Erleben und Verhalten der ersten Christen. Eine Psychologie des Urchristentums, Gütersloher Verlagshaus 2007, ISBN: 3-579-08014-8, 608 S.,€ 39,95

 
Gerlinde Horn: Wo die Wüste aufhört, beginnt der Himmel
Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des "Häferls", einer evangelischen Selbsthilfeeinrichtung für Strafentlassene und Freigänger in Wien, ist dieses Buch entstanden. Es enthält Geschichten und Erzählungen über das Leben von Menschen, die nicht von sich selbst erzählen, obwohl sie durch die Wüste gehen, und will Verständnis für Haftentlassene wecken und zur Solidarität ermuntern. Gerlinde Horn beschreibt in diesem Buch Menschen, die Lebensbrüche erleben und in unserer Gesellschaft nicht so wahrgenommen werden, wie sie wahrgenommen werden sollten. Der Ertrag des Buches, das € 16,— kostet, kommt zur Gänze dem "Häferl" zugute. Mit jedem verkauften Buch können so acht Mahlzeiten für die Besucher des "Häferls" gekocht werden.

Bestellungen an: Gerlinde Horn, Lutherplatz 1, 1060 Wien, Tel. 01-7897203, E-Mail: horn.gerlinde@aon.at.
Link: www.haeferl.net


Francois Lelord: Hector und die Geheimnisse der Liebe

Warum verlieben wir uns in jemanden, der gar nichts von uns wissen will? Warum liebt manchmal der eine mehr als der andere? Kann man nicht für immer verliebt bleiben? Warum fühlt man sich in einer Liebesbeziehung manchmal so allein?
Es gibt einen Professor, der diese Geheimnisse um die Liebe entschlüsselt haben will! Und noch besser: Der Professor hat sich mit den Formeln verschiedener, neuer chemischer Substanzen aus dem Staub gemacht und will nun ein Medikament entwickeln, welches dafür sorgt, dass wir uns nur in die Person verlieben, in die wir uns verlieben wollen oder verliebt bleiben, wenn wir es nur wünschen. Er will damit den Unstetigkeiten der Liebe ein für alle Mal ein Ende bereiten. Und weil Francois Lelord die Leserinnen und Leser nicht mit einem fantastischen, d.h. aus dem Reich der Fantasie stammenden Roman langweilen will, passiert, was im „echten“ Leben auch passieren würde: ein zweifelhafter Pharmakonzern versucht die Entwicklung und Verbreitung des Medikaments zu verhindern. So wird Hector, ein junger und als Glücksexperte berühmt gewordener Psychiater beauftragt, den Professor zu suchen und die Formeln zurückzubringen. Als Psychiater ist er natürlich ebenso Experte in Sachen Liebe...
Meiner Meinung nach gelingt Francois Lelord eine - im wahrsten Sinne des Wortes - liebenswürdige und liebevolle Geschichte um die Liebe, ohne den Leserinnen und Lesern schmalzige Liebesbeziehungen oder langweilige Lebensweisheiten aufzutischen. Vielmehr macht sich Hector, die Hauptperson, mit dem Flugzeug und auch zu Fuß auf eine Weltreise, entdeckt dabei eine Menge „Komponenten der Liebe“ und findet sogar am Ende den verschwundenen Professor...
Jutta Binder

 
Ulrich Trinks: Herausgesagt
„Herausgesagt“ könnte man als Lebensmotto von Prof. Dr. Ulrich Trinks, dem langjährigen Leiter der Evangelischen Akademie Wien († 29. Mai 2008 im Alter von 78 Jahren), bezeichnen.
Seine Lebenserinnerungen in Interviewform zeichnen sein vielfältiges Engagement nach und sind gleichzeitig ein Streiflicht durch die jüngere evangelische Zeitgeschichte. Trinks setzte sich kompromisslos für das ein, wovon er überzeugt war, besonders für das Priestertum aller Gläubigen. Daraus resultierte sein Einsatz für die Evangelische Akademie. Ein Herzensanliegen war ihm der christlich-jüdische Dialog. Die generationenlange „Lähmung“ unserer Kirche gegenüber einem Neubeginn mit dem Judentum ist letztlich durchbrochen worden, vor allem mit der Synodalerklärung „Zeit zur Umkehr“ im Jahr 1998. 10 Jahre später ist das Jahr 2008 — sein Todesjahr — von der Evangelischen Kirche zum Bedenkjahr dieses  Synodenwortes erklärt worden.

