Die Hoheitstitel Jesu


Rabbi, Lehrer, Meister
 
„Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen“. Das war die Botschaft, die Jesus von Nazareth den Menschen verkündete. Mit diesem Heroldsruf begann er seine öffentliche Tätigkeit. Er zog als Wanderprediger durch das jüdische Land und gewann bald eine Schar von Anhängern, Männer und Frauen, die auf seine Rede hörten und ihm nachfolgten. Es muss etwas Außergewöhnliches, Besonderes an seiner Erscheinung gewesen sein, etwas Hoheitsvolles, das von ihm ausging, und die Menschen in seinen Bann zog. Daher sprachen sie ihn mit Titeln an, die ihre Ehrfurcht vor ihm zum Ausdruck brachten wie „ Rabbi, Lehrer oder Meister“. So nannten ihn seine Anhänger, die Leute aus dem Volk, und auch die Jünger. Die Anrede Rabbi und ihre Steigerungsform Rabbuni war eine Bezeichnung, die im Spätjudentum für Schriftkundige von hohem Ansehen gebraucht wurde.

Ein Lehrer, von Gott gekommen
Bald waren auch die Pharisäer und Führer des Volkes auf ihn aufmerksam geworden, denn die Art seiner Verkündigung war ungewöhnlich und voll Eindringlichkeit. Er redete in Bildern und Gleichnissen, die im Gedächtnis haften blieben, und erzählte den Leuten beispielhafte Geschichten aus dem alltägliche Leben, die zum Nachdenken herausforderten. Er machte auch Aufsehen durch die Heilung von Kranken und nahm sich der Armen und Notleidenden an. Als Nikodemus, ein Oberster unter den Juden, eines nachts zu Jesus kam, um mit ihm ein Gespräch zu führen, redete er ihn mit Worten an, aus denen hervorgeht, dass er in ihm einen vom Gott Erwählten sah: „Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen, denn niemand kann Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm“.

Ein Prophet
Die Leute nannten ihn aber auch einen „Propheten“, weil er ihnen als ein Abgesandter Gottes erschien, der wie einst die Großen des Volkes den Menschen den Willen des Höchsten verkündete und ihnen mit bewegenden Worten das Wesen wahrere Frömmigkeit enthüllte. Jesus war für sie gleichsam der Inbegriff eines solchen Propheten. Als nach seinem Tod zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus, zutiefst erschüttert über das Geschehen in Jerusalem, dem Fremden, der sich ihnen zugesellte, begreiflich machen wollten, wer und was Jesus gewesen war, kennzeichneten sie ihn mit der Aussage: „Er war ein Prophet, mächtig von Taten und Worten vor Gott und allem Volk.“

Gottes Sohn
Nach den Berichten der Evangelien hatte sich Gott von Anbeginn bei seiner Taufe im Jordan zu ihm bekannt, als eine Stimme aus der Höhe ertönte: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“. Mit der Bezeichnung „Gottes Sohn“, die sonst bei den Juden nicht üblich war, wurde die Einzigartigkeit Jesu zum Ausdruck gebracht. Aus der Gewissheit, im Namen und Auftrag Gottes zu handeln, bezog Jesus auch die souveräne Vollmacht, Sünden zu vergeben. Damit erweckte er allerdings bei den gesetzestreuen Vertretern des Judentums Anstoß, denn Sünden vergeben konnte nur Gott.
Zu dem völlig Andersartigen seiner Verkündigung gehörte es auch, dass er Gott nicht als einen gnadenlos strafenden Richter vor Augen stellte, sondern als einen liebevollen Vater, der sich aller seiner Geschöpfe voll Güte und Erbarmen annahm. „Sehet die Lilien auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht und ernten nicht, und unser himmlischer Vater ernähret sie doch“. Der gesamten Schöpfung gehörte seine Fürsorge. Mit jedem seiner Worte und allen seinen Taten verwies Jesus auf Gott. Niemals aber setzte er sich ihm gleich. Dem Höchsten allein gebührten Ruhm und Ehre.

Der verheißene Messias, Sohn Davids
Viele seiner Zeitgenossen, darunter auch manche seiner Jünger, sahen in Jesus den verheißenen Messias, der das Reich König Davids in all seiner Herrlichkeit und seinem Glanz wieder aufrichten und das jüdische Volk aus der Knechtschaft befreien werde. Das Reich aber, das Jesus verkündete, war keine nationale oder politische Größe, sondern umfasste eine andere Dimension. Es war eine transzendente Macht. Um Missverständnisse auszuschließen, vermied es daher Jesus, sich „Messias“ oder „Sohn Davids“ nennen zulassen. Dieses Bemühen blieb allerdings vergeblich. Allzu tief war die Erwartung des kommenden Messias in der Seele des jüdischen Volkes verhaftet. Jesus aber ging unbeirrbar seinen Weg. Noch in dem Gespräch mit Pilatus, dem Vertreter einer irdischen Macht, erklärte er unmissverständlich: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“.

Der "Menschensohn"
Wie aber verstand sich Jesus selbst und seine Sendung? Wiederholt nannte er sich den „Menschensohn“. Siebzig Mal wird bei den Synoptikern und zwölf Mal bei Johannes diese Selbstbezeichnung erwähnt. Der Begriff stammte aus der jüdischen Apokalyptik und findet sich erstmals im Buch Daniel. Jesus hatte ihn aufgegriffen, weil mit dem Anbruch des Reiches Gottes, das er verkündete, die Menschheit ihrer ursprünglichen Bestimmung, dem wahren Menschentum, zugeführt werden sollte. In all diesen Hoheitstiteln, die in den Evangelien aufscheinen, wird das Faszinierende der Gestalt Jesu offenkundig, das bis zur Gegenwart nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat.

Herr und Gott
Der Tod Jesu am Kreuz hatte alle Hoffnungen seiner Jünger zunichte. gemacht. Dann aber bemächtigte sich ihrer der Glaube an seine Auferstehung und sie sahen seine Gestalt in einem neuen Licht. Am deutlichsten spiegelt sich die überwältigende Erfahrung, die ihnen zuteil wurde, in dem Wort des ungläubigen Thomas, der voll Ergriffenheit bekannte: „Mein Herr und mein Gott“. Der Gedanke der Auferstehung Jesu aber wurde zum Fundament der neuen Glaubenslehre, die durch den Apostel Paulus ihre unverwechselbare Prägung erhielt. Nun erst wurde Jesus als dem Erhöhten göttliche Verehrung zuteil.

Christus
Sein Erlösungswerk aber galt der gesamten Menschheit. Dieser universale Anspruch verdichtete sich in der Bezeichnung „Christus“. Dieser Name bedeutete, dass sich alle messianische Weissagung in ihm erfüllt hatte. Als sieghafter Überwinder aller Gewalten der Finsternis wurde er zum „Kyrios“, dem Herrn, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben war. Das Göttliche seiner Natur aber fand den erhabensten Ausdruck in dem Glaubensbekenntnis: „Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, eines Wesens mit dem Vater“.
 
Lieselotte von Eltz

 

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