Die evangelische Taufe

Ein Beitrag von Pfarrerin Susanne Lechner-Masser

Wenn die Geburt gut vorüber gegangen ist, die Anzeigen verschickt sind, die ersten Wochen überstanden sind, stellen sich drängend die Fragen: Lassen wir unser Kind taufen? Und wann?

 
Die Taufe ist Grundstein und äußeres Zeichen der Zugehörigkeit zum Christentum – Zugehörigkeit zur Glaubens- und Schicksalsgemeinschaft aller ChristInnen, unabhängig von der Kirche, der sie angehören. Damit ist die Taufe gemäß dem Nicänischen Glaubensbekenntnis [1] das wohl unbestrittenste ökumenische Bindeglied zwischen den ChristInnen. Eine Taufe kann daher auch nicht wiederholt werden, auch dann nicht, wenn ein/e als Kind Getaufte/r später die Zugehörigkeit zu einer anderen Kirche wählt. [2] Sie wird in der Geschichte des über die Jahrhunderte gewachsenen christlichen Glaubens neben dem Abendmahl als das älteste praktizierte Ritual der Christenheit angesehen. In der Theologie der Evangelischen Kirchen werden beide als von Christus eingesetzt geglaubt, [3] sie verbinden das erlösende Wort Gottes mit einer sinnlichen Handlung, das auf diese Weise im Glauben empfangen wird („Heil“), das heißt, sie bewirken ein „versöhntes“ Verhältnis mit Gott. Die Taufe gilt neben dem Abendmahl in der Evangelischen Kirche daher als ein Sakrament. [4] Es darf angenommen werden, dass die wenigsten Eltern, die ihr Kind zur Taufe anmelden, diesen Sakramentscharakter der Taufe theologisch „korrekt“ benennen können. Dies ist auch nicht notwendig: ihre Besonderheit und Tiefe, in der die Gesamtheit des christlichen Glaubens so gebündelt erfahren werden kann, wird auch ohne genaue theologische Kenntnisse leicht erfasst.
 
In den allermeisten Fällen ist die Kindertaufe bis zum ersten Lebensjahr nach wie vor die von evangelischen Christen gewählte Form. Dies ist nicht zwingend – neben ihr werden seltener, aber auch, Taufen im Kleinkindalter, im Schulalter, im Konfirmandenalter und selten auch im Erwachsenenalter vollzogen. Die Kindertaufe wird aber von der evangelischen Theologie wohlbegründet: Die Taufe schenkt nach evangelischem Glaubensverständnis die grundsätzliche und ohne Verdienst oder Leistung gegebene Annahme Gottes im Namen Jesu Christi, die grundsätzliche Aufhebung jeder Trennung zwischen Gott und dem Täufling. In anderen Worten ausgedrückt bedeutet dies: unserem Bemühen zuvorkommend schließt Gott mit uns einen „Bund“, [5] Taufe soll auf fruchtbaren Boden fallen können und das ist entweder der Glaube der Eltern, durch den das Kind eingeladen ist und in den es hineinwachsen kann oder der Glaube des Kindes selbst. Auch in diesem Fall macht der Glaube des Kindes die Taufe nicht verdienter – er ist nur, je älter das Kind, desto mehr Voraussetzung, da ein Kind, das versteht, auf keinen Fall gegen seinen Willen oder auch nur gegen sein inneres Begreifen getauft werden kann. tritt also mit uns in ein besonderes Verhältnis. Dies wird in unseren Augen durch die Kindertaufe hervorgehoben, in der das Kind ganz offensichtlich nichts von sich aus dazutun kann, um Gott zu „gefallen“. Jeder Mensch darf sich selbst als „von Gott geschaffen und gewollt“ betrachten, jedem Menschen gilt die uns in Jesus Christus verkündete Hinwendung Gottes – in der Taufe wird dieses sinnlich erfahren und persönlich zugeeignet. Einmal in dieses Verhältnis aufgenommen lebt der/die Getaufte immer in der Möglichkeit der Vergebung im Namen Jesu und daher immer im Vertrauen auf die Liebe Gottes. Der Glaube im Sinn von Vertrauen in Gott in Leben und Tod ist Antwort auf Gottes Zuwendung. An dieser Auffassung der Taufe ändert sich mit der Anhebung des Taufalters grundsätzlich nichts – im Fall der üblichen Kindertaufe baut christliche Erziehung auf diese Taufe auf, im Falle einer späteren Taufe zielt sie auf die Taufe hin.
Kinder als Säuglinge oder Kleinstkinder mit in das eigene Leben zu nehmen, also auch mit in seinen eigenen Glauben, ist ein guter Grund zu taufen, von alters her in der Kirche tradiert. Es schmälert nicht die Taufe, aber füllt das Leben der Familie mit Segen und Zuspruch, Schutz und Begleitung.
 
