Profil der evangelisch-methodistischen Kirche

Warum der Name „Evangelisch-methodistische Kirche“?

Die Evangelisch-methodistische Kirche war lange Zeit unter dem Namen „Methodistenkirche“ bekannt, mit dem sie 1951 in Österreich staatliche Anerkennung fand. Der Name „Methodisten“ war ursprünglich ein Spottname, der einer Gruppe von Studenten in Oxford galt, die sich um 1725 um die Person von John Wesley (1703-1791) bildete. Da die Studenten besonders fromm zu sein versuchten, gemeinsam in der Bibel lasen und regelmäßig am Abendmahl teilnahmen, trugen sie bald einmal Spottnamen wie „Bibelmotten“, „Sakramentarier“, „der heilige Club“ und eben auch „Methodisten“. Man sagte ihnen nach, dass sie nach einer besonderen Methode fromm sein wollten.

Gute zehn Jahre später erfuhr John, dass man einen lebendigen Glauben nicht durch eine besondere Methode erreichen kann, sondern dass dies ein Geschenk der Gnade Gottes ist. Der Name „Methodisten“ blieb hängen und übertrug sich auf die Menschen, die sich ihm anschlossen.

Seit 2004 ist in Österreich das „Evangelisch“ hinzugekommen, weil sich die Evangelisch-methodistische Kirche im deutschsprachigen Raum seit einer Kirchenvereinigung im Jahr 1968 mit diesem Namen bezeichnet.

Was zeichnet uns als Kirche aus?

In der Salzburger Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche sind Menschen aus verschiedenen Nationen und Kulturen vertreten. Wir teilen uns dabei nicht in einzelne Teilgemeinden auf, sondern versuchen trotz aller Verschiedenheit eine Gemeinde zu sein. Damit kommen wir einem grundlegenden Artikel unserer Kirchenverfassung nach, der besagt, dass niemand aufgrund seiner „Rasse, Farbe, nationalen Herkunft, der gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Stellung“ von der Zugehörigkeit zur Evangelisch-methodistischen Kirche ausgeschlossen werden darf.

Was die Zugehörigkeit zur Evangelisch-methodistischen Kirche betrifft, so ist es uns wichtig, dass jede Person im Erwachsenenalter diese Entscheidung bewusst und in eigener Verantwortung trifft. Gleichzeitig erwarten wir von den Mitgliedern unserer Kirche, dass sie sich verbindlich am Leben der Gemeinde beteiligen und die Gemeinde und Kirche mit ihren Gaben und Fähigkeiten unterstützen. Wir setzen dabei keinen Kirchenbeitrag fest, sondern überlassen dessen Höhe der Verantwortung jedes einzelnen.

Es ist uns wichtig, dass gelebter Glaube und das praktische Ausüben der Nächstenliebe Hand in Hand gehen. Darum engagieren wir uns nach unseren Kräften für soziale Belange in der Gemeinde und in der Gesellschaft.

Unsere Stärken und unsere Schwächen

Unsere Stärken sind zugleich unsere Schwächen. Auf der einen Seite sind die methodistischen Gemeinden in Österreich überschaubar. Es wird kaum jemand übersehen und es ist leicht, Kontakt zu finden und in die Gemeinschaft der Glaubenden hinein genommen zu werden. Gleichzeitig wird soviel Nähe manchen Menschen auch einmal zu eng. Wer in naher Berührung mit seinen Glaubensgeschwistern lebt, muss sich auch Auseinandersetzungen und Konflikten stellen. Dies kann zu Verletzungen aber auch zu Klarheit und Wachstum im Glauben führen.

Auf der einen Seite sind wir stolz darauf, dass viele Nationen in unserer Gemeinde vertreten sind. Auf der anderen Seite ist das Miteinander der verschiedenen Kulturen nicht konfliktfrei. Aber gerade das sehen wir als unsere Berufung: die Einheit in Christus immer wieder neu zu suchen trotz unserer Verschiedenheit.

Auf der einen Seite setzen wir uns dafür ein, dass Arme, Flüchtlinge, Geschiedene und an den Rand der Gesellschaft Gedrängte einen Platz in der Gemeinde haben. Auf der anderen Seite bringt uns das immer wieder in Bedrängnis, weil diese Menschen wenig zum finanziellen Unterhalt der Gemeinde beitragen können. Umso mehr erfahren wir den anderen Reichtum, den diese Menschen einbringen können.

Unser Platz in der Ökumene

Das gemeinsame Interesse an der Bibel und das Bemühen um eine der damaligen und der heutigen Zeit gerecht werdende Auslegung verbindet uns mit der evangelischen Tradition.

Das Wissen darum, dass der Glaube gelebt sein will und dass wir zu einem Leben in der Heiligung berufen sind, bringt uns in die Nähe der katholischen Tradition.

Bestimmte Elemente unserer Liturgie lassen uns nicht vergessen, dass wir in der anglikanischen Tradition unsere Wurzeln haben.

John Wesleys Interesse an der Theologie und Spiritualität der alten Kirchenväter lässt uns in den letzten Jahren die Gemeinsamkeiten mit der orthodoxen Tradition entdecken.

Das Prinzip der Zugehörigkeit aus eigenem Entschluss und gewisse Organisationsstrukturen lassen Gemeinsamkeiten mit anderen Freikirchen erkennen.

Was können wir einbringen?

Wir sind zahlenmäßig nicht groß. Dennoch erfahren wir, dass unser Glaube und unsere Kirche nicht an den Landesgrenzen endet. Wir sind mit vielen Menschen über Länder und Meere hinweg verbunden. Das kommt in der Zusammensetzung unserer Gemeinde, im Feiern unserer Gottesdienste und in den Liedern, die wir singen, immer wieder zum Ausdruck.

Als kleine Kirche mit begrenzten finanziellen Mitteln müssen wir sparsam und effizient haushalten. Dennoch geht es uns gut. Es mangelt uns an nichts. Wir können weitergeben von dem, was uns in Fülle geschenkt wird.

Die Flüchtlinge und Menschen aus anderen Kulturen in unserer Gemeinde machen uns achtsam für Menschen, die ihre Heimat verloren haben, die neu anfangen müssen, die wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Armut diskriminiert werden. Das verändert unsere Sichtweise auf manche Dinge und hin und wieder wird unsere Stimme laut für die Anliegen dieser Menschen.

Was können wir lernen?

In mancher Hinsicht bedauern wir, dass wir so klein sind und unsere Stimme leicht überhört wird. Darum versuchen wir dort zusammenzuarbeiten, wo es Gemeinsamkeiten gibt. Soziales Engagement darf sich nicht nur auf konkrete Unterstützungen beschränken, sondern es muss sich auch auf der Ebene der Gesellschaft auswirken.

Bei allem sozialen Engagement braucht es einen guten Ausgleich. Die reiche spirituelle Überlieferung und der Umgang mit Symbolen wie er in der katholischen Tradition gepflegt wird, kann dazu Anregung sein.

 

Mag. Esther Handschin, ev.-meth., Pastorin in Salzburg


Ein Beitrag aus "Ökumenische Informationen Salzburg", Jänner 2007, Nr.22

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