Der Wandel des Christusbildes

 
Die Vorstellungen, die sich die Menschen im Verlauf von zweitausend Jahren von Christus gemacht haben, waren sehr unterschiedlich. Lange Zeit dachte man überhaupt nicht daran, den Auferstandenen darzustellen. Das hing zunächst mit dem Bildverbot des Judentums zusammen. Das Bekenntnis zu Christus drückte sich vielmehr in Symbolen aus, wie etwa dem Zeichen des Fisches, dessen griechische Bezeichnung ICHTHS die Anfangsbuchstaben der Formel bildeten: „Jesus Christus, Hyos Theou Soter – Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser“. Die Missionstätigkeit unter den Heiden stellte jedoch das Urchristentum vor neue Probleme. Den Heiden konnte die Bedeutung Jesu als Gottes Sohn nur auf bildhafte Weise nahe gebracht werden. Da Gott in Christus Mensch geworden war, musste es erlaubt sein, ihn in dieser Gestalt zu vergegenwärtigen. Dabei bediente man sich Bilder, die allen Völkern der Antike, Juden, Griechen und Römern gleicher weise vertraut war, wie das des „Guten Hirten“.
Als Kaiser Konstantin der Große das Christentum nach den Zeiten der Verfolgung zur anerkannten Religion machte, kam es zu entscheidenden Veränderungen in der Darstellung Christi. Er erschien nun als Beherrscher des Himmels und der Erde sowie als Weltenrichter. Die großartigsten dieser Darstellungen finden sich in Rom und Ravenna. Diese Art der Auffassung Christi übertrug sich dann auf die Kunst der Romanik, in der Christus unnahbar in unerreichbarer Ferne und Hoheit thront.
Im 12. Jahrhundert änderte sich jedoch das Bild der Gesellschaft. Durch das Aufkommen der Städte entwickelte sich mit dem Bürgertum ein neuer Stand. Zugleich kam es in diesen Ballungszentren zu Katastrophen, wie Bränden, Überschwemmungen, Hungersnöten und Seuchen. Nun erinnerte man sich daran, dass Christus den Menschen ein Helfer in der Not war und selbst die bittersten Qualen am Kreuz erlitten hatte. Dem entsprechend änderte sich das Christusbild. Er blickte nun auf den Menschen nieder und wurde ihnen zum Bruder und Tröster in allem Leiden. In diesem Sinn entstanden durch drei Jahrhunderte Meisterwerke der Kunst. Seit dem 19. Jahrhundert wurde jedoch das Bild Jesu immer mehr romantisiert. In moderner Zeit schließlich ging man weitgehend von der figuralen Darstellung Christi ab und begnügte sich mit dem Symbol des Kreuzes, das in seiner Aussage alles umschloss.

Lieselotte von Eltz-Hoffmann

Evangelische Superintendentur Salzburg-Tirol

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