Stellvertretend für die Kinder bekennen die Eltern vor der Gemeinde ihren Glauben und ihre eigene Zugehörigkeit zur christlichen Kirche und bekräftigen mit ihrem „Ja“ den Willen zur christlichen Erziehung ihres Kindes. Die Kindertaufe ist wesentlich mit dem Taufversprechen [6] von Eltern und Paten verbunden. Hierbei vertreten die Paten vor dem Kind die „christliche Gemeinde“. In jüngerer Zeit sind, auch um diesem Versprechen gerecht zu werden, evangelische Gemeinden verstärkt bemüht, eine adäquate Taufbegleitung im Kindesalter zu entwickeln. Dies beinhaltet Tauferinnerungen in der Kirche, Erinnerungsschreiben, verstärkte Rückbindung an die Taufe in der frühkindlichen Unterweisung. Mit der Öffnung der Evangelischen Kirche in Österreich im Jahr 2002 zum „Kinderoffenen Abendmahl“, das heißt zu einem Abendmahl, das für alle Getauften ohne Einschränkung durch ihr Alter offen ist, also auch für Kinder (der Wein wird dabei durch Traubensaft ersetzt), wird der Taufe ihre ursprüngliche Bedeutung als Siegel eines vollwertigen Christseins zurück gegeben und wird der Kindertaufe eine neue, noch nicht absehbare Dimension in unserer Kirche eröffnet.
 
Die Taufe mit Wasser symbolisiert die Reinwaschung: „Denn im Wasser der Taufe geht unter, was uns von Gott trennt. Aus dem Wasser der Taufe wird der neue Mensch geboren ...“ [7] und Wasser symbolisiert Leben. Das so genannte „neue Leben“ wird von den Eltern und der Familie des Täuflings gefeiert. Sinnfällig wird hier eine Geburt wiederholt: damit ist nicht die Geburt zu unserem leiblichen Leben gemeint (für dieses zu danken ist Teil der Tauffeier), sondern eine Geburt zu innerem Leben, in kirchlichen Worten: „zu geistlichem Leben“. Die Taufe markiert den Anfang des Weges des Täuflings in der Gemeinschaft der Christen. Eine Reinwaschung scheint zunächst unsinnig, da ein Kind keine „Sünden“ kennt in dem Sinn als es selbst noch keine schlechten Taten verantworten kann. Es wird aber in Anlehnung an die Sündenlehre des Paulus, die in der altkirchlichen Lehre von der „Erbsünde“ ihren Niederschlag findet [8] unter „was uns von Gott trennt“ auch die persönlich unverschuldete Verstrickung in die schuldhaften Zusammenhänge unseres menschlichen Lebens an sich verstanden. Hier glauben wir an die befreiende Macht des geglaubten und so gelebten Christentums zu mehr Miteinander und Frieden für Menschen und geschaffene Welt. – und Wasser symbolisiert Leben.
 
Ein Kind wird geboren und getauft
 
Vom lebenszyklischen Standpunkt aus gesehen treten die theologischen Begründungen zur Taufe zunächst in den Hintergrund: In einer Taufe werden die Bedürfnisse der Eltern und der Familie, die aus der neuen im Wandel befindlichen Situation mit dem Neugeborenen erwachsen, sinnvoll mit dem Ritus der christlichen Glaubensgemeinschaft verknüpft, der in seiner ursprünglichsten Form einen „Neubeginn“, ja, eine „neue Geburt“ versinnbildlichte und „neues Leben“ ermöglichte. [9]
 