Herausgesagt: Ulrich Trinks im Gespräch mit Melitta Bardenich und Horst Gaisrucker. Persönliche Erfahrungen gelebten Christseins im 20. Jahrhundert, Schriftenreihe Ev. Akademie Wien 2007, ISBN: 3-95001732-5-0, 70 S., € 10,—
 

Mark Galli: Franz von Assisi und seine Welt
Papst Pius XI. nannte Franz von Assisi einen zweiten Christus, da er im Jahr 1208 sehr radikal die Worte des Evangeliums auf sich bezog, sich von seiner Familie lossagte und ein Leben in Armut und Entbehrung wählte. Vor dem Papst, aber auch vor allen anderen Menschen, trat Franziskus für seine Überzeugungen und seine ethischen Werte ein. Auch heute noch, in unserer Zeit, besitzt er die Verehrung vieler Menschen aus allen christlichen Konfessionen und anderen Religionen. Dies war auch der Grund, warum das Ziel der Sommerreise unserer Pfarrgemeinde vor zwei Jahren Assisi war. Mark Galli, Theologe und Historiker, geht in seinem Buch der Frage nach, wer Franziskus wirklich war, und zeichnet uns mit seinem historischen Verständnis ein anschauliches Bild der damaligen Zeit. Und er erläutert die verblüffende Aktualität seines Lebens...

Mark Galli, Franz von Assisi und seine Welt, Herder 2008, ISBN-10: 3451321017, 190 S., € 17,40

 
Anton Grabner-Haider: Kulturgeschichte der Bibel
Wenn Sie mehr über die Entstehung der Bibel erfahren möchten, wenn Sie die zeitlichen, sozialen, religiösen und kulturellen Hintergründe der biblischen Welt und ihrer Botschaft besser verstehen möchten, so kann Ihnen dieses Buch dazu kompetent helfen. Renommierte Theologen erlauben einen Blick in die Kulturen des alten Vorderen Orients: Leben und Glauben alter Völker und Kulturen, wie z.B. der ÄgypterInnen, BabylonierInnen u.a., werden lebendig und ermöglichen es, manchmal fremde und ferne Gedanken der Bibel zu verstehen.

Anton Grabner-Haider (Hg.), Kulturgeschichte der Bibel, Vandenhoeck & Ruprecht 2007, ISBN-10: 352557309X, 487 S., € 39,90

 
Helmut Krätzl: Eine Kirche, die Zukunft hat
Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl setzt sich anlässlich seines 30-jährigen Bischofsjubiläums mit brennend aktuellen Fragen der Kirche(n) auseinander. Der evangelische Bischof Michael Bünker hielt bei der Buchpräsentation die Laudatio. Während andere in diesem Alter ihre Memoiren schreiben, blickt Krätzl nicht zurück, sondern nach vorne und beschäftigt sich mit der Zukunft der Kirche — und dies angstfrei, so Bünker.
Krätzls ökumenisches Engagement zeigt sich u.a. bei der Mahlgemeinschaft der christlichen Kirchen, für die er sich einsetzt. Es ist einmalig, dass sich ein Bischof für die eucharistische Gastfreundschaft ausspricht. Ein Meilenstein, der einen Weg zeigt, der der Weg des gegenseitigen Respekts und der Anerkennung ist.

Helmut Krätzl: Eine Kirche, die Zukunft hat - 12 Essays zu scheinbar unlösbaren Kirchenproblemen, Styria 2007, ISBN 3-222-13224-7, 208 S., € 24,90
 

Norbert Silberbauer: Die elf Gebote
Durchweg schwarzer Humor zieht sich durch Nobert Silberbauers Geschichten, die sich um die zehn Gebote ranken. Sie bauen auf einem der Gebote auf, verletzen es oder führen es ad absurdum, indem sie es mehr als wörtlich nehmen, bestätigen es, indem seine Missachtung ins Verderben führt oder stellen es in Frage, indem seine Beachtung gar nichts bringt. 
Die Erzählungen sind in sich geschlossen, aber doch miteinander verbunden, durch immer wiederkehrende Motive wie Einsamkeit oder Kampf um Selbstbestimmung, durch Schauplätze, einzelne Figuren und nicht zuletzt durch die Gebote selbst, dem roten Faden, an dem sie aufgefädelt sind. Übrigens: das elfte Gebot lautet: Du sollst nicht Sport betreiben!

Norbert Silberbauer: Die elf Gebote. Kurzgeschichten, Erzählungen, Knaur-TB 2004, ISBN: 3-426-62596-2, 240 S., € 8,20
 

Margot Käßmann: Mit Herzen, Mund und Händen
Spiritualität im Alltag ist das Thema des neuen Buches von Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover/D). Ausgangspunkt ist dabei der Wunsch vieler Menschen nach einem Leben mit mehr Tiefe. Käßmanns Anregungen sind ein überzeugendes Plädoyer, die "Schatztruhe unserer spirituellen Tradition zu öffnen. Wir müssen nicht in ferne Länder oder Kulturen entschweifen, um einen neuen Zugang zu Gott zu finden.” Bibel, Gottesdienst, Gebet und Gesang(buch) — das sind die vier unseren Glauben tragenden Säulen.
Geistliches Leben bewegt sich aber auch in acht Spannungsbögen: Beten und Handeln, Lieben und Leiden, Seele und Seelsorge, Glaube und Weltverantwortung, Hoffen und Kämpfen u.a. Und es gibt — mindestens — 16 Möglichkeiten, um im Alltag spirituell anzudocken: Schöpfung, Segen, Stille usw.

