Schau an der schönen Gärten Zier

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Der Garten galt seit jeher als ein Abglanz göttlicher Herrlichkeit. Schon immer ging von ihm ein Zauber aus, der Sinne und Seele gefangen nahm. Im Garten nahm der uralte Traum der Menschheit von einem Reich ungetrübter Freude und immerwährender Seligkeit sichtbare Gestalt an. Stets von neuem veranlasste er die Poeten zu dichterischem Lobpreis. So heißt es in dem herzerfrischenden Sommerlied von Paul Gerhardt: „Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie dir und mir sich ausgeschmücket haben. (…) Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.“ Die Pracht des blühenden Gartens aber wurde ihm zum Spiegelbild der jenseitigen Wonne: „Freude, die Fülle und selige Stille hab ich zu warten im himmlischen Garten“.

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Schon in der Bibel kommt dem Garten besondere Bedeutung zu. Er erscheint dort als das Urbild der Schöpfung: „Gott der Herr pflanzte einen Garten Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen darein, den er gemacht hatte, und ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen, mit Früchten, gut zu essen, und den Baum des Lebens in der Mitte. Und es ging aus von Eden ein Strom, ihn zu bewässern“ (1.Mos.2,8-10). Das Leben spendende Wasser und der grünende Baum, die gleichsam das Abbild der Oase in der Wüste sind, bilden in dieser Schilderung, die älter ist als der Schöpfungsbericht, die Wesenselemente dieses Gartens. Dort befanden sich Gott, Mensch und Natur in ungetrübtem Einklang. Doch dieser paradiesische Urzustand ging verloren. Die Sehnsucht des Menschen nach seiner Wiedererlangung aber blieb und wurde zur unstillbaren Hoffnung auf Erneuerung einer Welt des Friedens und der Eintracht. So wurde aus der Urzeit die Endzeit.
 
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Auch in der Verkündigung der alttestamentlichen Propheten spielte der Garten eine maßgebliche Rolle. Nach der Sesshaftwerdung des jüdischen Volkes in Palästina war es vor allem der Weingarten, der gepflegt und gehegt wurde. Sein Gedeihen erschien als der sichtbare Erweis für den Segen Gottes. In dem eindrucksvollen „Lied vom Weinberg“ verglich der Prophet Jesaja das Volk Israel selbst mit dem von Gott gepflanzten Weingarten.
 
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Als nach der Zerstörung des Tempels von Jerusalem in der babylonischen Gefangenschaft alle Hoffnung des Volkes erloschen war, erwuchsen aus seinen Reihen Tröster, die ihm eine herrliche Zukunft verhießen und in das Bild einer neu erstehenden Gartenlandschaft kleideten: „Die Wüste wird frohlocken, die Steppen jubeln, die Einöde blühen. Es werden Wasser aus ihnen hervorgehen und Ströme im dürren Land“. An anderer Stelle heißt es: „Ich will wachsen lassen Zedern, Akazie, Myrthe und Ölbäume, ich will pflanzen Zypressen, Buchsbaum und Kiefer“.
 
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Auch in anderen Schriften des Alten Testamentes kommt die Schönheit des Gartens zur Geltung. Im Buch des Predigers veranlasst seine blühende Pracht zu wehmütiger Betrachtung über die Vergänglichkeit alles irdischen Seins. Im Hohelied hingegen spiegelt sich in seiner Schönheit die Anmut der Geliebten: „Du bist wie ein Lustgarten mit Granatäpfeln, mit Bäumen voll edler Früchte, mit Myrthen und Balsambeeten (…)“. Der Garten erfährt so in der Bibel unterschiedliche symbolhafte Bedeutung.
 
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Im Gegensatz dazu begegnet man im Neuen Testament dem Garten als einer realen Wirklichkeit, die sich mit der Passion Jesu verbindet. Es ist der Garten Gethsemane am Abhang des Ölberges, der durch das Kidrontal von der Stadt Jerusalem getrennt ist. An diesen Ort hatte sich Jesus nach seinem Mahl mit den Jüngern zum Gebet zurückgezogen. Hier fällt in seinem einsamen nächtlichen Ringen die letzte Entscheidung zum Gehorsam gegen den göttlichen Willen. Hier auch findet seine Gefangennahme statt. Unzählige Menschen haben seither diese Stätte besucht und die uralten Ölbäume mit ihren knorrigen Stämmen erwecken im ehrfürchtigen Betrachter den Eindruck, als wären sie noch stumme Zeugen des einst dort stattgefundenen Geschehens. Nicht zufällig ist auch in einer der schönsten Ostergeschichten ein Garten der Schauplatz der Begegnung der Maria Magdalena mit dem Auferstandenen.
 
Dann allerdings scheint es, als hätte das Christentum auf die alte Metapher des Gartens vergessen. Erst an der Wende zur Neuzeit wurde in der Malerei der Garten als Vergegenwärtigung eines höheren Seins wieder entdeckt. Das berühmteste Beispiel dafür ist das „Paradeisgärtlein“, das ein unbekannter oberrheinischer Meister im Jahre 1410 schuf. Hier jubeln die Vögel, hier sprießen die Kräuter, hier quillt das Wasser des ewigen Lebens. Damit begriff man den Garten erneut als einen geweihten Ort. Aber auch in der nachfolgenden Zeit wurde bei allem Wandel seiner Gestaltung im 17. und 18. Jahrhundert sein Bezug zum Transzendenten empfunden. Selbst in einer säkularisierten Welt, deren Denken nicht mehr von der Religion bestimmt wurde, blieb der Garten ein Ort der Freude und der Erquickung. Sein Blühen und Sprießen in jedem Sommer erweckt im Menschen immer noch die Ahnung von einer Urkraft, die alles Leben hervorbringt.
 
Lieselotte von Eltz-Hoffmann

Evangelische Superintendentur Salzburg-Tirol

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