Getauft wird heute zunächst oft aus einem schwer mit Worten zu begründenden Bedürfnis: um die Freude am Kind, die Zueignung seines Namens, die Aufnahme in die familiäre und öffentliche Gemeinschaft und die Aneignung eines „göttlichen“ Schutzes und Segens in den „richtigen“, aber auch grundsätzlich in einen geeigneten und schönen Rahmen zu stellen, einen Rahmen, der der Bedeutung des Kindes als das „Wichtigste“ für die Eltern in dieser Zeit gerecht wird. Diesen Wunsch können Eltern auch dann verspüren, wenn sie ihren eigenen Glauben aktuell nicht wirklich auszudrücken vermögen oder der offiziell zugehörigen Kirche fern stehen. Die Kirche ist für die meisten Eltern trotzdem noch immer ein Ort, von dem sie sich einen solchen Rahmen erhoffen und erwarten. Für manche Eltern wird dann das gemeinsame Vorbereiten der Taufe zum Ausdruck ihres Vertrauens in Gott.
 
Getauft wird nicht immer in der Kirche
 
Die Wahl des Ortes kann Wunsch nach Öffentlichkeit, Verbundenheit mit der Gemeinde oder intimer Atmosphäre zeigen – alles ist grundsätzlich erlaubt und hat Platz. Die meisten Taufen werden zwar in der zuständigen Kirche des aktuellen Wohnortes der Familie gefeiert, es werden aber auch die Heimatkirche, besondere Kapellen oder, selten aber doch, Orte im Freien ausgewählt. Von vielen Gemeinden werden Taufen im Gottesdienst als sinnvollster Ort der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft gefördert. Dieses Angebot wird meist dann wahrgenommen, wenn eine stärkere Bindung der Familie zur Gemeinde vorhanden ist. In diesem Fall wird der Taufe im Rahmen eines sonntäglichen Gottesdienstes genügend Raum eröffnet, um auch hier den familiären Bedürfnissen der Familie gerecht zu werden. Beides, Taufe und Gottesdienst werden miteinander verwoben. Der Wunsch nach intimer familiärer Atmosphäre überwiegt aber bei den meisten Tauffamilien gegenüber dem Wunsch, die rituelle Aufnahme in die christliche Gemeinschaft mit der feiernden Gemeinde zu teilen, und es wird ein eigener Taufgottesdienst außerhalb des „Hauptgottesdienstes“ gestaltet.
 
Die Gestaltung der Feier
 
Die äußere Gestaltung der Feier lässt viel Raum für Persönliches, da die Taufe eine Feier für einen an diesem Tag ganz besonders hervorgehobenen Menschen ist, nämlich den Täufling, und gemeinsam sollen er und seine Familie in ihrer neuen Lebenssituation begleitet werden, sei es im Rahmen eines sonntäglichen Gottesdienstes oder in einem eigenen Taufgottesdienst. Der einleitende traditionelle Psalm [10] ruft die persönliche Bewahrung eines jeden Einzelnen in Gott in Erinnerung. Das Dankgebet für dieses Kind, eventuell für die Geburt, gibt uns Gelegenheit, unsere Liebe und Dankbarkeit mit allen Taufgästen zu teilen und sie in die Hand dessen zu legen, der unser aller Schöpfer ist.
 
Die Auswahl der Lieder, oft auch die Auswahl des biblischen Wortes als Taufspruch, liegt meist in den Händen der Eltern: Die Lieder können Ausdruck ihrer Frömmigkeitstradition sein, die im Salzburger Land aufgrund der verschiedenen Herkunft der einzelnen evangelischen Gemeinden und ihrer verschiedenen Gründungsgeschichte auch innerhalb einer Gemeinde sehr verschieden sein können. Zwischen „sehr traditionell“ bis „sehr modern“ ist alles zu finden.
 
Der biblische Spruch [11] ist ein Vers aus der kanonischen Bibel, der dem Kind auf seinen Weg mitgegeben wird. Er wird meistens auf dem Taufschein vermerkt. Suchen die Eltern diesen Vers selbst aus, kommen in ihm oft ihr eigener Glaube und ihre Wünsche für dieses Kind zum Ausdruck, oder aber sie suchen einen Vers, den sie für den sich zeigenden Charakter oder eine sich abzeichnende Besonderheit des Kindes als besonders passend empfinden. Es kann aber auch ein Vers sein, der den Schutz Gottes oder die Erlösung Christi in besonderer Weise verheißt. In den Fürbitten findet die Familie einen Ort, ihre Ängste wie ihre Hoffnungen in Gottes Hand zu legen.
 
