Beiträge

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Judika – 29.03.2020

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Hebräer 13,12-14 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Judika, 29. März 2020

Musik im Audio-Beitrag von Ronald Kah, Creative Commons Lizenz CC-BY

Olivier Dantine – Predigt zum Sonntag Lätare – 22.03.2020

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des Herrn an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

Jesaja 66,10-14 (Lutherbibel 2017)

Predigt von Olivier Dantine zum Sonntag Lätare, 22. März 2020

Musik im Audio-Beitrag von Ronald Kah, Creative Commons Lizenz CC-BY

Einander Tragen in Zeiten geistlicher Heimatlosigkeit

Superintendent Olivier Dantine zur aktuellen Situation

Ich fühle eine Art von Heimatlosigkeit. Vielleicht kann sie auch mit „geistlicher Obdachlosigkeit“ bezeichnet werden. Eine Situation, die bisher außerhalb meiner Vorstellungskraft lag: Eine dringende Empfehlung, sämtliche Gottesdienste und andere religiöse Veranstaltungen abzusagen. Nach allem, was ich höre und lese ist das angesichts der Coronavirus-Pandemie eine notwendige Maßnahme, um die Menschen aus den Risikogruppen zu schützen und einer Überlastung des Gesundheitssystems vorzubeugen.

Es hat aber zur Folge, dass das kirchliche Leben sich in diesen Wochen stark verändert. Mir ist die gottesdienstliche Gemeinschaft wichtig. Sowohl wenn ich selbst den Gottesdienst leite als auch wenn ich mit der Gemeinde feiere, Gottes Wort höre, singe und bete und den Segen Gottes empfange. Für meinen Glauben brauche ich die Gemeinschaft, brauche ich die Erfahrung des einander Tragens und Haltens. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Da bricht etwas weg. Es bleibt das Gefühl einer geistlichen Obdachlosigkeit.

Und dann kommt an diesem Tag auch noch die Nachricht herein, dass die „Karfreitags-Klage“ vom Verfassungsgerichtshof zurückgewiesen wurde. Dieser Weg der Bekämpfung der so unglücklichen neuen Karfreitagsregelung war also nicht erfolgreich. Ein wichtiger Tag für das religiöse Leben bleibt also vorerst in der Sphäre des Privaten, er kann nur als ein Urlaubstag in Anspruch genommen werden. Hier ist uns letztes Jahr viel von geistlicher Beheimatung weggenommen worden, und es bleibt auch vorerst dabei. Für Angehörige der betroffenen Kirchen ist das äußerst unbefriedigend, für viele andere Christen auch unverständlich.

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu Jesus: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lukas 9,57-62; (Predigttext für den Sonntag Okuli, 15.3.2020)

Ich lese den Predigttext vom kommenden Sonntag. Ich lese vom Menschensohn, der nichts hat, wo er sein Haupt hinlegt. Auch er obdachlos. Mich tröstet das in diesen Tagen: Jesus Christus ist auch in dieser Situation der geistlichen Heimatlosigkeit da. Gerade jetzt dürfen wir seiner Nähe gewiss sein. Ein Stück Heimat auch in dieser Heimatlosigkeit können wir so wieder zurückgewinnen. Das möge uns alle durch diese außergewöhnlichen Zeiten hindurchtragen. Wir sind gewiss: Auch jetzt ist Jesus Christus mit uns und wir haben die Hoffnung und Zuversicht, dass wieder die Zeit kommt, in der wir diese Gemeinschaft feiern können, einander nahe sein können und einander die Hand reichen dürfen.

Gleichzeitig ruft Jesus in diesem Predigttext in die Nachfolge, und das mit einem sehr hohen Anspruch: Alles stehen und liegen zu lassen, und Jesus nachzufolgen auf dem Weg, das Evangelium vom Reich Gottes unter die Menschen zu bringen. Dieser hohe Anspruch heißt für hier und heute: Erkennen, was jetzt dran ist, wo wir jetzt gebraucht werden. Es heißt auch, das jetzt gerade nicht notwendige zu lassen.

Gerade in diesen Zeiten sind Zuwendung und Trost wichtig. Es wird in diesen Tagen in den Gemeinden intensiv überlegt, wie die Zuwendung unter Wahrung der bekannten Vorsichtsmaßnahmen möglich ist. Ich bin überzeugt, dass dies in guter und verantwortlicher Weise geschieht. Vielleicht ist es auch gut, sich unter den Pfarrgemeinden darüber auszutauschen. Auch das ist eine Form der Verbundenheit untereinander, die durch diese Zeit tragen kann.

Nicht zuletzt rufe ich zum Gebet auf. Im Gebet sind wir verbunden mit den Kranken und ihren Angehörigen; mit den Menschen, die große Angst vor Ansteckung haben und sich isolieren; mit den Menschen, die sich in Quarantäne befinden und sich große Sorgen machen; mit den Menschen, die durch diese Krise ihren Arbeitsplatz verlieren oder als Selbstständige zur Zeit einen großen Teil ihres Einkommens einbüßen; mit den Menschen, die nach Gemeinschaft und Zuwendung in der Kirche hungern, diese aber nicht in gewohnter Weise erfahren können. Beten wir auch für die Menschen im Gesundheitswesen, dass Sie ausreichend Kraft und Ausdauer haben, aber dennoch auch Zeiten der Ruhe finden. Beten wir für die Verantwortlichen in der Politik und bei den Behörden, dass sie die richtigen Maßnahmen setzen.