Margot Käßmann: Mit Herzen, Mund und Händen. Spiritualität im Alltag leben, Gütersloher Verlagshaus 2007, ISBN: 3-579-06442-8, 184 S., € 14,95
 

Colin J. Humphreys: Und der Dornbusch brannte doch
Ein Busch, der brennt, Brot vom Himmel — der biblische Bericht von der Wanderung des Volkes Israel beinhaltet Wunder! Alles Hirngespinste oder fromme Phantasie? Humphreys hinterfrägt diese Ereignisse mit naturwissenschaftlicher Nüchternheit. Er entdeckt Erstaunliches: Und die Bibel hat doch recht. Die Taten Gottes (Wunder), von denen sie erzählt, verweisen auf geschehene Ereignisse! Eine "natürliche" Erklärung macht diese Ereignisse nicht weniger wundervoll. Sein Fazit: “Ich glaube, dass eine natürliche Erklärung Wunder nicht kleiner, sondern größer und glaubwürdiger macht. Wir müssen die Hauptinformationsquelle studieren — die Bibel!” — Die Erkenntnis eines Naturwissenschaftlers!

Colin J. Humphreys: Und der Dornbusch brannte doch. Ein Naturwissenschaftler erklärt die Wunderberichte der Bibel. Aus dem Englischen übersetzt von Uta Rohrmann, Gütersloher Verlagshaus 2007, ISBN 3-579-06519-9, 400 S., € 30,80
 

Dorothea Mernyi: Gottes vergessene Töchter
Spuren aus dem Leben der evangelischen Pfarrfrau in Österreich. - Evang. Presseverband 2000.
Kirchengeschichten, Gemeindechroniken, auch Lebensbilder der Pfarrer, die segensreich in ihren Gemeinden in Österreich wirkten, wurden schon viele geschrieben. Wo aber gibt es Aufzeichnungen über das Leben und Wirken der Frauen, die an der Seite ihres Mannes oft Herz und Seele der Gemeinde waren?
Dorothea Mernyi geht in ihrem Buch „Gottes vergessene Töchter“ den Spuren der evangelischen Pfarrfrauen in Österreich nach.
Durch die extreme Diasporasituation in Österreich hat gerade die Frau des Pfarrers seit dem Toleranzpatent 1781 eine besondere Stellung gehabt. In einem stark katholisch geprägten Umfeld ist sie ein Unikum als Frau und gleichzeitig engste Mitarbeiterin des Pfarrers. Hauptamtliche Mitarbeiter gab und gibt es, insbesondere in Landgemeinden, wenig oder gar nicht. Die evangelische Kirche in Österreich war immer im Aufbau, die finanziellen Mittel werden hauptsächlich von den Gemeinden selbst aufgebracht. Die Pfarrfrau leistete immer ihren Beitrag durch ihre unbezahlte Mitarbeit an der Seite ihres Mannes. Das Pfarrhaus mit seiner Pfarrfrau war ein Stück evangelische Identität. Inzwischen hat sich das Bild der Pfarrfrau gewandelt, viele gehen ihrem eigenen Beruf nach. Soll aber all dies, was die Pfarrfrau in dieser österreichischen Diasporakirche geleistet und bewegt hat, in Vergessenheit geraten?
Dorothea Mernyi, selbst langjährige Pfarrfrau, geht in diesem Buch dem Leben der evangelischen Pfarrfrau in Österreich nach. Spuren sind es nur, die sie hier aufgespürt hat, aber Spuren, die das Gemeindeleben geprägt haben. Eine 60-jährige Pfarrfrau sagt zu diesem Buch: "Es ist gut, daß wir einmal aus unserem Schattendasein heraustreten können. Leider müssen wir unsere Geschichte selbst schreiben."
Gerade aber das macht das Buch authentisch und gibt ihm seine besondere Note. Pfarrfrauen erzählen ihre Geschichten, wie sie sie selbst erlebt und empfunden haben. Aber auch Kinder und Enkel beleuchten das Leben ihrer Mütter und Großmütter. Ergänzt durch eigene Recherchen entfaltet Dorothea Mernyi eine österreichische Kirchengeschichte aus Frauensicht über fast 2 Jahrhunderte.
Erika Geißelbrecht

Sie können das Buch beziehen über den Evangelischen Presseverband in Österreich, 1030 Wien, Ungargasse 9/10, Tel.Nr. 01/712 54 61, Fax DW 50, E-Mail-Adresse epv@evang.at 
Der Preis pro Exemplar beträgt Euro17,40 zuzüglich Porto/Versand.