Sybilla, die Protestantin im Hause Fugger


Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jakob_Fugger_und_Sybille_Artzt.JPG

 

Zur Zeit der Reformation stand die Stadt Augsburg mehrmals im Mittelpunkt der protestantischen Welt wegen der dort abgehaltenen Reichstage. Hier hatte Melanchthon dem Kaiser die »Confessio Augustana« überreicht und hier war auch der »Augsburger Religionsfriede« geschlossen worden. Augsburg war aber auch der Sitz des Handelshauses der Familie Fugger, die mit ihrem Reichtum immer wieder das Weltgeschehen der damaligen Zeit beeinflußte. Ohne ihre Bestechungsgelder wäre Karl V. niemals zum Kaiser gewählt worden. Sie hatten aber auch beim Ablasshandel ihre Hände im Spiel und stellten den Habsburgern die Mittel zur Verfügung, damit diese als Vorkämpfer des Katholizismus auftreten konnten.

Wenig bekannt ist aber, dass sich auch Angehörige der Familie Fugger der Reformation zugewandt hatten und sich so gegen die Familieninteressen stellten. Die bemerkenswerteste Gestalt war Sybilla Fugger. Mit erstaunlichem Mut hat sie es gewagt, sich der Linie dieser Familie zu widersetzen. Sie entstammte einem der angesehensten Geschlechter der Reichsstadt und wurde mit achtzehn Jahren mit Jakob Fugger, der später den Beinamen »der Reiche« erhielt, verheiratet. Die Hochzeit fand im Jahr 1480 statt. Das Paar wurde zu diesem Anlass von einem bekannten Augsburger Maler gemalt. Jakob Fugger war zwanzig Jahre älter als seine Frau, die er offensichtlich aus Vernunftgründen und in der Hoffnung auf einen Erben geheiratet hatte. Jakob Fugger stattete seine Frau »fürstlich mit Juwelen, Gold und Edelsteinen« aus. Dass es für seine junge Frau wichtigere Dinge gab als Reichtümer, dafür hatte er wenig Verständnis. Außerdem blieb die Ehe kinderlos. So kam es immer wieder zu Zwistigkeiten zwischen den Eheleuten und daher ging Sybilla immer mehr ihre eigenen Wege. Inzwischen hatte das Handelshaus aber unter der Leitung Jakobs Weltgeltung erlangt. Mit dem Geld der Fugger wurden Machtkämpfe unter den Großen ausgetragen. So lernte Sybilla Kaiser, Könige und Fürsten, aber auch geistliche Würdenträger kennen, die im Palais der Fugger aus und ein gingen.

Auch der päpstliche Abgesandte Kardinal Cajetan, der den Auftrag hatte, Luther nach dem Thesenanschlag zu verhören und ihn zum Widerruf zu zwingen, wohnte bei den Fuggern. Sicher hat sie auch Luther selbst gesehen und sicher hat sie auch seine Aufsehen erregenden Schriften gelesen. »Von der Freiheit eines Christenmenschen« – diese Schrift eröffnete ihr einen neuen Zugang zum Evangelium. Das erweckte natürlich den Unmut ihres Gatten – seine eigene Frau eine Anhängerin Luthers! Das ging doch gegen seine Geschäftsinteressen! Inzwischen hatte aber die Reformation so einen Aufschwung genommen und immer mehr Stimmen wurden laut gegen die Machenschaften der Fugger. Um diesen Stimmen entgegenzutreten, entschloss sich Jakob Fugger, der Welt ein Beispiel christlicher Nächstenliebe zu geben: Es kam zur Gründung der berühmten »Fuggerei«.

Das war und ist heute immer noch eine Siedlung für notleidende und verarmte Augsburger Bürger, die hier kostenlos wohnen konnten und verpflegt wurden.

Auf einem dieser Häuser befand sich ein Fresko, das Sybilla und ihren Gatten als Stifter dieser Siedlung darstellte. Dieses Fresko wurde leider im zweiten Weltkrieg zerstört.

Ganz selbstlos war dieses Geschenk an die Armen aber nicht, denn die Bewohner dieser Armenhäuser waren verpflichtet, eine bestimmte Anzahl von Gebeten für Jakob Fugger zu beten, um damit seine Sünden abzutragen. Sybilla hatte inzwischen einen ganzen Kreis von protestantischen Freunden um sich gesammelt. Unter ihnen war auch der angesehene Patrizier Konrad Rehlinger, der sie in ihrem Denken sehr bestärkte. 1525 starb Jakob Fugger und hinterließ seiner Frau ein großes Vermögen. Das sollte ihr aber nur gehören, wenn sie Witwe bliebe. Doch schon sieben Wochen nach seinem Tode verzichtete Sybilla auf das gesamte Erbe und verließ das Haus der Fugger. Sie bekannte sich nun öffentlich zum Protestantismus und heiratete Konrad Rehlinger. Daraufhin brach die Familie Fugger jede Beziehung zu ihr ab. Sybilla aber stand mutig zu ihrem Glauben.

Lieselotte von Eltz-Hoffmann, Salzburg

 

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