Brief von Superintendent Dantine

Tiroler Kirchen sammeln Spenden für Restaurierung von Tora-Rolle

Superintendent Dantine: Tora ist Geschenk des Judentums an das Christentum

Innsbruck (epdÖ) – Anlässlich des bevorstehenden Tags des Judentums am Freitag, 17. Jänner, haben die Kirchen in Tirol eine Spendenaktion ins Leben gerufen, mit der die Restaurierung einer Tora-Rolle für die Innsbrucker Synagoge finanziert werden soll. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag, 14. Jänner, in Innsbruck, haben der evangelisch-lutherische Superintendent von Salzburg und Tirol, Olivier Dantine, der römisch-katholische Diözesanbischof Hermann Glettler, Günter Lieder, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) für Tirol und Vorarlberg, sowie Peter Jungmann vom Bischof-Stecher-Gedächtnisverein die Initiative präsentiert. Offizielles Motto der Aktion lautet: „Einander zum Segen werden – Tora-Rolle 2021“.

Die Tora sei „nicht nur Teil der christlichen Bibel, sie ist die wichtigste Grundlage für die Lehre Jesu. Wer das Neue Testament liest, kann es nur im Zusammenhang mit den Texten der jüdischen Bibel, allen voran der Tora verstehen“, erklärte Superintendent Dantine das Anliegen, das hinter dem Spendenaufruf stehe. Auch wenn Judentum und Christentum die Tora in unterschiedlicher Weise lesen und verstehen würden: Die Tora sei eine gemeinsame Grundlage. „Sie weist auf eine Verbundenheit zwischen den beiden Religionen hin, die in den letzten Jahrzehnten wieder neu entdeckt wurde.“ Über Jahrhunderte hinweg hätten sich Christinnen und Christen gegenüber diesem Geschenk respektlos verhalten, spielte Dantine auf die konfliktreiche historische Beziehung zwischen Christen und Juden an. Daher erinnerte der Superintendent: „Über den Juden Jesus von Nazareth ist auch den Christen die Tora gegeben. So sehen wir die Tora als ein Geschenk des Judentums an das Christentum.“

Glettler: „Jeder Form des Antisemitismus entgegentreten“

Sein römisch-katholischer Amtskollege, Diözesanbischof Hermann Glettler, forderte „jeder Form des Antisemitismus, in welcher Fratze er versteckt oder offen heute wieder auftaucht“ entschieden entgegenzutreten. „Wir alle haben von Gott den Auftrag erhalten, uns für die Verständigung und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft aktiv einzusetzen. Ja, wir wollen einander zum Segen werden – auch in Zukunft.“ Die Diözese Innsbruck versuche, die freundschaftlichen Beziehungen zur Israelitischen Kultusgemeinde, die von Bischof Reinhold Stecher in dessen Amtszeit von 1981 bis 1997 grundgelegt worden waren, fortzusetzen und damit „auch unsere eigenen spirituellen Wurzeln als Christen besser zu verstehen“.

Lieder: „Starkes Symbol für Miteinander von Judentum und Christentum“

Seine Freude und Dankbarkeit für die Unterstützung aus den Kirchen bei der Restaurierung der Tora-Rolle sprach IKG-Präsident Günter Lieder aus. Diese „einzigartige Aktion“ sei „ein starkes Symbol für das (neu) gewonnene Miteinander von Judentum und Christentum“. Die Tora, als zentraler Text der jüdischen Bibel, könne „für den Hausgebrauch“ zwar in gedruckter Form verwendet werden, die liturgische Ordnung jedoch sehe eine auf Pergament von Hand geschriebene koschere Ausgabe vor, erklärte Lieder die Besonderheit der Rolle.

Wie Bischof Glettler nahm auch Peter Jungmann, Obmann des Bischof-Stecher-Gedächtnisvereins Bezug auf das Erbe von dessen 2013 verstorbenen Amtsvorgänger: „1989 begründet Stecher das christlich-jüdische Komitee in der Absicht ‚überkommene Schranken abzubauen, sich verstärkt der Gemeinsamkeiten klar zu werden und Wege zueinander zu ebnen‘“, zitierte Jungmann den früheren Bischof, der auch den Bau einer neuen Synagoge in der Innsbrucker Sillgasse unterstützt hatte. Sie hatte im März 2018 ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert.

Der Tag des Judentums am 17. Jänner erinnert alljährlich an die Verbundenheit von Christen und Juden. In Innsbruck werden die entsprechenden Feierlichkeiten heuer bereits am Donnerstag, 16. Jänner, begangen. Bei der Veranstaltung im Innsbrucker „Haus der Begegnung“ (19 Uhr) läuten Glettler und Dantine die Spendenaktion „Einander zum Segen werden – Tora-Rolle 2021“ offiziell ein.

Kollekte am 11. Oktober fließt in Tora-Projekt

Die evangelischen Gemeinden in Tirol werden zusätzlich zur Verbreitung des Spendenaufrufs am Sonntag, 11. Oktober 2020, die Kollekte des Gottesdienstes dieser Aktion widmen. Der 11. Oktober fällt in diesem Jahr mit dem jüdischen Fest „Simchat Tora“ – dem Torafreudenfest zusammen.

Kontonummer für Spenden: AT18 3600 0003 0056 3650, KW: Tora-Rolle 2021

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