Grab und Auferstehung

 Bild: Johannes Becker / pixelio.de

Der Sarkophag als Abbild der Auferstehung

Ostern ist das älteste und größte Fest der Christenheit. Schon früh wurde es von der Urgemeinde mit Gottesdienst, Gebet und Gesang feierlich begangen. Von ihm erhalten alle anderen Feste der Kirche ihren Glanz. Der Jubel, der darin schwingt, spiegelt sich gleichsam im Wiedererwachen der Natur. Deshalb wurden auch in Jerusalem die Häuser mit Blumen geschmückt. Es ist der Gedanke der Auferstehung und der Überwindung des Todes, der ihm zugrunde liegt. Von einer visionären Schau überwältigt, hatte der Apostel Paulus die Auferweckung des gekreuzigten Christus in den Mittelpunkt seiner missionarischen Verkündigung gestellt und zum Fundament des neuen Glaubens gemacht. „Ist Christus nicht auferstanden“, erklärte er im 1. Korintherbrief mit Bestimmtheit, „dann ist auch unser Glaube vergeblich“. Die Verheißung, die sich damit verbindet, begleitet seither wie ein Leitmotiv das Leben des Christen. Sie verleiht ihm auch die Kraft, im Blick auf die Erlösung allen Schmerz zu überwinden, wenn es gilt, von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen.

Die Frage nach dem Geschick der Abgeschiedenen hat die Menschheit seit jeher beschäftigt. Das kam in der Art der Bestattung zum Ausdruck. Schon in den antiken Hochkulturen entstanden monumentale Grabstätten von imposantem Ausmaß. Das bezeugen die Pyramiden, die von den Pharaonen erbaut wurden, um dort nach ihrem Ableben ihr Dasein in gewohnter Weise fortzusetzen. Bei den Römern hingegen setzte sich schon früh die Verbrennung durch. Die Asche wurde in steinernen Behältern aufbewahrt, denn die Toten sollten nicht der Vergessenheit anheim fallen. Auf diese Weise entwickelten sich im Abendland in römischer Zeit die Sarkophage, die entsprechend dem Ansehen der Toten und der Stellung, die sie im Leben eingenommen hatten, immer reichhaltiger geschmückt wurden. Girlanden, Schlachtenszenen, Jagden und Porträtdarstellungen brachten den Ruhm und die Tugenden des Verstorbenen zum Ausdruck. Während auf den ägyptischen Bildnissen niemals Empfindungen wie Freude oder Schmerz wiedergegeben werden, sind auf diesen Sarkophagen oft in bewegender Weise auch  Klage und Trauer über den Abgeschiedenen abzulesen.
 
Als das Christentum unter Kaiser Konstantin zur anerkannten Religion wurde und sich immer mehr ausbreitete, wurden in wohlhabenden Familien auch Christen in Sarkophagen bestattet. Ihre Gestaltung trug jedoch einen völlig anderen Charakter. Jeder Hinweis auf Verdienste oder Rang des Verstorbenen fehlte, denn „vor Gott gilt kein Ansehen der Person“. Das Entscheidende war vielmehr sein Bekenntnis zum Christentum, das darin auf kennzeichnende Weise zur Geltung kam. Damit nahm die christliche Kunst ihren Anfang. Schilderungen der Passionsgeschichte Jesu wurden jedoch bewusst ausgeklammert. Nur das Christusmonogramm tritt in Erscheinung. Erst seit dem 10. Jahrhundert wurde das Kreuz zum beherrschenden und allgemein gültigen Symbol des Christentums.
 
Zu den ältesten Darstellungen gehörte die Figur des „Guten Hirten“ mit dem geretteten Schaf auf der Schulter. Die Art seiner Wiedergabe im Gewand der kurzen Tunika war dem römischen Vorstellungskreis entnommen. Er gehörte zu den meist verbreiteten Sinnbildern. Allmählich wurde diese Gestalt jedoch abgelöst von der Darstellung des Propheten Jona im Bauch des Walfisches, der ihn nach drei Tagen unversehrt wieder an Land setzte. Darin drückte sich  erstmals der Gedanke der Auferstehung und der Rettung aus dem Reich des Todes aus. Eine große Anzahl dieser Jonas-Sakophage entstanden noch in vorkonstantinischer Zeit. Daneben finden sich auch Abbildungen der Wunder Jesu, die auf die Rettung des Menschen verweisen, wie die Auferweckung des Lazarus, die Hochzeit von Kana, die wunderbare Brotvermehrung oder die Heilung des Gichtbrüchigen.
 
Die künstlerische Anlehnung an die figurenreichen, bewegten Szenen der heidnischen Sarkophage wich jedoch in der nachfolgenden Zeit der Darstellung von Symbolen, wie Anker, Schiff oder Palme, die auf vereinfachte und zugleich eindringliche Weise die Botschaft des Heils vermittelten. Ihre programmatische Aussage machte den Sarkophag zum Spiegelbild christlichen Denkens. Vor allem die zweiteiligen Friessarkophage wurden mit Weinranken geschmückt, die sakrale Bedeutung hatten, aber auch mit dem immergrünen Efeublatt, das den Sieg des Lebens über den Tod versinnbildlichte. Auch das Wasser des ewigen Lebens, das sich mit der Taufe verband, spielte eine wichtige Rolle.
 
Zu einem Merkmal dieser Sarkophage wurden auch die Tiersymbole. Zu den berühmtesten gehören die beiden Tauben, die sich aus einer Wasserschale laben. Damit hatte sich das Tiersymbol aus dem biblischen Kontext gelöst und erhielt selbstständige Bedeutung. Die Taube versinnbildlichte die Seele des Menschen, die sich im himmlischen Garten ergötzt. Ein weiteres beliebtes Tiermotiv war der Pfau, dessen prächtiges Gefieder beim Radschlag die Pfauenaugen sehen ließ und damit an den Sternenhimmel erinnerte. So wurden uralte Sinnbilder übernommen und als Chiffren im Sinne des Christentums interpretiert. Das gilt auch für den Hahn, der schon bei den  heidnischen Völkern als Sonnensymbol galt, weil er mit seinem Hahnenschrei das heraufziehende Licht ankündigte.
 
Der christliche Sarkophag veranschaulichte so auf einprägsame Weise die Auferstehung der Toten, die Hoffnung der Christen auf Erlösung und den Sieg des Lebens über die Mächte der Finsternis.
 
Lieselotte von Eltz

Evangelische Superintendentur Salzburg-Tirol

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