"Wir brauchen unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen"

 Bild: Uschmann, epd


Gerhild Herrgesell: die neue Oberkirchenrätin

Im Dezember wurde Gerhild Herrgesell in ihr Amt als Oberkirchenrätin für Kirchenentwicklung eingeführt. Es ist vieles, was sich mit dem Wort „Entwicklung“ assoziieren lässt, „der Begriff hat unterschiedliche Nuancen“, so Bischof Bünker anlässlich der Amtseinführung. Und eben diese vielfältigen Aspekte sind es, die Herrgesell an ihrer Arbeit faszinieren: Zum einen gibt es viele großartige Ideen, zum anderen ebenso viele brachliegende Ressourcen. 
„Vorerst reisen wir noch durch unsere Diözesen und informieren uns über den Status quo“, berichtet Herrgesell. Aus den solcherart gewonnenen Informationen werden schließlich Projekte, deren Relevanz für die Gesamtkirche von Nutzen ist, erarbeitet und gesteuert. Gute Ideen und Ansätze werden vernetzt und anderen zugänglich gemacht. Zugleich sollen Gemeinden ermutigt werden, eigene Konzepte zu realisieren. 
„Die Kirche der Zukunft kann nur eine solidarische sein, in der Menschen aufeinander hören, miteinander leben und anderen abgeben von dem, was sie haben“, so Herrgesell, „wir dürfen als Kirche stolz sein auf unser Wissen, unsere Ideen und Projekte. Wir brauchen unser Licht nicht  unter den Scheffel zu stellen.“ 
Herrgesell orientiert sich auch an ausländischen Modellen: etwa der „fresh expression“ der Anglikanischen Kirche oder ähnlichen Projekten in der Schweiz. Die einst  berühmte Nüchternheit der Protestanten werde heute häufig nicht mehr so positiv bewertet, man sehnt sich wieder nach Ritualen, bzw. werden „events“ – um ein Modewort zu nennen – erwartet, eine Lücke, die Esoterik-Anbieter nur zu gerne füllen. Die Evangelische Kirche in Deutschland arbeitet bereits an der Entwicklung von entsprechenden Strategien, wie sie auch bei uns nötig sein werden, parallel zu einer zeitgemäßen Nutzung neuer Medien. 
Doch nicht nur damit ist Herrgesell befasst, mit dem Amt der Kirchenentwicklung sind noch andere Zuständigkeiten verknüpft: Evangelische Jugend, Burg Finstergrün, Kirchenmusik, Wirtschaft im Dienst des Lebens, Hochschulgemeinden, internationale Kooperationen sowie die Internationalen Gemeinden. 
Stichwort international: hier steht ihr mit der ebenfalls aus Graz stammenden Andrea Sölkner eine profunde Expertin als Kirchenrätin zur Seite: die studierte Juristin war lange Jahre für das UNHCR tätig. Gerhild Herrgesells ganz besonderen Interessensgebiete sind die europäische Bildungspolitik, Modelle von Kirchenentwicklung und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft, diakonische Ansätze der Religionsgemeinschaften, Ökumene und interreligiöser Dialog. 
Kann es denn hier noch Platz für Persönliches geben, für familiäre Freiräume? Warum nicht? Die mittlerweile dreifache Oma findet ihren Ausgleich beim Sport, auf Reisen, bei Literatur und Musik – am besten al les kombiniert. Ist eben nur eine Frage der Organisation. 
Gerhild Herrgesell, geb. 1959 in Bruck/Mur, aufgewachsen in einer extremen evangelischen Diaspora-Situation der PG Gleisdorf/ Oststeiermark. Familie: seit 1980 mit Heike Herrgesell verheiratet, drei Kinder, drei Enkelkinder. Ausbildung: BAKIPÄD in Graz, ERPA, vielfältige  Weiterbildungen, besonders im Bereich Schulmanagement und in verschiedenen Richtungen der Pädagogik, sowie in politischer Bildung und Holocaust Education, Masterstudium Angewandte Ethik an der KF Universität in Graz. Tätigkeiten: Religionsunterricht an Pflichtschulen sowie an der Evangelischen Religionspädagogischen Akademie in Wien, daneben Fachinspektorin für  Evangelischen Religionsunterricht. In der evangelischen Kirche: Presbyterin an der Grazer Heilandskirche, Lektorin, Beauftragte für Sekten-und Weltanschauungsfragen in der Steiermark, Landeskuratorin. Seit 2013 Oberkirchenrätin.
Liselotte Gypse
Aus: evangelisch leben, Gemeindebrief der Matthäuskirche Salzburg-West, 2/2014

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