Die Taufhandlung
 
Der Höhepunkt der Tauffeier ist die Taufhandlung selbst. Hier ereignet sich, was manchmal nur allgemein und unkonkret als Zeichen der Zugehörigkeit zur Kirche angesehen wird, am eigenen Kind .Die Taufe des Kindes zu erleben und sich dabei seine eigenen Taufe zu vergegenwärtigen, sein Kind aus der Hand symbolisch in die Hand des Paten zu legen und damit auch ein Stück der Verantwortung für sein Wohlergehen, die Nennung seines vollen Namens als einen Namen, der „in das Buch des Lebens“ geschrieben ist, zu hören, macht die Dichte dieser Minuten aus.
 
Die Nennung des vollen Namens hebt das Kind aus der Familie hervor, betont seine von Gott gewollte Individualität, seine Einmaligkeit und stellt es mit der Taufe in eine erweiterte Gemeinschaft, gibt ihm ein eigenes Profil. Der Taufsegen stellt es namentlich in den „Schutz“ Gottes, der nicht als Bewahrung vor allem Bösen dieser Welt verstanden wird, sondern als persönliche Bewahrung durch das Böse hindurch. Der Familiensegen oder Muttersegen spricht der Familie, der Mutter oder den Eltern Begleitung in der neuen und einem Prozess der Veränderung unterworfenen Situation zu.
 
Als Zeichen der Aufnahme in die erweiterte Gemeinschaft und als Zeichen der gemeinsamen Sorge um dieses Kind oder auch als Zeichen des gemeinsamen Vertrauens in Gott, dem das Kind anvertraut wurde, wird manchmal das Kind allen Feiernden zum Zeichnen des Kreuzes als Segenszeichen gegeben. Dies ist nur eine der Möglichkeiten der Gestaltung, die sich in der Freiheit der persönlichen Taufe entwickeln, für die „Gültigkeit“ der Taufe ausschlaggebend bleibt die Taufe mit Wasser und Taufwort selbst.
 
Als rituelle Erweiterung ist anschließend an den Taufakt heute auch in evangelischen Kirchen das Überreichen einer Taufkerze mit dem Spruch Jesu aus dem Johannesevangelium Kapitel 8 Vers 12 („Ich bin das Licht der Welt ...“) und das Entzünden der Kerze an einer Osterkerze oder am Altarlicht als Zeichen der Auferstehung sehr verbreitet. Sie hilft, die Erinnerung an die Taufe sowohl bei den Eltern als auch beim Kind sichtbar zu erhalten, wenn sie etwa am Ostermorgen oder am Tauftag entzündet wird. Das weiße Kleid als Symbol der Reinheit stellt das Neugeborene dann sichtbar auf einen Weg der stets möglichen Erneuerung und Vergebung und gibt dem Taufkind ein für alle Menschen sofort zu deutendes Festgewand.
 
Der Trend zu ritueller Ergänzung in evangelischen Tauffeiern entspricht dem allgemein zu beobachtenden, gesteigerten Bedürfnis nach zeremonieller Gestaltung wichtiger Lebensübergänge. Wird die Taufe später als im Säuglingsalter gefeiert, werden sich solche Rituale dem Alter entsprechend ändern. So können größere Kinder z.B. einen weißen Schal statt eines weißen Taufkleides erhalten, sie können in kindgerechter Form eigene Tauffragen beantworten, sie sind schon selbst in die Taufe eingeführt. Die äußere Gestaltung einer Taufe richtet sich nach dem Bedürfnis der Taufenden. Sie berührt die Taufe selbst nicht, wohl aber ihr Erleben.
 
