Die liturgischen Farben

Bild: Ulrike Krausch / pixelio.de

Das Christentum hatte sich nach der sogenannten „Konstantinischen Wende“ im Verlauf von vier Jahrhunderten im ganzen Römischen Weltreich und darüber hinaus verbreitet und Anerkennung gefunden. Das führte zu nachhaltigen Veränderungen des gesamten öffentlichen Lebens. Durch die Heiligung des Sonntags entstand ein Ruhetag, der dem Gottesdienst gewidmet war.

Auch der Gottesdienst selbst hatte maßgebliche Veränderungen erfahren. Allmählich war eine Priesterschaft entstanden, die sich von den Laien abhob sowie ein bestimmtes Ritual beim Ablauf des Gottesdienstes. Damit entwickelte sich auch eine Liturgie, die den christlichen Gottesdienst kennzeichnete und allgemein als verbindlich galt. Er wurde gleichsam zu einem religiösen Schauspiel.

Papst Pius V. legte im Jahr 1570 die seit der Karolingerzeit üblichen Farben für die jeweiligen großen Feste der Christenheit wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten verbindlich fest und hat damit zu ihrer Prägung beigetragen. Dabei waren es bestimmte Farbtöne, die den Himmel und eine jenseitige Welt als Abglanz der göttlichen Herrlichkeit veranschaulichten und im Kirchenraum und in der Kleidung der Priester verwendet wurden.

Weiß ist die Farbe der Christusfeste: Weihnachten symbolisiert mit seinem hellen Glanz die Menschwerdung Gottes, Ostern die Überwindung des Todes durch den auferstandenen Christus. Pfingsten als Fest des Heiligen Geistes, von dem die Menschen wie von einem Feuer ergriffen wurden, erhielt die Farbe Rot. Rot war seit Urzeiten die Farbe des Blutes und des Lebens, aber auch die Farbe des Feuers und des Martyriums. Auch die Verbindung von Rot und Blau gewann symbolhafte Bedeutung. Violett kennzeichnet die Zeit der Vorbereitung und der Besinnung, der Einkehr und der Buße. Die Farbe soll den Gehalt und das Wesen dieser Feste hervorheben. Schwarz ist dem Tag der Trauer und des Schmerzes über das Sterben Jesu am Kreuz vorbehalten, während die übrigen Sonntage durch Grün kenntlich gemacht werden. Diese Farbigkeit des Kirchenjahres hatte prägende Kraft und erhält sich bis zu Gegenwart. Sie findet Ausdruck in den Paramenten, die am Altar und auf der Kanzel angebracht sind.

In den protestantischen Kirchen und Gottesdiensten spielten die liturgischen Farben lange Zeit keine Rolle. Ihr Schwerpunkt lag in der Verkündigung des Wortes Gottes und seiner Auslegung in der Predigt. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts fand ein Wandel statt und es wurden auch hier Paramente an Altar und Kanzel eingeführt.

Erst seit jüngster Zeit tragen auch evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer gelegentlich eine Stola (ein über die Schultern getragenes breites Stoffband) in den liturgischen Farben. Es erwies sich, dass der Wechsel der Farben den Menschen in besonderer Weise anspricht. Nicht zufällig war es der Regenbogen mit seinen vielen Farben, der seit Urzeiten als eine Brücke zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt erschien.

Lieselotte v. Eltz


Quelle: Gemeinde-leben, Salzburg Christuskirche 4/2014

 

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