Paul Gerhardt - der bedeutendste Kirchenlieddichter

(1607 – 1676)

 

Paul Gerhardt, dessen 400. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird, gilt als der „größte deutsche Kirchenlieddichter". Mit seinen Versen, die sie in ihrer Verbindung von Poesie und Glaube, Wort und Bild in die Nähe der biblischen Psalmen rücken, erreichte das evangelische Kirchenlied einen Höhepunkt seiner künstlerischen Entfaltung. Doch erst durch ihre Vertonung, die auf den Kantor Johann Crüger zurückgeht, entstanden jene berühmten Choräle, die bis zur Gegenwart nichts von ihrer Wirkkraft verloren haben und noch heute das Gemüt bewegen.

Paul Gerhardt wurde am 12. März 1607 als Sohn eines Gastwirtes, der auch das Amt des Bürgermeisters versah, in Gräfenhainichen in Sachsen geboren. Seine Tätigkeit als Dichter und Pfarrer der evangelischen Kirche fällt in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, dessen Verheerungen ganz Deutschland in Not und Elend stürzten. „Ihr vormals schöne Felder, mit frischer Saat bestreut, jetzt aber lauter Wälder und dürre Wüste Heid", klagte Paul Gerhardt über die damals herrschenden Zustände. Dennoch klingt in den Liedern dieses geistlichen Dichters immer wieder ein jubelnden Ton auf und die tröstliche Gewissheit einer anderen Welt, in der alles Leid und alle Not überwunden ist. Der Lobpreis Gottes wird ihm zum Antrieb für seine Dichtung und zur Bestimmung seines Lebens: „Wach auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter..." Stets von neuem erhebt er seine Stimme, um von Gottes großem Tun zu künden : „Ich singe dir mit Herz und Mund, und tu mit Freuden kund, was mir von dir bewusst...".

Paul Gerhardts Lebens vollzog sich in den vorgezeichneten Bahnen eines protestantischen Geistlichen des 17. Jahrhunderts. Nach dem Besuch der Fürstenschule in Grimma studierte er an der Universität Wittenberg Theologie und wurde dort im Geist strengen Luthertums herangebildet. Doch erst im Alter von fünfundvierzig Jahren erhielt er seine erste Pfarrstelle als Probst in Mittenwalde, einer kleinen Stadt, die unter den Einwirkungen des Kriegsgeschehens schwer gelitten hatte.

Nun war es ihm möglich, sich auch zu verheiraten und einen Hausstand zu gründen. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen jedoch vier schon in frühem Alter starben. In Mittenwalde entstand jenes wundervolle Abendlied „Nun ruhen alle Wälder", das in der deutschen Dichtung unerreicht blieb. Nach sechsjähriger Tätigkeit an diesem Ort wurde Paul Gerhardt nach Berlin berufen, wo er lange Zeit an der Nikolaikirche wirkte. In den Berliner Streit zwischen Calvinisten und Lutheranern hineingezogen, wurde er jedoch vom Kurfürsten seines Amtes enthoben. Seinem Ruhm als Liederdichter tat dies aber keinen Abbruch. Schließlich erhielte er noch einmal eine Pfarrstelle in Lübbe, wo er im Jahr 1676 starb.

Zur besonderen Eigenart seiner Liedkunst gehört die Freude an der Schönheit und Fülle der Natur als der herrlichen Schöpfung Gottes. Diese Gestimmtheit fand den schönsten Ausdruck in seinem berühmten Sommerlied „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit an deines Gottes Gaben...". Vor allem aber wurde die Sonne zu einem zentralen Motiv seiner Verse, wie in seinem bekannten und vielgesungenen Morgenchoral: "Die güldne Sonne voll Freude und Wonne bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht...". Dieser alles überstrahlende Glanz der Sonne am Firmament aber ist nur ein Abglanz der paradiesischen Herrlichkeit, die dem Menschen verheißen ist.

Zu den Höhepunkten seiner Liedkunst gehört auch „Befiehl du deine Wege", das die Lebensreise vergegenwärtigt und Tausenden von Frommen zum Weggeleit wurde. Paul Gerhardts Schöpfungen wurden aber auch zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Liedschatzes der Kirche für die Feste des Kirchenjahres. Das berühmtesten dieser Lieder ist „O Haupt voll Blut und Wunden", ein Meisterwerk der Dichtkunst, das noch heute dem Karfreitag im Gottesdienst der evangelischen Kirche seine besondere Weihe verleiht. Ungezählten Gläubigen wurde es auch zur Sterbebegleitung.

Paul Gerhardts Lieder behielten bis zur Gegenwart ihre Frische und Strahlkraft und selbst den Kirchenlieddichter einer modernen Zeit wie Jochen Klepper oder Dietrich Bonhoeffer, wurden sie in ihrer einzigartigen Verbindung von Poesie und Glaubenskraft zu einem Vorbild ihres Schaffens.

Lieselotte von Eltz

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