Frauen der Reformationszeit

In der Reformationszeit ändert sich das Ehe- und damit auch das Frauenbild. Frauen haben als selbständige Persönlichkeiten wichtige Rollen gespielt. Die bekanntesten von ihnen möchten wir Ihnen vorstellen.

Katharina von Bora (1499-1552)


Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Katharina-v-Bora-1526.jpg

Katharina war eine Tochter aus verarmtem Landadel. Nach dem frühen Tod der Mutter kam sie zunächst in eine Klosterschule und mit neun Jahren in das Zisterzienserinnenkloster Mariathron in Nimbschen bei Grimma (25 km südöstlich von Leipzig), wo ihre Tante Äbtissin war. Sie lernte dort Lesen, Schreiben, Singen, etwas Latein, Grundlagen der Landwirtschaft und Kräuterkunde. Zum frühest möglichen Zeitpunkt, mit 16 Jahren (1515) , legte sie ihre Gelübde ab, die ihren Lebensweg vorzugeben schienen. Martin Luther, der ja selbst das Klosterleben in strengster Askese bis zur Erschöpfung praktiziert hatte („Sollte je ein Mensch durch Möncherei in den Himmel kommen, so wäre ich auch hinein gekommen!“), verkündete nun neue Wertmaßstäbe: 

• Man kann Gott überall dienen.
• Kein Mensch kann sich durch irgendwelche Praktiken Gottes Gnade verdienen.
• Gottes erster Auftrag an die Menschen lautet: Seid fruchtbar und mehret euch.

Katharina las mit ihren Ordensschwestern einige Schriften Luthers. Darauf reifte der Gedanke zur Flucht aus dem Kloster. Sie bat Luther um Hilfe. Am Karsamstag 1523 verließen zwölf Nonnen heimlich das Kloster, drei fanden Aufnahme bei ihren Eltern, neun wurden in einem Versorgungswagen, hinter Heringsfässern versteckt, nach Wittenberg gebracht. Luther musste sie versorgen und ihnen Ehemänner vermitteln, wobei er auch erfolgreich war. Nur Katharina blieb übrig. Als man ihr Vorwürfe machte, sie könne nicht ledig bleiben, nur, weil sie den einen, den sie gewollt habe, nicht bekommen habe, soll sie geantwortet haben, den Doktor Luther würde sie schon nehmen. Luther war verblüfft, nahm aber den „Heiratsantrag“ etwas besorgt an. Katharina galt als stolz und eigensinnig. Von großer Liebe war keine Rede. Später allerdings sagte Luther einmal, er würde seine Käthe für kein Königreich hergeben. Im Juni 1525 heirateten sie. Luthers Gegner brachten anlässlich der Hochzeit zotige Flugschriften heraus über den Mönch und die entlaufene Nonne.

Katharina brachte erst einmal Ordnung in Luthers Junggesellenhaushalt im ehemaligen Augustinerkloster. Sie übernahm bald das Regiment über Haus und Hof, Ställe und Zimmer, Bankkonto und Schuldentilgung. Sie trieb Landwirtschaft und Viehzucht, braute ein eigenes, von Luther sehr geliebtes Bier, und legte sogar einen Wein-und Hopfengarten an. Luther nannte seine Frau wegen ihrer Tüchtigkeit scherzhaft „mein Herr Käthe“. Das Ehepaar Luther bekam sechs Kinder. Im Haus lebten aber noch elf Kinder aus der verarmten oder verwitweten Verwandtschaft, dazu Knechte und Mägde, Gäste und Studenten.Bald war jedes Zimmer im Kloster bewohnt. Beim Essen kamen oft 40 Leute zusammen. Luther selbst hatte nie Geld, verteilte seine Einkünfte großzügig an Hilfesuchende. Katharina organisierte, trieb das Geld von den Kostgängern ein und hielt ihrem Mann den Rücken frei für seine Arbeit, mischte sich aber nicht in theologische Diskussionen ein.  Entgegen dem damaligen Recht setzte Luther seine Frau zur Alleinerbin ein. Nach Luthers Tod (1546) gelang es zunächst, ihr das Erbe zu erhalten. Doch Krieg und Pest zwangen sie mehrfach, mit den Kindern Wittenberg zu verlassen. Auch das Kloster musste sie verkaufen. Als sie 1552 wider einmal vor der Pest nach Torgau floh, hatte sie einen Unfall: Die Pferde scheuten, Katharina sprang vom Wagen, fiel in einen Graben und zog sich eine Lähmung und Erkältung zu, was schließlich zum Tod führte. Sie ist in der Marienkirche zu Torgau begraben. Für einige Zeitgenossen war Katharina die „Xanthippe der Reformation“, für andere die Seele im Hause Luthers, das zum Vorbild für Generationen von evangelischen Pfarrhäusern wurde.