Abschließend bleibt die Frage, ob die starke Bindung der so bedeutenden alten kirchlichen Taufpraxis an die Bedürfnisse der Tauffamilie nach Begleitung in einer Situation des Übergangs zu einer erweiterten Familie die Taufe in ihrer ursprünglichen Funktion „zweckentfremdet“ und dadurch ihrem Wesen als Sakrament nicht Rechnung getragen wird. Von evangelischem Standpunkt spricht nichts dagegen, den mit dem Taufbegehren verbundenen Bedürfnissen „frischgebackener“ Eltern entgegen zu kommen. Es steht dem Taufenden/der Taufenden nicht zu, „gute und richtige“ oder „schlechte und falsche“ Gründe zur Taufe zu unterscheiden, solange im Taufbegehren ein, wenn auch nicht unbedingt kirchengebundenes Vertrauen in Gottes Hilfe wahrgenommen werden kann. Es liegt an ihr oder ihm, die Taufvorbereitung zu einer gelungenen Zeit werden zu lassen, in dem die Eltern das Wesen der Taufe, die sie für ihr Kind wünschen, besser erfassen können, sollte das Taufbegehren nicht Bekenntnis zu ihrem Glauben und Ausdruck ihrer Hoffnung sein. Auch wo später getauft wird, werden oft markante Übergänge des Lebens des Täuflings gewählt: etwa der Schuleintritt, ein Umzug, die Geburt des letzten Kindes oder anderes. Manchmal wird einfach begehrt, etwas nach außen zu „bewahrheiten“, was schon ist, nämlich bereits gelebter und gewachsener Glaube im Kind.
 


