Christoph Weitmoser

Ein Salzburger Kämpfer für das Evangelium
 

Epitaph Christoph Weitmosers in der Weitmoserschen Grabkapelle Gastein

 

Eine Reihe von Salzburger Sagen verbindet sich mit den Weitmosern, deren Name gleichbedeutend war mit dem Begriff von Reichtum. Weit weniger bekannt ist jedoch die Rolle, die diese Gasteiner Familie einst in der Geschichte des Landes spielte. Die Gewerken, die im großen Stil Bergbau betrieben, waren als Unternehmer die Großindustriellen jener Zeit. Infolge ihres Reichtums und ihrer Bedeutung für das Wirtschaftsleben nahmen sie eine Sonderstellung ein. Die Landesherrn waren weitgehend aufs sie angewiesen, denn ihre Abgaben bildeten neben den Erträgnissen aus dem Salzhandel die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Alle diese Gewerken aber hatten sich im 16.Jahrhundert der Reformation angeschlossen und waren nicht bereit, davon abzugehen. Zum Unterschied von der rigorosen Behandlung der übrigen Bevölkerung im Bezug auf die Religion, wagten es jedoch die Erzbischöfe nicht, sie zu maßregeln. Selbst Wolf Dietrich, der zu Beginn seiner Herrschaft mit aller Schärfe gegen die Protestanten vorging und damit die erste Welle der Auswanderung auslöste, hatte für die Gasteiner Gewerken Ausnahmeregeln geschaffen. Sogar ein eigener Friedhof wurde für sie angelegt.

Zu den bedeutendsten Gegenspielern der erzbischöflichen Gewaltherrschaft, die unter Matthäus Lang einsetzte, gehörte Christoph Weitmoser. Er hatte auf Anregung des Johann von Staupitz, wie auch andere Söhne wohlhabender Salzburger Bürgerfamilien, in Wittenberg studiert und war ein überzeugter Anhänger Luthers. Inzwischen war der Erzbischof mit allen Mitteln gegen die protestantisch gesinnte Bürgerschaft vorgegangen und hatte sie aller ihrer Rechte beraubt. Der Unmut über sein herrisches Auftreten wurde daher immer größer. Als er einen Priester, der im lutherischen Sinne gepredigt hatte, zu lebenslanger Gefangenschaft verurteilte, der aber durch beherzte Männer befreit wurde, und der Erzbischof daraufhin die Täter ohne jede Gerichtsverhandlungen hinrichten ließ, war man nicht mehr bereit, sein Vorgehen hinzunehmen.

So kam es schließlich im ganzen Land zu einer Erhebung. Die führende Gestalt war Christoph Weitmoser. Er legte nicht nur als Vertreter der Bergherren, sondern auch der Knappen und Bauern in einem eigenen Schriftstück die Forderungen an den Erzbischof nieder. Sie bestanden in erster Linie darin, dass das reine Evangelium ungehindert verkündigt werden dürfe, aber auch in dem Verlangen nach Beseitigung sozialer Missstände. Um dem Nachdruck zu verleihen, wurden davon auch die Pfleggerichte unterrichtet und dazu aufgefordert, sich diesen Verpflichtungen anzuschließen. Damit hatte er das ganze Land hinter sich. Als Matthäus Lang das Ausmaß dieses umsichtig vorbereiteten Widerstandes erkannte, zeigte er sich zu Verhandlungen bereit. Man traute ihm jedoch nicht und bestand auf Erfüllung der niedergelegten Forderungen. Da der Erzbischof diese nicht zugestehen wollte, kam es zum offenen Aufstand.

Nach Absprache mit Christoph Weitmoser besetzten unter der Führung des Hauptmanns Kaspar Prassler Gasteiner Knappen und bewaffnete Bauernscharen die Pässe und nahmen die Festung Hohenwerfen ein. Damit war der Weg in die Residenzstadt frei. Bald darauf zogen sie in Salzburg ein, wo ihnen die Bürgerschaft bereitwillig die Tore öffnete und sie mit großem Jubel begrüßte. Angesichts dieser Ereignisse hatte sich der Erzbischof auf die Festung Hohensalzburg zurückgezogen und dort verschanzt. Sie wurde belagert, konnte jedoch nicht eingenommen werden.

 An dieser Erhebung vom Jahr 1525, die unter der Bezeichnung „Bauernaufstand“ in die Geschichte Salzburgs einging und wesentlich von religiösen Impulsen bestimmt wurde, waren jedoch keineswegs nur die Bauern beteiligt. In Wahrheit hatte dieses Aufbegehren die gesamte Bevölkerung erfasst. Die entscheidende Antriebskraft zum Handeln aber war von dem Gewerken Christoph Weitmoser ausgegangen, der damit nicht nur zum herausragenden politischen Gegner des Matthäus Lang, sondern auch zu einer der bedeutendsten Gestalten im Kampf für das Evangelium wurde.

Lieselotte von Eltz

Evangelische Superintendentur Salzburg-Tirol

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