Profil der evangelischen Kirche

Unser Name
Das ist  eine gute Nachricht: Gott ist derjenige, auf den wir vertrauen dürfen und können, weil er sich uns in Jesus Christus vertraut gemacht hat. Nichts anderes ist nötig als dieses Vertrauen, damit wir mit Gott zusammenleben können – und er mit uns.

„Evangelium“ (griech.) heißt „gute Nachricht“. Um diese „gute Nachricht“ geht es den Evangelischen, seit sie von den Reformatoren des 16. Jahrhunderts aus der Bibel wieder entdeckt worden ist. Martin Luther in Deutschland oder Huldrych Zwingli und Johannes Calvin in der Schweiz sind also nicht die Gründer der evangelischen Kirchen, sondern Theologen, die sich bemüht haben, das Evangelium wieder hörbar zu machen und zu befreien von all den Überlagerungen durch die Tradition. Evangelische verstehen sich als Teil der Geschichte des ganzen Christentums von den Anfängen bis heute.

Die evangelischen Kirchen sind Landeskirchen, also in jedem Land selbständig. Auf weltweiter Ebene sind sie durch Bünde miteinander in Gemeinschaft (Lutherischer Weltbund und Reformierter Weltbund), die Konferenzen abhalten und dabei  Empfehlungen oder Erklärungen abgeben. In Europa ist die „Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE) mit 105 Mitgliedskirchen aus lutherischen, reformierten, unierten, methodistischen und waldensischen Kirchen von großer Bedeutung. Ein gemeinsames Kirchenoberhaupt, dem eine letzte Autorität in kirchenrechtlichen oder theologischen Fragen zukäme, lehnen wir aber ab. Diese Stellung eines „Lehramtes“ kann für uns nur Christus selbst innehaben.

Charakteristika der evangelischen Kirche - Typisch evangelisch

Die Bibel – Grundlage des Glaubens. Maßstab des Gewissens. Korrektiv für die Kirche.
Sonntag – Raum für ein anderes Leben.
Pfarrerinnen, Superintendentinnen, Bischöfinnen – Frauen sind gleichberechtigt.
Synoden – Wir beschließen selbst, was in unserer Kirche zu geschehen hat.
Allgemeines Priestertum – Mündiges Christsein in der Welt. Alle haben gleiche Rechte und Pflichten.
Demokratie – Kirchliche Ämter und Gremien werden durch Wahlen besetzt.
Bildung und Schulen – Wir erziehen zu Freiheit und Verantwortung. Vernunft und Glaube gehören zusammen.
Diakonie und Flüchtingsdienst – Soziale Dienste für alte Menschen, Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche, Menschen in Notsituationen, für Minderheiten, Verfolgte und Flüchtlinge.

Unsere Stärken und Schwächen, unsere Freuden und Leiden
In Österreich sind rund 340.000 Menschen evangelisch. In Salzburg gehören etwa 30.000 Menschen zur evangelischen Kirche. Wir sind also eine Minderheit mit allen Vor- und Nachteilen, die das Leben einer Minderheit mit sich bringt: Kleinere überschaubare und heimelige Gemeinschaften einerseits - und Vereinzelung mit sehr wenig Kontakt zur Kirche mancherorts andererseits; Mut haben, unbequeme Standpunkte zu vertreten ohne immer darauf Rücksicht nehmen zu müssen, ob solche Meinungen auch erwünscht sind einerseits – und im öffentlichen Bewusstsein oder den Medien kaum wahrgenommen werden andererseits; für unsere „liberale“ Kirche oft beneidet werden einerseits – aber dann doch wenig Bereitschaft, sich dem Minderheit-Sein wirklich auszusetzen.

Unser Platz in der Ökumene
„Das Christentum hat nur Zukunft, wenn ökumenische Offenheit mit klaren konfessionellen Schwerpunkten und geschwisterlicher Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen gelebt wird. … Als Menschen, die unpartnerschaftlich um die Vorherrschaft streiten, die einander die Wahrheit absprechen, … geben wir ein erbärmliches Schauspiel und werden untergehen im religiösen Supermarktangebot.
Ökumene kann nirgends eine Rückkehr aller in den Schoß der Römisch Katholischen Kirche sein, das muss klar werden, wenn wir hinausschauen in eine Welt, in der es einen bunten Fleckerlteppich der Konfessionen gibt. Als solcherart Versöhnte sollten wir uns dem interreligiösen Gespräch stellen.“ (Superintendentin Mag. Luise Müller anlässlich der Amtseinführung von Erzbischof Dr. Alois Kothgasser am 19.01.2003 im Salzburger Dom)

Zwei Aspekte der ökumenischen Erfahrungen scheinen mir besonders wichtig: das gemeinsame soziale Handeln der Kirchen (z.B. Sozialwort) und das Lernen im gemeinsamen Feiern. Die evangelische Kirche wird oft als „Kirche des Wortes“ bezeichnet. Es gehört meines Erachtens zu den Auswirkungen des ökumenischen Lernens, dass wir Evangelischen die sinnliche Dimension des Gottesdienstes wieder entdecken: Bilder, Düfte, Kerzen, Musik, Salbung, Segnung, Tanz, Stille – das alles sind spirituelle Ausdrucksmöglichkeiten, die heute auch in evangelischen Gottesdiensten gewagt werden.

Pfarrer Mag. Peter Pröglhöf, Fachinspektor für evangelische Religion


Ein Beitrag aus "Ökumenische Informationen Salzburg", Jänner 2007, Nr.22


 

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