 
[1] Aus dem Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel: „Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden“. Evangelisches Gesangbuch 1994, Evangelischer Presseverband in Österreich.
[2] Ausgenommen sind Übertritte in Kirchen mit baptistischer Tradition, in denen eine Erwachsenentaufe die Norm ist. Dieser liegt ein anderes Taufverständnis zugrunde.
[3] Wenn auch die biblischen Verse, auf die Bezug genommen wird, etwa Mt. 28,19 „Gehet hin und taufet ...“ schon Gemeindetradition durchblicken lassen, werden Taufe und Abendmahl in allen Texten des Neuen Testamentes als urchristliche Praxis bereits selbstverständlich vorausgesetzt und gegebenenfalls wird nicht das „Ob“, sondern das „Wie“ durchleuchtet und reflektiert.
[4] Der Begriff „sacramentum“ hat im Laufe der Theologiegeschichte der Kirche verschiedene Bedeutungen durchlaufen. Erst nach der Zeit des Neuen Testamentes wird dieser Begriff benutzt, um tiefe und wichtige Grundlagen des christlichen Glaubens zu bezeichnen, etwa die Erlösung durch Jesus Christus oder die Dreieinigkeit Gottes. Da das Wort selbst einerseits in der Bedeutung „Fahneneid“ und andererseits in der Bedeutung des griechischen „mysterion“ also „Geheimnis“ in Verwendung war, konnte es in verschiedenster Weise verstanden werden. Mit der Auffassung der Taufe als „Fahneneid“ durch Tertullian um 200 und der Weiterführung des Sakramentsbegriffes durch Augustin als ein äußeres Zeichen, das zusammen mit seinem dazugehörigen deutenden Wort ein nicht sichtbares Geheimnis Gottes oder Geheimnis der Erlösung versinnbildlicht, wurde ein erstes festes Fundament für ein kirchentragendes Verständnis von „Sakrament“ gelegt. In der Evangelischen Theologie gilt bis heute als „Sakrament“ eine von Jesus selbst gestiftete „Verkündigung in Wort und Zeichen“. Mit anderen Worten: es wird eine auf Christus selbst rückbezogene Handlung vollzogen, die die in Tod und Auferstehung Jesu gründende, versöhnende Zuwendung Gottes sinnlich erfahrbar macht und der ein Wort zugeordnet ist, das sie deutet. Die so gefasste Bezeichnung „Sakrament“ trifft in den Augen der Theologie, die sich in evangelischen Kirchen durchgesetzt hat, nur auf Abendmahl und Taufe zu.
[5] Mit „Bund“ wird in der Bibel ein „ver-bind-liches“ Verhältnis zwischen Gott und Menschen bezeichnet. Im Alten oder Ersten „Testament“ (zu deutsch „Bund“) meint dies die „Selbst-bindung“ Gottes an das Volk Israel und ihre glaubende Aufnahme durch das Volk auf der Basis der Geschehnisse vor und am Sinai (Exodus 20ff, Dt. 4ff). Im Neuen oder Zweiten Testament bezeichnet „Bund“ die Selbstbindung Gottes an alle Menschen und ihre glaubende Aufnahme auf der Basis von Leben, Tod und Auferstehung Jesu und die damit ermöglichte Versöhnung der Menschen mit Gott. („Erlösung“)
[6] Eltern: „Seid ihr bereit, euer Kind als Gabe des Schöpfers (oder: aus Gottes Hand) anzunehmen, es zum Glauben an Jesus Christus hinzuführen (oder: es im christlichen Glauben zu erziehen) und ihm durch euer Leben ein Beispiel zu geben, so antwortet: Ja, mit Gottes Hilfe. Für die Paten: „Seid ihr bereit, das Patenamt an diesem Kind zu übernehmen, (den Eltern in der christlichen Erziehung beizustehen), ihm (so) zu helfen, als lebendiges Glied der Kirche Jesu Christi im Glauben zu wachsen und sich zu bewähren, und seid ihr bereit, das Kind auf seinem Lebensweg in Freud und Leid zu begleiten, so antwortet: ‚Ja, mit Gottes Hilfe’.“ Agende der Evangelischen Kirche AB in Österreich; Evangelischer Presseverband 1984. Siehe dort Anm. 27.
[7] „Das Wasser, mit dem wir taufen, ist Zeichen des Todes und Zeichen des Lebens. Denn im Wasser der Taufe geht unter, was uns von Gott trennt. Aus dem Wasser der Taufe wird der neue Mensch geboren, der im Glauben mit Christus lebt.“ Deutung des Wassers in der Taufagende der Evangelischen Kirche in Österreich, Evangelischer Presseverband 1984.
[8] Paulus unterscheidet die Begriffe „Sünde“ und „Sünden“. „Sünde“ bezeichnet in seiner Gedankenwelt jenen Zustand der Welt, die durch die Versündigung Adams grundsätzlich erlösungsbedürftig ist, sie ist bestimmend und daher kann sich kein Mensch von sich aus dieser entziehen. „Sünden“ bezeichnen alle einzelnen Taten eines Menschen, in denen er wissentlich (oder auch unwissentlich) tut, was gegen Gottes Willen ist oder in denen er auch nur wider besseres Wissen „Gutes unterlässt“. Im Sinne des Paulus ist also jeder Mensch gleich schuldig, weil jeder gleich unter der Macht der Sünde geboren ist und weil das Brechen eines Gebotes das Brechen des „ganzen Gesetzes“ bedeutet. In evangelischem Glaubensverständnis wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Basis unserer Bindung zu Gott die freie Liebe Gottes ist: Da nach Paulus also niemand imstande ist, Gottes Gebot ganz zu halten, ist jeder gleich auf unverdiente Zuwendung („Gnade“) angewiesen. Unsere Versöhntheit mit Gott („Rechtfertigung“) ist also als eine Versöhntheit, die uns auf Grund Jesu Leben, Sterben und Auferstehung „zugesprochen“ wird und nicht verdient wird. Auf sie kann deshalb gerade im Stand der Zerworfenheit mit Gott immer zurückgegriffen werden, weshalb immer ein neuer Anfang möglich ist (ausgenommen: Das Begehen der Sünde wider den Heiligen Geist – eine Sünde die nicht vergeben wird: Hebräer 6,4–6).
[9] Die „ursprüngliche“ Taufe ist natürlich die Erwachsenentaufe als Eintritt in die christliche Gemeinschaft. Ab wann Kinder getauft wurden, kann man nicht mit Sicherheit sagen, wahrscheinlich in der zweiten Generation.
[10] Gerne wird z.B. der 23. Psalm genommen („Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln ...“) oder z.B der 139. Psalm („Herr; Du erforschst mich und du kennst mich. Ich sitze oder stehe, so weißt du es ...“).
[11] z.B. Psalm 91,11 „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“ oder Sprüche 3, 5–6: „Verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern setze dein Vertrauen ungeteilt auf den Herrn. Denk an ihn bei allem was du tust; er wird dir den richtigen Weg zeigen.“ Oder Jes. 41,1: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Oder „Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde.“ (1. Tim. 2,5) Oder aus den Seligpreisungen: Es kann jeder Spruch, der für den, der ihn aussucht, persönlich Bedeutung gewonnen hat, genommen werden.
 
Quelle: Bräuche im Salzburger Land, CD-ROM Folge 3, Luidold, Lucia & Kammerhofer-Aggermann, Ulrike (Hrsg.), 2005. www.salzburgervolkskultur.at

 

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