Argula von Grumbach (1492-1554)


Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Argula_von_Grumbach.jpg

Argula von Grumbach steht exemplarisch für viele andere Frauen der Reformationszeit, die sich durch große Bibelkenntnis und mutigen Einsatz für reformatorische Gedanken auszeichneten. Sie beschäftigte sich intensiv mit der neuen Glaubenslehre aus Wittenberg und stand im Briefwechsel mit Luther und anderen Reformatoren. Ihr Ehemann dagegen stand als gut bezahlter Statthalter von Dietfurt im Dienst der bairischen Herzöge und blieb bis zu seinem Tod 1529 überzeugter Katholik. Schon 1522 erließen die bairischen Herzöge eine scharfe Verordnung gegen reformatorisches Gedankengut. Schon das Diskutieren über Luthers Schriften wurde unter Strafe gestellt. Trotzdem mischte Argula sich ein Jahr später öffentlich mit einer Flugschrift in einen Lehrprozess gegen den  18-jährigen Theologen Arsacius Seehofer ein, der von den Gelehrten der Universität Ingolstadt gezwungen worden war, seine reformatorischen Thesen zu widerrufen und anschließend ins Kloster Ettal verbannt wurde. 

Sie argumentiert mit der Bibel: „Ich finde an keinem Ort der Bibel, dass Christus noch seine Apostel oder Propheten jemand eingekerkert, gebrannt noch gemordet haben oder das Land verboten.“ Selbstbewusst fordert sie die Gelehrten der Universität auf, ihr die Thesen Seehofers mitzuteilen. Dann wolle sie nach Ingolstadt kommen, „um in Gegenwart unser dreier Fürsten und der ganzen Gemeinde mit Euch zu reden.“ Ihre Flugschrift erlebte in zwei Monaten 13 Auflagen. Zugleich mit diesem Brief schreibt Argula einen Brief an den Landesherren Wilhelm IV. von Baiern, den sie aus Kindertagen kannte. Christen sollten der Obrigkeit gehorchen, sogar einer bösen, schreibt sie, aber die Obrigkeit müsse die Grenzen achten, die ihr durch die Heilige Schrift gesetzt seien. Sie sei nicht befugt, das Wort Gottes zu verbieten. „Richtet Ihr selber, ob es vor Gott recht ist, dass wir Euch mehr gehorchen als Gott“, schreibt sie. Ihr Mann wird darauf aus dem Dienst entlassen, weil er sie nicht an ihren Aktivitäten gehindert hat. Die bayrische lutherische Landeskirche hat eine Stiftung nach Argula von Grumbach benannt. Ziel dieser Stiftung ist es, die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Landeskirche zu fördern.


Elisabeth Cruciger (ca. 1500-1535)


Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herr_Christ,_der_einig_Gottssohn_(1545).jpg

Elisabeth Cruciger wurde um 1500 im Grenzgebiet zwischen Polen und Pommern als Elisabeth von Meseritz geboren. Sie war Nonne im Kloster Marienbusch bei Treptow, heiratete 1524 den Wittenberger Reformator und Gelehrten Caspar Cruciger. Sie waren befreundet mit dem Ehepaar Luther. Sie war die erste Dichterin des Protestantismus und schrieb Kirchenlieder und Psalmen. Im Evangelischen Kirchengesangbuch steht unter Nummer 67 ihr Lied: Herr Christ, der einig Gotts Sohn, Vaters in Ewigkeit…


Katharina Zell (1497-1562)

Gemeinsam mit ihrem Mann Matthäus Zell setzte sie sich für die Reformation in Straßburg ein. Sie veröffentlichte eigene Schriften, predigte bei Trauerfeiern, gab 1534 eine Liedersammlung heraus, legte Psalmen und das Vater Unser aus, kümmerte sich um Glaubensflüchtlinge in Straßburg und schrieb ein Trostbuch für deren Ehefrauen. Sie verfasste Anregungen für ein städtisches Sozialgefüge und ein Diakonen-Amt für Frauen. 


Der Einfluss der Frauen
Diese und viele andere Frauen aus dem Adel und dem Bürgertum fühlten sich berufen, durch die neuen Möglichkeiten des Buchdrucks und der Flugschriften aktiv mit eigenen Publikationen in die Auseinandersetzungen der Reformationszeit einzugreifen und die untergeordnete Rolle der Frau zu bekämpfen, ohne männliche Autoritäten um Rat zu fragen. Argumente der Bibel wurden zur Richtschnur in der theologischen Auseinandersetzung, auch, was die Stellung der Frau betrifft.


Zusammenfassung nach Elfriede Hofer, Wien
Text: Christel Hof

Quelle: DIE BRÜCKE, EVANGELISCH IN INNSBRUCK UND UMGEBUNG, Nummer 60, Dezember 2015.
www.innsbruck-christuskirche.at

 

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