Friedrich Schiller



 
Dichter und Denker aus dem Geist des Protestantismus
 
Das Salzburger Schiller-Denkmal ist der deutlichste Beweis dafür, wie hoch die Wertschätzung war, die auch hier diesem Klassiker der deutschen Sprache zuteil wurde. Kein Schüler, der nicht das „Lied von der Glocke“ auswendig lernen musste. Öffentliche Feierlichkeiten wurden gerne mit Schillerzitaten verbrämt und die Kenntnis von Schillers Dramen gehörte zum unverzichtbaren Bildungsgut des gehobenen Bürgertums. Was der Dichtung Schillers die Wirkkraft verlieh, war das Monumentale und Erhabene, das im Pathos und dem mitreißenden Schwung seiner Sprache zum Ausdruck kam, und die Begeisterung der Menschen erweckte. Nach den Erfahrungen zweier Weltkriege und der Demokratisierung der westlichen Welt wurde jedoch, wie viele andere, auch Schiller gleichsam von seinem Podest geholt. Dennoch gehört er zu jenen richtungweisenden Gestalten der Aufklärung, deren Begriffe von Freiheit und Humanität aus dem Geist des Protestantismus erwuchsen und für die Entwicklung unserer Kultur maßgebliche Bedeutung gewannen.
Friedrich Schiller, der vor 250 Jahren am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren wurde, wuchs in einfachen Verhältnissen heran. Der geistige Raum, in dem sich die Familie bewegte, war eine vom Pietismus geprägte Frömmigkeit, verbunden mit sonntäglichem Kirchgang und häuslicher Bibellektüre. Noch in späteren Jahren bekannte Schiller seine „glühende Sehnsucht nach dem Ewigen“. Da der Vater im Dienst des Herzogs Carl Eugen von Württemberg stand, übersiedelte die Familie bald nach Ludwigsburg, wo Schiller die Lateinschule besuchte. Ursprünglich zum Geistlichen bestimmt, musste er jedoch auf höheren Befehl in die Militärschule eintreten. Der Zwang und die tyrannische Willkür, die dort herrschten, erweckten in ihm das leidenschaftliche Streben nach Freiheit und Anerkennung der missachteten Menschenwürde. So entstand sein erstes Drama „Die Räuber“, das seinen Namen mit einem Schlag bekannt machte und ihn zugleich als hochbegabten Dichter auswies.
Die weiteren Dramen, die er verfasste, in denen vor allem seine Meisterschaft der Charakterdarstellung zur Geltung kam, begründeten seinen Ruhm und machten ihn zu einem Klassiker der deutschen Dichtung. Wie sehr jedoch Schiller einem religiösen Denken verpflichtet blieb, zeigte sich erstmals in seinem „Don Carlos“, das eine deutlich Anspielung auf die Forderung der Reformation nach Gewissensfreiheit war. Den Gipfelpunkt bildet das Wort des Marquis Posa, das zum Schlagwort wurde: „Geben Sie Gedankefreiheit, Sire“. Obwohl das Stück mit dem Sieg des Großinquisitors endet, triumphiert in ihm die Idee der Freiheit.
Auch in dem Trauerspiel „Maria Stuart“ kommt die Religion ins Spiel. Im Kampf der rivalisierenden Königinnen um die Macht erweist sich ebenfalls die überwindende Kraft des Geistes gegenüber der weltlichen Gewalt. Verbunden mit einer glanzvollen Verskunst, ist das Stück von hinreißendem Schwung. Einen Höhepunkt seiner Gestaltungskraft erreichte Schiller mit der „Jungfrau von Orleans“. Erfüllt von ihrer göttlichen Sendung, ist sie für ihn die Verkörperung reinen Menschentums, wie es in den berühmten Versen zum Ausdruck kommt:
 
Das edle Bild der Menschheit zu verhöhnen
Im tiefsten Staube wälzte dich der Spott:
Krieg führt der Witz auf ewig mit dem Schönen,
Er glaubt nicht an den Engel und den Gott—
Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen
Und das Erhabne in den Staub zu ziehn:
Doch fürchte nicht! Es gibt noch schöne Herzen,
Die für das Hohe, Herrliche erglühn.
 
Schiller erwies sich aber auch als bedeutender Historiker. Sein Meisterwerk wurde die „Geschichte des dreißigjährigen Krieges“, die damit erstmals zur Darstellung gelangte. Ihm kam es jedoch auch auf diesem Gebiet vor allem darauf an, eine allgemein gültige Wahrheit zur Geltung zu bringen. Dieser Zug zum Universalen bezeugt als Summe seiner Erkenntnis das viel zitierte Wort: „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht“. Er sah im historischen Geschehen den Vollzug göttlichen Willens.
Mit zunehmenden Jahren bediente er sich besonders in seinen Balladen und Gedichten immer mehr eines biblischen Vokabulars. Dazu gehört auch das „ Lied von der Glocke“. Allein schon dieses symbolhafte Bild zeigt den religiösen Hintergrund auf. Die Schilderung der „züchtigen Hausfrau“ entnahm er den „Sprüchen Salomos“. Von den nachfolgenden Generationen vielfach verspottet und lächerlich gemacht, war das Gedicht eine Antwort auf die sittlichen Entgleisungen der Französischen Revolution, von der er sich bewusst distanzierte.
Wurde auch das Pathos, das Schillers Werk anhaftet, einer späteren Zeit zum Anstoß und Gegenstand der Kritik, bleibt doch seine Aussage über das Wesen der Humanität und die Bedeutung der Freiheit, die aus seinem religiösen Denken erwuchs, von überdauernder Gültigkeit und rechtfertigt anlässlich des diesjährigen Jubiläums seine Ehrung als Dichterfürsten.
 
Lieselotte von Eltz

Evangelische Superintendentur Salzburg-Tirol

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