Profil der altkatholischen Kirche

Der Name „altkatholisch"
Die Entstehung der Altkatholischen Kirche geht zurück in das Jahr 1870, als beim 1. Vatikanischen Konzil in Rom die Lehren von der Unfehlbarkeit (Infallibilität) und der Allgewalt des Papstes beschlossen wurden (Jurisdiktionsprimat).

Jene Katholiken, die aus Glaubensgründen diese Dogmen nicht annahmen, weil sie sie als „neue" Lehren verstanden, nannten sich „altkatholisch" und bekannten sich zum Glauben der ungeteilten Kirche der ersten Jahrhunderte. Von der katholischen Kirche wurden sie ausgeschlossen (exkommuniziert) und gründeten notgedrungen altkatholische Ortskirchen. Heute gibt es in den Niederlanden, der Schweiz, Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien altkatholische Kirchen.

Die altkatholische Kirche ist bischöflich-synodal. Sie wird von einem Bischof und dem ihm zur Seite gestellten Synodalrat geleitet und zeichnet sich durch das Zusammenwirken von Bischof, Geistlichen und Laien aus. Die Versammlung aller Erwachsenen der Gemeinde wählt den Pfarrer und einen Gemeindevorstand, ebenso die Abgeordneten zur Synode. Die Synode wählt den Bischof und den Synodalrat, der zusammen mit dem Bischof zwischen den Synoden die Kirche leitet. Synodalität ist nicht gleichzusetzen mit demokratischer Mehrheitsentscheidung. Synodalität beschreibt den gemeinsamen Weg aller Gläubigen, um Entscheidungen zu finden.

Die altkatholische Kirche versteht sich als vollgültige Verwirklichung der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche der ersten Jahrhunderte. Es ist für uns charakteristisch, dass wir katholisch sind. Das zeigt sich in der Feier unseres Gottesdienstes, im Eucharistieverständnis, in unserem Weiheverständnis mit dem dreifachen Amt Bischof –Priester – Diakon und in unserem Verständnis Kirche zu sein. Dass die Altkatholiken die Unfehlbarkeit und die Allgewalt des Papstes ablehnen ist der Ausgangspunkt, aber nicht das Wesen unserer Kirche. In Solidarität mit den Menschen hat unsere Kirche spontan und in großer innerer Freiheit auf Sehnsüchte geantwortet, z.B. mit der Aufhebung des Zölibatzwangs, der Möglichkeit einer zweiten kirchlichen Trauung, der Öffnung des kirchlichen Amtes für die Frauen und der Segnung gleichgeschlechtlich liebender Menschen.

Wir sind eine gastfreundliche Kirche. Das zeigt sich, dass wir uns nicht berechtigt sehen, Getaufte von der Gemeinschaft des Abendmahls auszuschließen.

Alle Entscheidungen in unserer Kirche werden von unten nach oben getroffen. Wenn dies auch langwierige und anstrengende Prozesse verursacht, nehmen wir diese doch gerne mit in Kauf. Nach Mehrheitsentscheidungen respektieren wir die Meinungen von Minderheiten. So wurde z.B. nach der Einführung der Priesterweihe von Frauen einer Gemeinde, die diese Entscheidung nicht mittragen konnte, versichert, dass ihr keine Frau zur Gottesdienstvertretung geschickt wird.

Als Minderheitenkirche erfahren wir auch unsere Grenzen. Die kleinen, aber flächenmäßig weiten Gemeindegebiete sind pastoral schwer zu versorgen. Finanzielle Mittel sind noch spürbarer begrenzt als in den Großkirchen. Politik und Öffentlichkeit nehmen uns nur selten wahr. Auch eine unvollständige Infrastruktur, so z.B. das Fehlen eines organisierten Diakonieverbandes oder eines religionspädagogischen Institutes, erschwert ein vernetztes Arbeiten der Gemeinden.

Kleinheit und Überschaubarkeit sind als ein Segen zu verstehen: in den 135 Jahren unserer Geschichte konnte eine Menge Entscheidungen für den Menschen getroffen werden. Dennoch ist das breite Spektrum der Charismen nicht in jeder Gemeinde selbstverständlich anzutreffen. Und es ist mit hohen Anstrengungen verbunden, die Grundpfeiler kirchlichen Lebens, Diakonie, Liturgie und Zeugnis des Glaubens, optimal umzusetzen.

Ein Teil unserer Mitglieder ist mit Verletzungen und Enttäuschungen aus der römisch-katholischen Kirche zu uns gekommen. Das schafft immer eine gewisse Spannung zur Herkunftskirche, von der sich diese Menschen abgrenzen möchten.

Unser Ziel ist die sichtbare Einheit aller christlichen Kirchen. Das ökumenische Engagement gehörte von Anfang an zu den unverzichtbaren Merkmalen unserer Kirche. Wir zählen zu den Mitbegründern des Ökumenischen Rates der Kirchen seit 1931. Die Unionsverhandlungen mit der orthodoxen Kirche sind abgeschlossen, ruhen aber zurzeit. Mit den evangelischen Kirchen in Österreich wurde in der Mitte der 80er Jahre eine Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zum Abendmahl getroffen. Mit der philippinischen, rom-unabhängigen Kirche stehen wir in voller Kirchengemeinschaft. Zurzeit findet ein internationaler Dialog mit der römisch-katholischen Kirche statt.

 Wir arbeiten in allen ökumenischen Gremien auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene mit. Wir bemühen uns auch, im Rahmen unserer Möglichkeiten mit einzelnen Gemeinden verschiedener Kirchen Basisökumene zu betreiben.

 Da die Forderungen der so genannten „Kirchenvolksbegehren" in unserer Kirche verwirklicht sind, sind wir für unsere Herkunftskirche sicherlich so etwas wie ein „Pilotprojekt" für zukünftige Veränderungen.

Was können wir von anderen Kirchen lernen?

Der Austausch auf theologischer Ebene, die Rezeption ökumenischer Dokumente und das gemeinsame Gestalten von ökumenischen Liturgien prägt auch unser kirchliches Leben. Unser Gottesdienst wurde besonders durch die Gesänge aus Taizé bereichert, auch Elemente und Gesänge aus der orthodoxen Liturgie haben das Gesicht unserer Gottesdienste verändert. Die Liebe zur Heiligen Schrift und die Auseinandersetzung mit ihr haben wir von der evangelischen Kirche gerne angenommen. Natürlich sind unsere Spiritualität und unser Gottesdienst von unserer römisch-katholischen Herkunftskirche am stärksten beeinflusst. 

Generalvikar Mag. Martin Eisenbraun

 


Ein Beitrag aus "Ökumenische Informationen Salzburg", Jänner 2007, Nr.22

 

 

 

 

Unser Platz in der Ökumene

Was können wir in die Ökumene als gelebte Gemeinschaft der Kirchen einbringen?

 

Unsere Freuden und Leiden

 

Unsere Schwächen

 

Unsere Stärken

 

Was kennzeichnet uns – Charakteristika unserer Kirche

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