Primus Truber

Der Vater der slowenischen Sprache (1508-1586)

Das einzige zeitgenössische Porträt von Primus Truber aus dem Jahre 1578 (Holzschnitt von Jakob Lederlein)

Primo˛ Trubar (auf Deutsch Primus Truber) wurde am 9. Juni 1508 in Ratschach an der Save (heute Rašica) südlich an Laibach (heute Lubljana) in der Familie eines Müllers geboren. Er besuchte die Lateinschule in Flaum (heute Fiume) und danach die Schule des Benediktinerklosters St. Peter in Salzburg, dessen Abt damals der Beichtvater Luthers Johannes von Staupitz war. Der Triester Bischof Peter Bonomo nahm sich darauf seiner an und schickte ihn an die Wiener Universität, wo er erste reformatorische Anfänge aber auch Verfolgung erlebte.

1530 wird er zum Priester geweiht und übernimmt das Pfarramt Lack bei Ratschach. Als Folge seiner klaren, reformatorisch ausgerichteten Predigt wird er an die St. Nikolauskirche in Laibach berufen und wirkte dort sehr erfolgreich. Vieles, was er sagte und tat, ging den Konservativen schließlich zu weit. Er wurde verhaftet, dann aber zur Auswanderung nach Siebenbürgen begnadigt. Truber entkam jedoch nach Nürnberg und nahm hier Verbindung mit Veit Dietrich, dem Führer der Reformation der Stadt auf. Auf dessen Vermittlung erhält er die Stelle eines Predigers in Rothenburg ob der Tauber. Hier gründet er seinen Hausstand.

Er heiratet Barbara Sitar, die ihm in den folgenden Jahren vier Kinder schenkte. Nach deren Tod heiratet er Anastasia. Nach 15 Ehejahren starb seine Ehefrau und er geht als 73–jähriger mit Agnes eine dritte Ehe ein. In Rothenburg verfasste er die ersten beiden slowenischen Bücher, um seinen Landsleuten die Evangelien und grundlegenden  Bekenntnisschriften in ihrer Sprache zugänglich zu machen: einen Katechismus nach Martin Luther und Johannes Brenz und ein ABC-Büchlein mit Brenz’ Kleinem Katechismus für die slowenische Jugend.

Im Winter 1553 übernimmt er die Pfarrstelle in St. Mang in Kempten und bleibt die nächsten Jahre dort. Sein Anliegen war, evangelische Flugblätter und Schriften in slowenischer Sprache zu schreiben und diese zur Verbreitung in seine ehemalige Heimat Krain zu bringen. Hilfreich erwiesen sich dabei die Bekanntschaften zu Bischof Vergerio von Capo d’Istria (Koper), Herzog Christoph von Württemberg und Hans Ungnad Freiherr von Sonnegg.

Für kurze Zeit übernimmt er die Pfarre in Urach und auch die Leitung der Uracher Druckanstalt, ehe ihn der Ruf zurück nach Laibach erreicht. Da soll er die evangelische Kirche organisieren und verfasst zu diesem Zweck eine Kirchenordnung, die auch das Schul-, Bildungs- und Sozialwesen umfasste.

Als im Jahr 1564 die österreichischen Erblande geteilt wurden und Erzherzog Karl die innerösterreichischen Länder (Kärnten, Steiermark und Krain) übernahm, wurde diese Kirchenordnung verboten und Primus Truber muss als Glaubensflüchtling Laibach verlassen.

Er übernimmt die Pfarre in Derendingen bei Tübingen, baut dort ein Haus und lebt dort noch fast 20 Jahre, stets bemüht den rechten christlichen Glauben seines geliebten slowenischen Volkes zu fördern, u.a. durch die Übersetzung des Neuen Testamentes, der Psalmen und Kirchenlieder und später der ganzen Bibel ins Slowenische, oder durch finanzielle Unterstützung slowenischer Studenten in Tübingen.

Primus Truber ist am 28. Juni 1586 in Derendingen gestorben, nicht ahnend, dass die Reformation in Slowenien nur wenige Jahre Bestand haben würde. Trotzdem gehört er zu den herausragenden Persönlichkeiten des Reformationszeitalters und wird mit Recht der Reformator Sloweniens und Vater der slowenischen Sprache genannt.

Pfarrer Peter Buchholzer

Evangelische Superintendentur Salzburg-Tirol

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