Liebe in Zeiten der Reformation

Ein Beitrag von Pfarrer Michael Welther, Salzburg Matthäuskirche


Liebe im Mittelalter

„Minne“ nannten es die Menschen des Mittelalters. Walther von der Vogelweide besang dieses große Thema in seiner Dichtung. Doch so romantisch die auch anmutet, im echten Leben stellten sich zwischenmenschliche Beziehungen meist ganz anders dar. Liebe und Zuneigung spielten oft eine untergeordnete Rolle. Für die Kirche zählten nur die Gottesliebe und die Nächstenliebe als wahre Liebe. Nur sie konnten zum Heil und zur Erlösung führen. Körperliche Liebe war mit Sünde behaftet. Ihr einziger Zweck war die Zeugung von Kindern. Sie konnte nur streng geregelt und höchstens in der Ehe vollzogen werden. Außereheliche Liebesbeziehungen wurden sittlich gebrandmarkt, gesetzlich geregelt und zum Teil mit drakonischen Strafen sanktioniert.

Sexualität und Fegefeuer

Unter Berufung auf den Apostel Paulus und den Kirchenvater Augustinus wurden der Verzicht auf Sex und die Jungfräulichkeit als höchstes Ideal dargestellt. Die Kirche sah in der Sexualität die Folge der verlorenen paradiesischen Unschuld und des biblischen Zeugungsgebots. Die fleischliche Begierde galt als Anreiz zum Beischlaf und wurde lediglich zum Zweck menschlicher Fortpflanzung gut geheißen. Wer der Begierde erlag, hatte mit besonders harten Strafen im Fegefeuer zu rechnen. Allerdings wurden
Bordelle auch von der Geistlichkeit als das kleinere Übel toleriert.

Luther und die Liebe

Martin Luther ist mit diesem Liebesverständnis aufgewachsen. Die Liebe seiner Eltern erfuhr er oft gepaart mit drakonischen Strafen. Besonders angewidert war er aber vom lasterhaften Leben der Geistlichen, die doch Keuschheit geschworen hatten. Sie predigten Moral, besuchten aber Bordelle, lebten offen mit Konkubinen und zeugten Kinder. Deshalb riet er Mönchen und Nonnen, in den Stand der Ehe zu treten. Als im Zuge des Bauernaufstandes von 1525 einige Nonnen aus dem Kloster Nimbschen flüchteten und bei Luther in Wittenberg Zuflucht suchten, arrangierte er für die Frauen Ehen mit Freunden und Professoren. So brachte er alle „unter die Haube“ – bis auf eine. Für Katharina von Bora – eine sehr willensstarke und durchsetzungsfähige Frau findet sich keiner. Da bleibt Luther nichts Anderes übrig, als sie selbst zu heiraten. Mit Katharina von Bora lernt Luther die Liebe von ihrer schönsten Seite kennen, als Ehemann aber auch als Vater. Durch seine Heirat „legalisiert“ er die Liebe auch für Pfarrer. Seine Ehe wird zum nachahmungswerten Vorbild, nicht nur für das evangelische Pfarrhaus.


 

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